Fußballer Sebastian Schön über seine Zeit mit Corona

Apolda.  Der Fußballer Sebastian Schön hatte Corona. Seine Katzen, Bücher und etwas Arbeit halfen ihm in dieser Zeit

Der Fußballer Sebastian Schön lebt in Weimar, arbeitet in Apolda und spielt in Blankenhain Fußball. Die vergangenen zwei Wochen war er aber auf seine eigenen vier Wände beschränkt.

Der Fußballer Sebastian Schön lebt in Weimar, arbeitet in Apolda und spielt in Blankenhain Fußball. Die vergangenen zwei Wochen war er aber auf seine eigenen vier Wände beschränkt.

Foto: Michael Ulbrich

Es ist ein kurzer Blick aufs Handy, der erst einmal nicht viel verheißt. Eine Nachricht ist in die Whatsapp-Mannschaftsgruppe von Grün-Weiß Blankenhain angekommen. Wer weiß schon, was der Sportfreund will. „Dann liest man irgendwann und es beginnt zu rattern“, erzählt Sebastian Schön. Der Mitspieler informierte, dass er positiv auf Corona getestet wurde. „Ich bin da nun niemand, der nicht weiß, wohin mit den Emotionen. Ich habe das ganz pragmatisch aufgenommen“, sagt Schön. „Derjenige hat uns auch gleich mitgeteilt, was die nächsten Schritte sind. Melde dich beim Gesundheitsamt und hole dir da weitere Anweisungen ab.“

Nach der Positivmeldung griff Schön auch direkt zum Hörer, versuchte, das Gesundheitsamt zu erreichen. „Das blieb erfolglos. Die sind wohl gerade auch etwas überlastet“, erzählt er. Zwei Tage hat es gedauert, bis er einen Rückruf erhielt. Man habe ihm viele Fragen gestellt. Zum Beispiel wie der Kontakt zum positiv Getesteten zustande kam. Noch am selben Tag, binnen einer Stunde nach dem Telefonat, wurde schon der Abstrich in Weimar genommen. Eine solche Diagnose schocke aber nicht.

„Ich hatte mich in den vergangenen Monaten schon immer wieder damit auseinanderangesetzt, dass es passieren kann“, sagt Schön. Er sei aber weit weg von jedweder Hektik, da sich die Situation für ihn ja nicht durch eine solche Reaktion verändere.

„Ob der Krankheitsverlauf dann schlimm wird oder nicht, habe ich ja nicht in der Hand. Ich muss ja mit beiden Dingen umgehen. Also habe ich es auf mich zukommen lassen. Gedanklich war ich so weit, dass ich da eher an meine Kontaktpersonen in der Familie, in meinem Team bei der Arbeit oder bei meinen Kunden gedacht habe. Wen muss ich anrufen, wen muss ich beim Gesundheitsamt angeben?“, erzählt er. Angst vor Corona hatte da keinen Platz in seinem Kopf, fügt der 24-Jährige an, der in der Finanz- und Versicherungsbranche arbeitet.

Die Behörden behandelten den Fall sehr professionell

Innerhalb von 24 Stunden war dann auch das Testergebnis da, telefonisch erhielt der Weimarer die Diagnose, die er ruhig aufnahm. „Vielleicht ist es ein blöder Spruch“, sagt er, „aber Sorgenmachen ist doch, als wenn ich bei Sonnenschein einen Regenschirm mitnehme, weil es vielleicht regnen könnte. Das mache ich nicht, das ist unsinnig. Und genau so ist es bei mir mit der Angst“, erklärt Schön. Er habe sich bei der Behörde dann versichert, wie es weitergehe und ob er etwas zu beachten habe. „Die Kommunikation mit dem Gesundheitsamt war da sehr gut. Auch die Leute dort haben keine große Nervosität ausgelöst, sondern alles in Ruhe erklärt“, bemerkt er.

