Green Table Apolda: Wo große Tische auf junge Talente warten

Stephan Klaus
| Lesedauer: 5 Minuten
Auch Green-Table-Akteur Sebastian Simon kann derzeit nicht am großen Tisch trainieren.

Auch Green-Table-Akteur Sebastian Simon kann derzeit nicht am großen Tisch trainieren.

Foto: Peter Hansen

Apolda.  Die Snookerspieler des SV Green Table Apolda freuen sich auf die Wiederaufnahme einer Kooperation mit der Uni Jena.

Snooker ist in Deutschland vor allem ein Fernsehsport, den enorm viele Sportinteressierte mindestens schon mal gesehen, in vielen Fällen auch stundenlang genossen, jedoch eher selten bis noch nie selbst gespielt haben. Gerade Letztes unterscheidet diese besondere Sportart von anderen Billardvarianten auf wesentlich kleineren Tischen; Varianten, die man zum abendlichen Zeitvertreib ganz gern mal im Keller der Kneipe nebenan mit den Kollegen aus der Wohngemeinschaft praktizieren kann.

Doch die Faszination an der vermeintlichen Königsdisziplin im Billardsport packt ab und an doch einige, um sich ihr auch praktisch zu nähern – mit all den Herausforderungen, die Snooker im Schlepptau hat: Ein etwa 3,60 mal 1,80 Meter großer Spieltisch wiegt meist mehr als eine Tonne und will erst irgendwo untergebracht werden. Ein Frame im Snooker, vergleichbar mit einem Satz im Tennis oder Volleyball, kann sich sogar bei Profis durchaus mal über eine halbe Stunde hinziehen, was den Zeitaufwand für Amateure nur erahnen lässt. Jahrelanges Trainieren von Geschick, Technik, Geduld und Taktik sind unabdingbar.

Diese und zusätzliche, rechtliche Unwägbarkeiten haben ein paar Snookerverrückte aus Apolda 2008 nicht abbringen lassen, ihr Hobby trotz der holprigen Vorstartphase des Vereins durchdrücken zu wollen. Mit einer halbjährlichen Verzögerung meisterten sie die Hürde Vereinsgründung, sodass seit 2009 der SV Green Table Teil der überschaubaren Snookerfamilie Thüringens ist.

Ein Jahr später gesellte sich Knut Schubert dazu, heute Vereinsvorsitzender des grünen Tisches. Aus der organisatorischen Unterstützung eigener Veranstaltungen wie dem Neujahrsturnier und dem Eagle-Eye-Turnier wurde 2014 auf einmal die Rolle des Chefs. „Wie die Jungfrau zum Kind. Wer will schon den Elternsprecher machen?“, lacht Schubert, der aber seither für seine 20 Mitglieder im Verein organisatorisch und öffentlichkeitswirksam voranschreitet. „Gerade in den aktuellen Zeiten ist es wichtig, nicht aus dem Fokus zu verschwinden.“

Die glühendsten Zeiten erlebt Snooker im Freistaat gerade nicht, Vereine aus Ilmenau und Erfurt haben unterschiedliche Probleme mit Mitgliedern und Räumlichkeiten, da sieht es bei Green Table etwas freundlicher aus. Jedoch längst nicht so wie gewünscht. „Unserem Sport dürfen wir derzeit nicht nachkommen“, weist Schubert auf das Verbot in der Pandemie. „Ärgerlich! Es ist ein Individualsport in sehr großen Räumen mit bis zu zehn Fenstern zum Lüften. Renovieren dürfen wir, spielen aber nicht. Trotz Hygienekonzept ist seit November Ruhe.“

Tatsächlich haben die Snookerfreunde aus Apolda im Laufe der Jahre vier der Tischgiganten im Domizil in der Weilandstraße untergebracht. Anderes ging inzwischen wieder verloren. Nach zweifachem Gewinn der Thüringenmeisterschaft etwa eine einsatzfähige Wettbewerbsmannschaft. „Die Enthusiasten zum Start waren durchschnittlich auch die besten Spieler. Da heiratet der Erste, der Nächste wird Vater. Für eine Mannschaft braucht man aber vier Spieler und einen Ersatzspieler, aktuell kommen wir nur auf sechs Ersatzspieler.“ Das große Problem ist der Faktor Zeit geworden. „In unserer Saison in der zweiten Bundesliga haben wir vierzehn Sonntage gespielt. Da geht allein der Wettbewerb früh um zehn Uhr los und mindestens bis abends um sechs.“ An- und Abreise bis hin nach Kiel sind dabei natürlich noch ausgeklammert.

Dennoch wollen Schubert und seine Mitstreiter diese Zeiten nicht missen. 2013 war ohnehin das erfolgreichste Jahr. In dem konnte Michael Haferung gar den fünften Rang bei den deutschen Einzelmeisterschaften im hessischen Bad Wildungen erspielen. Mittlerweile ist Haferung aus beruflichen Gründen nicht mehr im Verein. „Unser größtes Talent ist wohl Marco Rost“, sagt Schubert. „Er hat bewiesen, dass junge Spieler mit viel Training relativ schnell vorankommen können. Mit 14 hat er angefangen und sich nach zweieinhalb Jahren stark entwickelt.“

Das Hauptaugenmerk des SV Green Table liegt derzeit aber auf dem Erhalt und Ausbau des Vereinslebens. „Wir sind in erster Linie ein Verein für Breitensport. Mit der Uni Jena hatten wir kurz vor der Pandemie eine Kooperation. Die lief sehr gut an, sechs Spieler hatten sich regelmäßig bei uns eingefunden. Leider war das nach einem Semester vorläufig vorbei.“ Doch in Kontakt mit der Universität stehen Schubert und Co noch immer. „Das werden wir wieder aufnehmen.“

Und die Hoffnung, dass sich aus der Region junge, snookerbegeisterte Menschen in der Weilandstraße einfinden, schwindet ohnehin nicht. Ein Reiz: Vor allem die Vollmitgliedschaft ist wesentlich günstiger, als in einer regelmäßigen Häufigkeit Stundengebühren in Spielhallen zu zahlen.