Handball: Blomberg traut sich was gegen den Thüringer HC

Bad Langensalza.  Das junge Überraschungsteam der Bundesliga erwischt den THC auf dem falschen Fuß. Die Thüringer gehen mit einem 27:31 ins Europa-League-Rückspiel.

Trainer Herbert Müller schwört sein THC-Team ein. Die Auszeiten brachten im Europa-League-Hinspiel gegen Blomberg-Lippe indes nur kurz den gewünschten Erfolg.

Trainer Herbert Müller schwört sein THC-Team ein. Die Auszeiten brachten im Europa-League-Hinspiel gegen Blomberg-Lippe indes nur kurz den gewünschten Erfolg.

Foto: Sascha Fromm

Ob gewonnen oder verloren, gewöhnlich schaut sich Herbert Müller das Spiel seines THC in der Nacht gleich noch im Video an. Trotz schlafloser Stunden ließ der Trainer die schmerzhafte 27:31 (14:17)-Niederlage gegen Blomberg-Lippe länger sacken. Am Tag danach sah sich der Mitschnitt nur keinen Deut freundlicher an. Vier minus – ein Rückstand wie die Note für einen fehlerhaften Vortrag.

„Unser Zweikampfverhalten war sehr bedenklich“, meinte Müller ei ­nen Tag nachdem der avisierte Einzug in die Gruppenphase der Europa League in die Ferne gerückt war. Im Hinspiel des innerdeutschen Duells mit dem Blomberger Überraschungsteam mussten die Thüringer Handballerinnen zu Hause eine bittere Pille schlucken. Eine, die eine schwere Hypothek beinhaltet, am Samstag im Rückspiel vier Tore aufholen zu müssen. Und eine, die den Trainer selten so toben ließ wie an dem Abend in der Salzahalle.

„Ich konnte es nicht verstehen. Wir waren auf alles vorbereitet. Aber du kannst gegen Blomberg nicht gewinnen, wenn du die Zweikämpfe nicht gewinnst“, ärgerte er sich über das lasche Abwehrverhalten über 60 Minuten und hinten raus zudem über die zig vergebenen Chancen, die ein besseres Ergebnis verhinderten – oder gar eine Wende.

Was, hätte Kerstin Kündig gut zehn Minuten vor Schluss nicht die Torhüterin angeworfen? Was, wäre Josefine Huber nicht im nächsten Zug an der stark haltenden Blomberger Keeperin Melanie Veith gescheitert? Was, hätte Nina Neidhart nicht noch einen folgenden Tempogegenstoß an den Pfosten gesetzt? Allein beim Stande von 20:27 versiebten die Gastgeberinnen beinahe im Sekundentakt allerbeste Chancen. Von vier Riesen verwandelte allein Marketa Jerabkova einen in dieser Phase, ehe Laura Rüffieux mit dem 28:21 das Blomberger Sieben-Tore-Plus wieder herstellte und das Aufbäumen des THC im offenen Abtausch so zu Kosmetik machte.

19-Jährige glänzt mit elf Feldtoren

„Dass ich da auch noch hinwerfe, ich werfe die Torfrau einfach an“, reflektierte Kerstin Kündig etwa kopfschüttelnd. Dass sich die Fehlerkette nicht nur in der Schlussphase durch die gesamte Mannschaft zog, ermöglichte es dem entschlossenen Gast, sich oft mit einfachen Toren abzusetzen. Binnen zehn Minuten hatte er schon aus einem 0:2 (4.) ein 9:6 (14.) gemacht. Allen voran Blombergs Nele Franz bekamen die Thüringerinnen kaum in den Griff. Und ebenso wenig Malina Marie Michalczyk. Die gerade mal 19 Jahre junge Rückraumspielerin drückte dem Duell mit elf Feldtoren ihren persönlichen Stempel auf. Und sie stand mit teilweise brachialen Fernwürfen nicht zuletzt für die Unbekümmertheit, für ein Sich-sehr-viel-Trauen, das den Thüringerinnen zunehmend verloren zu gehen schien.

„Ich denke, es ist wichtig, dass wir eine gute Analyse vom Spiel machen“, sagte Kerstin Kündig im Anschluss. Ihr Blick ging zunächst zu dem Bundesligaspiel am Mittwoch in Metzingen. Enttäuschung lag in ihrer Stimme, die dann aber ebenso schnell wieder Kraft bekam wie die von Herbert Müller. Die Chancen auf ein Überwintern in der Europa League sind um einiges gesunken. „Aber wir fahren definitiv nicht chancenlos nach Blomberg. Wir werden alles daran setzen, um diese Runde zu überstehen.“

Eine schlaflose Nacht ist sicher.