Futsal wird in Thüringen nicht weiter gefördert

Der Thüringer Fußball-Verband nimmt den Beschluss zugunsten des technisch anspruchsvollen Hallenfußballs zurück.

Die Thüringer Futsal-Meisterschaft wird es weiterhin nur auf freiwilliger Basis geben. Foto: Olaf Leffler

Die Thüringer Futsal-Meisterschaft wird es weiterhin nur auf freiwilliger Basis geben. Foto: Olaf Leffler

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Erfurt. Vom ganz großen Aufschwung Futsals in Deutschland war die Rede. Von der Etablierung zu einer festen Größe im deutschen Fußball mit einer bundesweiten Liga und der Einführung einer Futsal-Nationalmannschaft. Künftige Nationalspieler sollten Futsal als Sprungbrett für das Fußball-Auswahlteam nutzen. Als Vorbilder dienten Brasilianer wie Ronaldo und Pelé, die ihre technischen Fertigkeiten im Futsal erlernten und später im Fußball davon profitierten. Die Visionen des DFB verpufften im Nichts. Das Thema Futsal-Nationalmannschaft wird nicht weiter realisiert. Die Förderung wurde eingestellt.

Dabei birgt Futsal gegenüber dem bekannten Hallenfußball auf Kunstrasen einige Vorteile: Die Sportart lebt von den technischen Anforderungen. Futsal ist dynamisch und fordert eine saubere Ballbehandlung. Das Regelwerk ist ein anderes. Gegrätscht werden darf beispielsweise nicht. "Das Verletzungsrisiko ist deutlich geringer", weiß Stefan Weber aus Eisenach. Der ehemalige FIFA-Futsal-Schiedsrichter ist besonders enttäuscht von der derzeitigen Situation in Thüringen.

Denn der Thüringer Fußball-Verband (TFV) hat seine Bemühungen ebenfalls auf den "Status quo" heruntergeschraubt.

"Es gab im vergangenen Jahr einen Beschluss vom TFV-Präsidium, alle Fußball-Hallenmeisterschaften künftig als Futsal-Variante auszutragen", berichtet Weber. Nachdem Dr. Wolfhardt Tomaschewski Rainer Milkoreit als TFV-Präsidenten abgelöst hatte und der Kreisfußballverband Weimar daraufhin bat, diesen Beschluss noch einmal zu überdenken, wurde eben jener vom TFV-Vorstand ohne Angabe von Gründen zurückgenommen.

Dabei hatte der TFV im Februar bereits die Weichen für eine erfolgreiche Futsal-Entwicklung im Freistaat gestellt. In Bad Blankenburg war er Gastgeber eines Futsal-Sichtungsturniers der Landesverbände Berlin, Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Erstmals trat dort eine Thüringer Futsal-Landesauswahl unter Trainer Rüdiger Schnuphase an. Der TFV rief zudem eine Arbeitsgemeinschaft Futsal ein. Sie hatte das Ziel, Futsal in Thüringen zu fördern.

"All unsere Bemühungen waren umsonst", beklagt der ehemalige TFV-Futsal-Beauftragte Mirko Spangenberg. Der Erfurter ist nach der Beschlussrücknahme wie Weber aus der Arbeitsgemeinschaft zurückgetreten. "Unsere Arbeit von mehr als zwei Jahren ist in 15 Minuten zunichte gemacht worden", sagt Spangenberg. "Wir haben unsere Arbeit boykottiert gesehen", ergänzt Weber. Er weist zudem darauf hin, dass man sich in Berlin und Sachsen nicht vor der DFB-Entscheidung, Futsal nicht weiter zu fördern, versteckt. Dort ist Futsal die offizielle Spielform für Hallenmeisterschaften.

In Thüringen gibt es dagegen weiterhin nur eine freiwillige Futsal-Meisterschaft mit Mannschaften, die sich melden können. Sie wird am 22. Januar in Schmalkalden ausgetragen. Beim TFV hält man sich zum Thema Futsal bedeckt. Ulrich Hofmann, Verantwortlicher für den Breitensport, betont, Futsal werde von den Vereinen nicht ausreichend angenommen.

Das ist Futsal

Seit 1989 ist Futsal die offizielle Hallenfußball-Variante der FIFA. Auf einem Handballfeld mit Handballtoren spielen jeweils fünf Spieler mit einem kleineren, sprungreduzierten Ball 2 x 20 Minuten gegeneinander.

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