Nach Abstieg in 2. Liga wird Altmeister Gummersbach auf Eisenach treffen

Gummersbach  Mit einem Sieg hätte der zwölfmalige Meister Gummersbach die Rettung aus eigener Kraft geschafft. „Das ist schon ein hartes Brett“, sagte der frühere Kult-Keeper Andre­as Thiel. Er hofft nun auf einen Neuanfang im Unterhaus, wo es zu Duellen mit dem ThSV Eisenach kommen wird.

Gummersbachs Ivan Martinovic sitzt nach dem Abstieg weinend am Tor.

Gummersbachs Ivan Martinovic sitzt nach dem Abstieg weinend am Tor.

Foto: Christoph Schmidt/dpa

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Die Nacht war zu kurz, um all die Tränen zu trocknen. „Das ist bitter und schmerzt auch für mich persönlich“, sagte Vereinsikone Heiner Brand am Pfingstmontag. Auch am Tag danach stand der VfL Gummersbach unter Schock, ob des ersten Bundesliga-Abstiegs nach 53 Jahren herrschte rund um den Club eine Mischung aus Entsetzen und tiefer Trauer.

„Es tut weh, wenn der eigene Verein abgeht“, sagte Brand, der noch immer große Mühe hatte, die Fassung zu wahren, und sprach von einem „großen Verlust für die Handball-Bundesliga. Künftig fehlt ein großer Name.“ Um genauer zu sein: Der letzte große (Gründungs-)Name.

Und während selbst Flensburgs Meistertrainer Maik Machulla die Situation rund um den Traditionsclub aus dem Bergischen Land, Altmeister und Heimatverein einiger der größten deutschen Handballer wie Brand, Hansi Schmidt, Joachim Deckarm und Erhard Wunderlich, als „unglaublich dramatisch“ einstufte, titelte Spiegel Online nach dem Herzschlagfinale: „Tradition in Trümmern“.

Weinende Männer - Die Bilder sprechen für sich

Ein Törchen fehlte Gummersbach am Ende zur erneuten Last-Minute-Rettung. Das 25:25 in Bietigheim reichte dem letzten Dino des deutschen Handballs nicht zum Überleben, weil Ludwigshafen durch einen Treffer 28 Sekunden vor dem Ende 31:30 gegen Minden gewann. „Es ist schwer, Worte zu finden. Die Bilder sprechen für sich, man sieht weinende Männer“, sagte VfL-Trainer Torge Greve völlig niedergeschlagen.

Allerdings hatte es Gummersbach am Pfingstsonntag selbst in der Hand, das lange Jahre Undenkbare doch noch zu verhindern. Mit einem Sieg hätte der zwölfmalige Meister die Rettung aus eigener Kraft geschafft. „Das ist schon ein hartes Brett“, sagte der frühere Kult-Keeper Andre­as Thiel. Er hofft nun auf einen Neuanfang im Unterhaus, wo es zu Duellen mit dem ThSV Eisenach kommen wird. „Der Wiederaufstieg“, sagte Thiel, „ist nicht unmöglich. Man muss mit Verstand für die nächste Saison eine neue Mannschaft zusammenstellen. Die Chance zum kompletten Reset ist jetzt da.“

In Flensburg herrschte unterdessen ausgelassene Freude. Die SG sicherte sich nach 2004 und 2018 zum dritten Mal den deutschen Meistertitel. Entsprechend euphorisch ging es nach dem 27:24 beim Bergischen HC zu. Schon auf dem Spielfeld floss das Bier in Strömen, später ging es mit dem Flieger in die Heimat, wo am Montagmittag der große Meister-Empfang stattfand.

Trainer Maik Machulla verfolgte die Jubelszenen mit feuchten Augen. „Der gesamte Verein hat es verdient, denn es steckt sehr viel Arbeit dahinter“, sagte der 42-Jährige gerührt. Für ihn selbst war es im zweiten Jahr als Coach der zweite Titel. „Es ist schön, dass ich nun in den Geschichtsbüchern stehe“, meinte Machulla sichtlich stolz.

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