Dann also ging es sofort in die Quarantäne, alle habe er informiert – mit jedem gesprochen, mit dem er sich traf oder mit dem er noch verabredet war. „Viele haben Hilfe angeboten. Meine Eltern haben für mich eingekauft, mein Team bei der Arbeit einen Teil meiner Aufgaben abgefangen, die ich nicht von zuhause aus erledigen konnte“, sagt Schön. Auch seine Kunden hätten volles Verständnis gezeigt. „Viele Termine konnte ich verschieben, andere online stattfinden lassen.

Und an Genesungswünschen hat es auch nicht gemangelt.“ Auch langweilig ist es ihm in den eigenen vier Wänden nicht geworden, er habe sich nicht nur von einer Seite auf die andere gewälzt. Er habe eben auch Glück gehabt, dass es ihm gut ging. „Ich habe versucht, meinen Arbeitsalltag normal zu bewältigen. Es blieb eben beim Papierkram, den man von zuhause aus super schaffen kann“, erzählt Schön, der obendrein nicht so ganz allein daheim war. Seine beiden Stubentiger Balou und Mogli haben sich diebisch gefreut, ihr Herrchen mal etwas länger für sich zu haben.

Auch das eine oder andere Buch habe er gelesen. Und doch: „Es war dann irgendwann nach ein paar Tagen schon bedrückend, nicht die Wahl zu haben, mal in den Park zu gehen, sich mit Freunden zu treffen“, berichtet er. Alles in allem aber sei es erträglich gewesen – und Schön betont, dass er wisse, dass nicht jeder so viel Glück hat wie er, dass es viele gibt, die mit diesem Virus im Spital landen. Er selbst habe sogar jeden Tag ein klitzekleines Fitnessprogramm absolvieren können. „Es waren ein paar Krafteinheiten. Ich habe also eher die Yogamatte platt gelegen“, erzählt er und lacht.

Wo die Infektion stattfand, lässt sich nicht mehr nachvollziehen

Passiert ist’s wohl bei der Begegnung in Zottelstedt. „Es war ja ein Mitspieler von mir, gefoult hat er mich also schon mal nicht“, sagt Schön und lacht. Der FSV Zottelstedt habe ein sehr strenges Hygienekonzept, an das sich jeder gehalten habe. „Die Anreise erfolgte mit Maske, die auch in der Kabine zu tragen war“, erinnert er sich. Und doch sei es beim Fußball so, dass es Situationen gibt, in denen man sich begrüßt, sich abklatscht. „Oder in denen es in der Kabine beim Umziehen mal ein Gewusel gibt, in dem man den Abstand eben mal nicht so genau einhalten kann“, sagt der Mittelfeldspieler.

Eine genaue Verortung der Infektion könne er so nicht vornehmen. Nein, böse ist er dem Mitspieler nicht, der es mutmaßlich einschleppte. „Man kann ja sowieso nicht genau sagen, wer der Patient Null bei uns war. Auch er war ja symptomfrei, vielleicht hat er es vorher ja schon von jemand anderem aus der Mannschaft bekommen“, sagt Schön. Er wolle aber nicht spekulieren, sondern dankbar sein, dass es für alle so glimpflich ausging. Auch er hat niemanden aus seinem direkten Umfeld noch angesteckt. Selbst seine Schwester Sara, mit der er am Vorabend der folgenschweren Whatsapp-Nachricht noch gemeinsam zu Abend aß, blieb vom Coronavirus verschont.

Inzwischen geht Sebastian Schön wieder zur Arbeit, steht voll im Alltagsstress. Am liebsten würde er auch wieder zum Training fahren – das allerdings werde noch einige Zeit ausfallen, wie er sagt. Nein, in diesem Jahr glaubt er nicht mehr daran, dass noch Spiele stattfinden. Erst ein Impfstoff werde wohl die erhofften Erleichterungen bringen, den Weg zurück in die alte Normalität ebnen. Bis dahin, so sagt es Sebastian Schön, werde man die Situation eben annehmen müssen, wie sie ist. „Das ist alternativlos.“