„Fußball spielt gerade eine geringe Rolle“

Ohrdruf .  Stephan Kubirske vom FSV Ohratal Ohrdruf spricht im Interview über die aktuelle Situation und den Blick nach Namibia.

Stephan Kubirske (schwarzes Trikot) kommt beim FSV Ohratal im Mittelfeld zum Einsatz und ist absoluter Stammspieler.

Stephan Kubirske (schwarzes Trikot) kommt beim FSV Ohratal im Mittelfeld zum Einsatz und ist absoluter Stammspieler.

Foto: UWE PETZL

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Seit 2015 läuft Stephan Kubirske für den FSV Ohratal auf. Wie alle anderen Fußballer befindet sich der in Tabarz wohnende Familienvater im Wartestand. Wir sprachen mit dem 31-Jährigen über sein Geburtsland Namibia, den Traum von der Nationalmannschaft und ein mögliches Kürzertreten nach der Saison.

In ganz Deutschland wird über das Corona-Virus gesprochen. Wissen Sie, wie sich die Situation in Ihrem Geburtsland Namibia darstellt?

Ich bin immer mit der Familie in Kontakt. In Namibia gibt es auch die ersten Fälle, aber sie haben schnell reagiert und sofort den „Shutdown“ angeordnet. Sie lassen niemanden mehr einreisen, nur der Lkw-Verkehr mit Südafrika bleibt bestehen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Bisher sind nur zwei Fälle bekannt, ich hoffe, es werden nicht mehr. Die Schulen sind zu, alles soll schnell greifen. Das ist auch gut so, denn alles andere wäre fatal. Das Gesundheitssystem ist natürlich deutlich anders als in Deutschland.

Hat sich der Kontakt zur Familie seitdem intensiviert?

Auf jeden Fall. Wir sprechen fast jeden Abend miteinander, ich abwechselnd mit meinem Bruder oder Eltern. Das machen wir über Skype oder Whatsapp. Beide Seiten wollen wissen, wie der neueste Stand ist und ob es meinem kleinen Sohn, meiner Frau und mir gut geht.

Wie sehr fehlt Ihnen der Fußball?

Schon sehr. Wir sind jetzt seit rund anderthalb Wochen raus, das vermisst man schon. Aber es stehen andere Sachen im Vordergrund. Fußball spielt in diesen Tagen eine geringe Rolle. Aber klar, ich hätte wieder Bock, mit den Jungs zu kicken.

Mit dem FSV Ohratal waren sie vor der Zwangspause klar auf Kurs Meisterschaft und Aufstieg. Welche Variante würden Sie favorisieren, sollte in dieser Saison kein Spiel mehr ausgetragen werden können?

Das ist schon schwierig. Das Beste und sportlich fair wäre wohl, man könnte die Saison fortsetzen, aber das scheint unrealistisch. Wir würden uns aus Vereinssicht freuen, wenn die Saison bis zur Winterpause gewertet würde. Aber ich sage auch, dass man für alle eine Lösung finden muss. Da gibt es Teams, die Stand jetzt absteigen würden und sagen können, wir hätten ja in der Rückrunde noch was reißen können. Ähnlich ist es anders herum. Nur denen im Mittelfeld wäre es wohl egal.

Sie hatten eigentlich geliebäugelt, nach der Saison kürzerzutreten und in die Zweite zu gehen. Wird dieser Plan verschoben?

Ja. Es gab schon Gespräche mit dem Vorstand zwecks nächster Saison. Ich habe auch schon mit meiner Frau gesprochen. Ich konnte mich bisher noch nicht durchringen, kürzerzutreten. Dafür ist der Ehrgeiz zu groß. Glücklicherweise steht sie voll hinter mir und hält den Rücken frei. Sie sagt mir: Wenn es dir so viel Spaß macht, dann mach nur. Ich ziehe also noch ein Jahr durch, dann entscheiden wir, wie es weitergeht.

Ihre Laufbahn in Deutschland startete einst beim FC Carl Zeiss Jena. Unabhängig vom Virus, der die Saison lahmlegt – wie bewerten Sie die sportliche Situation an der Saale?

Ich verfolge das noch sehr genau und fiebere mit. Es ist schon sehr schade, wie es gelaufen ist. Letzte Saison haben sie mit einer tollen Aufholjagd noch die Klasse gehalten. Da hoffte jeder, dass es besser wird. Doch geändert hat sich nichts. Aktuell steigen sie ab, die Liga ist verloren. Vielleicht haben sie durch Corona das Glück, dass die Saison nicht gewertet wird. Aber das ist schon traurig, genau wie die Entwicklung des FC Rot-Weiß. Da weiß auch keiner, wie es weitergeht. Vielleicht haben wir nächste Saison überhaupt keinen Profifußball mehr in Thüringen.

In Jena spielte einst auch Manfred Starke, der wie Sie aus Namibia stammt. Gibt es Kontakt zueinander?

Ja. Zwar nicht wöchentlich, aber schon immer mal. Ich habe auch noch Freunde in Jena, die mit ihm befreundet sind. Und ich kenne seinen Vater sehr gut, der mich im Nachwuchs bei der Nationalmannschaft im Trainerteam mit betreut hat. Ich verfolge seinen Werdegang noch ganz genau.

Starke lief einst auch für die A-Nationalmannschaft Namibias auf. Wie nah waren Sie an der Landesauswahl dran?

Das war eine Zeit lang ein Thema, als ich aus Oldenburg zurückgekommen bin und dann zu Wacker Gotha in die Oberliga wechselte. Zu diesem Zeitpunkt war die Nationalmannschaft in Deutschland im Trainingslager und ich habe einen Anruf bekommen, ob ich dazustoßen möchte, quasi eine Art Sichtung. Aber das war von der Arbeit aus schwierig. Das Trainingslager ging über 14 Tage und ich hätte Urlaub nehmen müssen. Das war es mir dann doch nicht wert, zumal es weitere offene Fragen gab, selbst wenn ich es geschafft hätte. Hätte man mich auf Arbeit für jedes Länderspiel freigestellt? Mir war das berufliche Weiterkommen wichtiger.

Traurig, dass es nicht zu einem Einsatz kam?

Mit ein wenig Glück hätte es passieren können. Aber nein, ich trauere dem nicht nach, auch wenn es eine tolle Sache gewesen wäre. Auf lange Sicht wäre es schwierig geworden, alles zu vereinbaren. Ich war schließlich nie Profi.

Zurück zur Gegenwart. Beim FSV Ohratal engagieren Sie sich als Jugendleiter. Was geben Sie den Talenten von morgen mit?

Vor allem, dass sie Spaß am Fußball haben und auch einen gewissen Ehrgeiz entwickeln. Ich möchte die Arbeit vorantreiben, aber den Jungs auch gesellschaftliche Werte weitergeben. Der Fußball ist ein großes Miteinander, jeder soll wissen, was zu einem Team gehört. Ich hoffe nur, sie hören auf meine Worte (lacht).

Wann, glauben Sie, rollt der Fußball wieder?

Offiziell ja am 20. April. Aber wenn man die Ereignisse verfolgt, glaube ich das nicht. Eher kann man das für den Sommer anpeilen, je nachdem, welche Maßnahmen getroffen werden. Ich würde mir wünschen, dass wir zumindest irgendwann zeitnah wieder zusammen trainieren können.

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