Fünfkampf um zwei Weltcup-Plätze: Biathleten ab Samstag in Finnland

Oberhof.  Ab Samstag geht es für die deutschen Biathleten in Finnland um die Weltcup-Tickets.

Erste Schritte auf Schnee: Erik Lesser (links) und Arnd Peiffer in der Oberhofer Skihalle. Am Samstag fliegen sie ins legendäre Muonio.

Erste Schritte auf Schnee: Erik Lesser (links) und Arnd Peiffer in der Oberhofer Skihalle. Am Samstag fliegen sie ins legendäre Muonio.

Foto: Gerhard König

Muonio ruft – und so manchen Biathleten schaudert es. Die 2200-Seelen-Gemeinde im Nordwesten Finnlands, die von der deutschen Mannschaft traditionell für sein finales Trainingslager vor dem Saisonstart genutzt wird, steht seit Jahren als Synonym für: Einsamkeit, arktische Kälte, sonnenlose Tage – und nicht zuletzt für einen kulinarischen Härtetest. Immer winkt jedoch die gleiche Belohnung. Am Ende des zehntägigen Lehrgangs 200 Kilometer nördlich des Polarkreises werden die Weltcup-Tickets für den Winter vergeben.

Wenn sich an diesem Samstag der deutsche Tross gen Lappland aufmacht, reist also die Hoffnung mit. Insgesamt 17 Skijäger, sieben Frauen und zehn Männer, wollen sich einen Platz im A-Team sichern. Vor allem bei den Männern ist Spannung garantiert: Weil Arnd Peiffer, Benedikt Doll, Johannes Kühn sowie Philipp Horn aus Frankenhain aufgrund ihrer letztjährigen Leistungen für den ersten Wettkampfblock gesetzt sind und der Oberhofer Lucas Fratzscher als amtierender IBU-Cup-Sieger ein persönliches Startrecht für den Auftakt besitzt, ringen die restlichen Fünf um noch zwei freie Startplätze. Zu ihnen gehört mit Erik Lesser auch „Thüringens Sportler des Jahres“.

Zusätzliche Belastung: Keine IBU-Cup-Rennen bis Jahresende

Der Konkurrenzkampf wird dadurch noch zusätzlich verschärft, weil die „Verlierer“ bis zum Jahresende bei Wettkämpfen außen vor sind. Der Weltverband hat alle Rennen des IBU-Cups, dem Tummelplatz für die zweite Reihe, abgesagt. Bundestrainer Mark Kirchner, dessen Schützlinge zuletzt in der Oberhofer Skihalle die ersten Schritte auf Schnee absolvierten, sieht es sportlich: „Es gab ja in den letzten Jahren immer mal wieder Kritik, dass nichts nachkommen würde. Jetzt macht die zweite Reihe Druck – das ist doch schön.“ Vor allem Johannes Donhauser (Ruhpolding) und Dominic Schmuck (Schleching) haben mit ihren Titeln bei den deutschen Meisterschaften im September aufhorchen lassen.

Sie dürfen sich auf eine „Begrüßung“ der speziellen Art freuen. In Muonio erwartet alle Neulinge als traditionelles Aufnahmeritual der Verzehr von „Surströmming“. Der übelriechende vergorene Hering gilt im Norden Skandinaviens als Delikatesse, kostete einst aber schon Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier große Überwindung. Auch mental werden die kommenden Monate den Biathleten viel abverlangen. Wo sonst pulsierende Kulissen für Gänsehaut-Atmosphäre gesorgt haben, wird es nun ziemlich still sein. Im finnischen Kontiolahti, wo am 28. November die Saison mit zwei Weltcups beginnt, sind allenfalls wenige Besucher zugelassen. Die beiden Veranstaltungen im Januar in Oberhof werden gänzlich ohne Publikum ausgetragen.

Bundestrainer: Geister-Weltcups besser als gar keine Wettkämpfe

„Keine Zuschauer und dazu noch ein halbfertiges Stadion – das macht es doppelt schwierig für Oberhof“, weiß Kirchner. Trotzdem ist der Erfolgstrainer aus Scheibe-Alsbach froh, „dass überhaupt Wettkämpfe stattfinden können und wir nicht zu Hause sitzen müssen“. Gewisse Einschränkungen gelte es in diesem „verrückten Winter“ mitzutragen.

Auch Olympiasieger Arnd Peiffer sieht es pragmatisch: „Diese Saison müssen wir uns mit Corona arrangieren. Wenn ich die Wahl habe, gar keine Rennen zu laufen oder eben ohne Zuschauer, entscheide ich mich natürlich für die Rennen ohne Fans.“ Weil dann die Quälerei in der Vorbereitung nicht umsonst war.

Biathlon-Weltcup in Oberhof: Mit leeren Rängen auch weniger Kosten

Kommentar: Ein Winter in der „Blase“

Finanzielles Fiasko? Weltcup in Oberhof droht Millionen-Defizit