Handball-Landestrainer: „Der schwere Weg lohnt sich“

Erfurt.  Handball-Landestrainer Wolfgang Mosebach über die Sichtungsmaßnahme, Torwart-Talente und die Hoffnung auf eine stärkere Breite im Nachwuchs.

Torwartland Thüringen: Dinah Eckerle (links) hat sich während ihrer Zeit beim Thüringer HC zur Nummer eins im Nationalteam entwickelt. Auswahl-Kollegin Isabell Roch war zwei Jahre an der Sportschule Erfurt, Laura Kuske ist das nächste große Torwarttalent des THC.

Torwartland Thüringen: Dinah Eckerle (links) hat sich während ihrer Zeit beim Thüringer HC zur Nummer eins im Nationalteam entwickelt. Auswahl-Kollegin Isabell Roch war zwei Jahre an der Sportschule Erfurt, Laura Kuske ist das nächste große Torwarttalent des THC.

Foto: Sascha Fromm

Die vom Thüringer Handball-Verband in Kooperation mit dem THC am 22. November geplante

Sichtung für handballinteressierten Mädchen der Jahrgänge 2006 bis 2009 fällt infolge der coronabedingten Einschränkungen aus. Die Möglichkeit, sich für die Förderung am Erfurter Sportgymnasium zu empfehlen, soll nachgeholt werden. Wahrscheinlich im Februar, sagt Wolfgang Mosebach. Der Landestrainer für den weiblichen Bereich spricht über die Folgen, den Eignungstest und Verbandsabsichten.

Keine Sichtung in diesem Herbst. Was bedeutet das für den Verband?

Die Einschulung für das kommende Schuljahr ist nicht gefährdet. Die Einschränkungen werfen uns im Auswahlprozess aber weit zurück.

Inwiefern?

Alle Auswahlmaßnahmen sind abgesagt, die damit verbundenen Vergleichswettkämpfe auch. Und es fällt eine Art Vorsichtung weg, über die sich die Besten beim DHB hätten empfehlen können. Erschwerend ist, dass der Vereinssport jetzt praktisch am Boden liegt. Einen winzigen Vorteil hat die Verlegung in der Form, dass vielleicht noch Anmeldungen hinzukommen. Bis Ende Januar ist das möglich.

Wann sollte man sich anmelden?

Wer ans Sportgymnasium möchte, der sollte eine ordentliche Zielstellung für sich formulieren. Wenn ich sage, ich möchte ein bisschen mehr Sport machen, dann bin ich dort verkehrt. Wer diesen Weg will, muss bereit sein, viele Dinge hinten an zu stellen. Das Ziel muss Bundesliga heißen. Ohne Unterstützung durch die Eltern geht es nicht. Aber das Kind muss sagen: Das will ich.

Gibt es Bedingungen?

Athletische und koordinative Voraussetzungen sollten gut bis sehr gut sein. Die schulische Seite ist allerdings ebenfalls sehr wichtig.

Mit Arwen Rühl und Torhüterin Laura Kuske sind in diesem Jahr zwei Juniorinnen in den Kader der ersten THC-Frauenmannschaft gerückt.

Vorher war es immer mal eine gewesen. Ich denke da an Dinah Eckerle etwa. Nun haben es zum ersten Mal zwei Talente gleichzeitig geschafft. Beide besitzen Riesenpotenzial. Sie haben sich das aber hart erarbeitet. Beide hatten Pech durch Verletzungen. Beim Deutschland-Cup war Laura mal als beste Torhüterin ausgezeichnet worden. Dann zog sie sich leider einen Kreuzbandriss zu und anschließend eine Schulverletzung. Arwen musste wegen Rückenproblemen ein halbes Jahr kürzertreten. Ihr Aufstieg zeigt allen anderen: Es lohnt sich, diesen schweren Weg zu gehen, zumal drei weitere Spielerinnen auf dem Sprung sind.

Die Nationalkeeperinnen Dinah Eckerle und Isabell Roch haben sich an der Sportschule in Erfurt entwickelt. Auch Laura Kuske könnte es weit bringen. Thüringen scheint ein gutes Pflaster für Torleute zu sein.

Eher ein Zufall. Man muss sagen, alle kamen mit richtig guten Voraussetzungen. Aber es zeigt an, dass am Sportgymnasium hier die Rahmenbedingungen herrschen, um sich bis in die Spitze entwickeln zu können.

Wie stellt sich der Nachwuchs generell in Thüringen auf?

Insgesamt leider schwach. Um weiterzukommen, fehlt landesweit die Möglichkeit eines fordernden Spielbetriebes. Hoffnung macht, dass sich die Junioren-Teams des THC durch den Spielbetrieb im Mitteldeutschen Verband, die dritte Liga und die A-Jugend-Bundesliga in besseren Strukturen messen können. Man muss dennoch Geduld haben.

Sorgen im Nachwuchs sind nicht neu. Immer weniger Teams, weniger Spielbetrieb in der Breite. Worin sehen Sie sie Ursachen?

In den meisten Vereinen wird nicht mehr als Freizeitsport geboten. Und wir haben Probleme im Trainerbereich. Wir machen zwar jedes Jahr eine C-Lizenz-Ausbildung. Aber die wenigsten engagieren sich im Nachwuchs. Über Jahre schon haben wir nicht mehr genügend Vereine, um eine vernünftige Landesliga zu organisieren. Der Spielbetrieb ist auf keinem guten Niveau. Das alles ist kein Vorwurf, eher auch Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung. Gewinnen wollen alle, aber oft nur möglichst wenig dafür tun.

Was kann der Verband tun?

Er kann in der Trainerausbildung helfen. Aber nur der Verein kann Talente entwickeln. Das muss das oberste Ziel sein.

Im Jungen-Bereich gibt es den Plan, in Jena eine Förderung ähnlich dem Modell der Juniorinnen des THC an der Erfurter Sportschule ins Leben zu rufen. Was hat es damit auf sich?

Es gibt erstmals die Möglichkeit für Jungen, sich für eine Ausbildung mit Schwerpunkt Handball zu bewerben. Sie ist an das Lernen am Sportgymnasium gekoppelt und beinhaltet spezifisches Training beim HBV Jena. Es ist ein Versuch, im mitteldeutschen Raum mitzuspielen und die Auswahl zu stärken. Aber das wird durch die Nähe zu Leipzig und Magdeburg unheimlich schwer.

Warum nicht Eisenach, was einst als Nachwuchshochburg galt?

Die Kombination mit Schule und Internat ist in Eisenach nicht möglich. In Jena gibt es diese Chance. Der ThSV soll aber nicht außen vorgelassen, sondern mit eingebunden werden. Es geht darum, den Handball voranzubringen. Und darum, dass Talente in Thüringen bleiben.