FC Gebesee 1921: Alles begann mit einer Zeitungsanzeige

Jakob Maschke
| Lesedauer: 3 Minuten
Lokalderbys: Die Anfangszeit – hier die erste Mannschaft 1931 – war geprägt von Duellen mit den Teams aus Nachbargemeinden.

Lokalderbys: Die Anfangszeit – hier die erste Mannschaft 1931 – war geprägt von Duellen mit den Teams aus Nachbargemeinden.

Foto: Privatarchiv Hans Dieter Grabe

Gebesee.  Der 22. April 1921 war die Geburtsstunde des Fußballs in Gebesee. Der Spielbetrieb startete abenteuerlich.

In der Gaststätte Thönert wurde 1921 der Gebeseer Fußball aus der Taufe gehoben. Etwa 25 Fußballbegeisterte waren dem Aufruf von Rudi Schmidt, Benno Marr und Otto Wenkel in der Gebeseer Zeitung gefolgt und trugen sich in die Mitgliederliste des Sport-Vereins Gebesee 1921 ein, dessen Satzung am 22. April 1921 genehmigt wurde und in Kraft trat.

Der Spielbetrieb begann abenteuerlich: Gegen die auch in jener Zeit gegründeten Fußballvereine aus Bad Tennstedt, Herbsleben, Straußfurt oder Weißensee wurde auf Wiesen ortsansässiger Bauern gespielt. Holztore aufbauen, kicken, Tore wieder abbauen – einen festen Sportplatz gab es nicht. 1926 wurde dann durch die Stadtverwaltung ein geeigneter Platz für die Fußballer gefunden, die fortan mit zwei Herrenteams, einer Jugend- und einer Schülermannschaft spielten. Dieser ist bis heute der Sportplatz des Vereins geblieben und wurde ab den 1950er-Jahren von den fleißigen Vereinsmitgliedern Stück für Stück um Tribünen und Räumlichkeiten erweitert, die damals in der Umgebung ihresgleichen suchten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm das Gebeseer Vereinsleben nicht nur baulich, sondern

auch sportlich wieder Fahrt auf. Auch andere Sportarten, zuvor zum Teil anderen Vereinen angegliedert, waren nun im von den Fußballern gegründeten Verein, der über die Jahre verschiedene Namen trug, aktiv. Etwa die Kunstradfahrerinnen Brunhilde Voigt, Jutta Möller sowie Bärbel und Helga Koch, die mehrfach DDR-Meister wurden. „Für die Fußballer war 1989/90 die erfolgreichste Saison“, erinnert sich der Bruder der Koch-Schwestern, Norbert Koch, heute Vizepräsident des Vereins, an die Spielzeit kurz vor der Wiedervereinigung. Schon in den 1960ern mehrfach in die Bezirksklasse aufgestiegen, schafften das die Gebeseer Fußballer in diesem Jahr erneut, wurden Staffelsieger der 1. Kreisklasse, Kreismeister und holten zwei Pokale.

Nach der politischen brachte die zeitliche Wende einen abermaligen Umschwung: Nach der Jahrtausendwende stiegen die Gebeseer Kicker 2001

unter Spielertrainer Uwe Backhaus in die Landesklasse auf. Dort waren sie viele Jahre nicht mehr wegzudenken, spielten bis 2016 ununterbrochen Landesklasse. Inzwischen hatten sich die Fußballer herausgelöst und gingen als FC Gebesee 1921 an den Start. Einige Male scheiterten sie knapp am Aufstieg in die höchste Thüringer Spielklasse, ehe das Team 2016 wegen finanzieller Probleme auf Kreisebene zurückgezogen wurde.

Dort spielt der Verein auch heute, war zuletzt einer der Aufstiegsaspiranten in der Kreisliga. Auch die Nachwuchsarbeit funktionierte gut, ohne Spielgemeinschaft bekamen die Gebeseer eine B-, D-, E-, F- und G-Jugend zusammen.

Dann kam die Corona-Pandemie. „Das ist auch für unseren Verein eine ganz schwierige Situation. Wir wissen nicht, wann es weitergeht und wie viele der Kinder dann wieder auf dem Platz stehen. Gerade bei den 14- bis 18-Jährigen könnte es schwierig werden. Mir blutet das Herz“, sagt Vorstandsmitglied und Bambini-Trainerin Susi Wenzel.

Doch in 100 Jahren Vereinsleben waren schon einige Krisen zu meistern. Es ist davon auszugehen, dass das dem FC Gebesee 1921 auch diesmal gelingt.