Fernduell per Video-Chat?

Gräfenroda.  Für Gewichtheber-Bundesliga wird über Kämpfe von verschiedenen Orten aus nachgedacht. Startet der SV 90 Gräfenroda gegen Weiden mit einem Online-Kampf?

Per Video-Chat könnte der jeweilige Gegner die Wertungen seines Konkurrenten aus der Ferne analysieren. So könnte beispielsweise Weiden trotz eigentlicher Auswärtsaufgabe daheim heben und Gastgeber Gräfenroda ebenfalls in der eigenen Halle nachziehen. Heimrecht hätten so beide. Ist das unabhängig von Corona der Sport der Zukunft?

Per Video-Chat könnte der jeweilige Gegner die Wertungen seines Konkurrenten aus der Ferne analysieren. So könnte beispielsweise Weiden trotz eigentlicher Auswärtsaufgabe daheim heben und Gastgeber Gräfenroda ebenfalls in der eigenen Halle nachziehen. Heimrecht hätten so beide. Ist das unabhängig von Corona der Sport der Zukunft?

Foto: René Röder

Corona bringt die Pläne aller Sportarten an die Belastungsgrenze. Können die langen Ausfallzeiten durch Lockdown oder Quarantäne überhaupt bis zum Saisonende aufgeholt werden? Im Gewichtheben hat man sich beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) für die 1. und 2. Bundesliga Gedanken gemacht, wie man das mit einem Saisonstart am 6. Februar 2021, statt wie geplant dem 21. November 2020, lösen könnte.

Eine generelle Absage der Saison soll unbedingt vermieden werden. Grundvoraussetzung ist eine für Kraftsportler ausreichende Zeit der Trainingsvorbereitung. Das sieht auch Gräfenrodaer Gewichtheber-Chef René Holtmann so: „Eine Vorbereitung von vier Wochen nach Öffnung ist unumgänglich, da waren wir uns alle einig“, so der Gräfenrodaer, der auch in den Gremien des BVDG mitentscheidet. Holtmann weiß aber auch, dass ein erneuter Lockdown alle Bestrebungen auch zu Fall bringen könnte. „So sind wir natürlich auf der Suche nach außergewöhnlichen Ideen.“

Ob ab dem 6. Februar 2021 die Bundesliga in bisheriger Form durchgeführt werden kann, bleibt weiterhin fraglich. Dazu soll eine Arbeitsgruppe mögliche alternative Möglichkeiten erarbeiten, von denen dann eine in Abstimmung mit den Vereine Wettkampfvariante favorisiert und umgesetzt werden soll. Klar ist jetzt schon, dass eine Verlängerung der Bundesligasaison über Anfang Mai hinaus nicht in Betracht kommen wird.

Doch welche Varianten könnte es geben? Holtmann: „Wir könnten versuchen in Turnieren mit drei Mannschaften die Kampf-Rückstände aufzuholen.“ Gewertet werden könnten so je zwei Kämpfe aus eigentlich nur einem Kampf.

Innovative Idee, scheintmehr als nur ein Notnagel

Die innovativste Idee, da ohnehin Kämpfe ohne Zuschauer sehr wahrscheinlich bleiben, ist die der Fernduelle zweier Mannschaften an zwei verschiedenen Orten – verknüpft durch einen Video-Chat. Die digitale Revolution durch Corona-Beschränkungen macht das möglich. Am 6. Februar soll der SV 90 Gräfenroda eigentlich im ersten Kampf nach dem Lockdown den 1. AC 1897 Weiden um 16 Uhr empfangen. Das wäre auch online möglich, würde Kosten sparen und Hygienevorschriften erleichtern. Beide Teams kämpften zu Hause unter Aufsicht geschulter Schiedsrichter. Der Gegner kann via Videostream verfolgen, was der Gegner vorgibt, taktisch und sportlich reagieren – natürlich nur wenn die Verbindung auch hält. Das ist netztechnisch kaum noch ein Problem, ein Videokamera oder auch nur ein modernes Handy oder ein Tablet könnte den Livestream ermöglichen.

Holtmann: „Wenn es das Netzhergibt, warum nicht?“

Die Vereine zeigen sich noch verhalten aufgeschlossen. Auch Gräfenrodas Gewichtheber-Chef René Holtmann stutzte erst, sieht das aber eher positiv: „Die die Netzabdeckung im Wolfstal müssten wir noch prüfen, aber ehe durch bundeslandübergreifende Verordnungen, Bestimmungen und Unsicherheiten gar nichts läuft, ist das eine Option. Und wenn es notwendig werden sollte, würden wir das auch versuchen.“

Bis zu einer wirklichen Entscheidung, will der Verband noch die Entwicklungen abwarten. Parallel sollen die Vereine der beiden Bundesligen Vorschläge unterbreiten. Auf jeden Fall soll die Saison auch abgeschlossen werden, was, wenn es keine weiteren Lockdown-Situationen geben wird, machbar erscheint. Geplantes Saisonende war bisher der 10. April, zwei Wochen danach war das Saisonfinale der Zweitliga-Staffelsieger vorgesehen. Nach momentanen Stand wären drei Runden aufzuholen.

Auch wenn die Saison startet, ist unklar, welche ausländischen Heber dann überhaupt nach Deutschland einreisen dürften. Der SV 90 Gräfenroda hat erstmals zwei tschechische U23-Asse verpflichtet. Jakub Bartecek und Jakub Gorny können derzeit in ihrer Heimat aber überhaupt nicht trainieren. „Wir haben regelmäßig Kontakt zu den beiden. In Tschechien ist im Moment alles viel schlimmer. Beide sind aber gesund, und wollen für uns starten“, so Holtmann.

Während die Dezember geplante Deutsche Meisterschaft in Böbingen ersatzlos gestrichen wurde, soll die U23-EM standfinden und die Teilnahme dort ist für André Langkabel greifbar. Im Training und internen Tests kratzte er zuletzt mehrfach an seinen Normerfüllungswerten. Was er wie alle anderen auch einfach jetzt schnell wieder brauchen, sind Wettkämpfe. Online-Wettkämpfe, so außergewöhnlich sie noch erscheinen mögen, könnten die Lösung sein..