Thüringer HC hofft auf Plan B für Meisterschaft

Erfurt  Bundesliga-Handballerinnen des Thüringer HC können nur bei einem Ausrutscher von Bietigheim noch Meister werden

Iveta Luzumova (am Ball) ist die beste Werferin der Bundesliga.

Iveta Luzumova (am Ball) ist die beste Werferin der Bundesliga.

Foto: Sascha Fromm

Es gibt einen Plan B. Sicher ist sicher. Für den unwahrscheinlichen Fall der Fälle steht die Kopie des Meisterpokals in der Wiedigsburghalle in Nordhausen – sollte der Thüringer HC doch noch den achten Titelgewinn feiern. Von der Handball Bundesliga Frauen (HBF) würde deren Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden, Jens Genge, die Trophäe überreichen. Und Goldmedaillen hätte er auch im Gepäck. „Eigentlich haben wir keine Chance. Trotzdem kann ich nach 24 Siegen in 25 Spielen lächeln“, sagt THC-Cheftrainer Herbert Müller vor dem Saisonfinale gegen Bad Wildungen.

Die Ausgangslage ist klar. Der um 30 Treffer bessere Spitzenreiter SG Bietigheim – beide Mannschaften haben 48:2 Punkte auf dem Konto – ist nur einzuholen, wenn er bei einem Sieg des THC im letzten Heimspiel gegen den Tabellenachten Frisch Auf Göppingen zur gleichen Zeit mindestens einen Punkt abgibt. „Die werden sich allerdings keine Blöße geben“, sagt Müller.

Trotzdem erwartet die Fans in Nordhausen ein Handballfest mit einer Bundesliga-Rekordkulisse für den Thüringer HC. „Der Vorverkauf lief sehr gut“, sagt Geschäftsführer Maik Schenk. Das Duell gegen den Tabellenelften HSG Bad Wildungen (Hinspiel: 31:28) bietet – egal wie die Meisterschaft ausgehen mag – einen würdigen Rahmen, um gleich neun Spielerinnen zu verabschieden. Um die längst berühmte rote Wand der THC-Fans noch größer werden zu lassen, hat der Verein angekündigt, dass alle Zuschauer mit einem Trikot in eben jener Farbe Freibier bekommen.

Offensichtlich scheint die Mannschaft bereit für ein packendes Saisonfinale, das ja in der kommenden Woche mit dem Spiel gegen TuS Metzingen beim Final Four in Stuttgart so oder so noch eine weitere Titelchance bereithält. Zuletzt gelang der Mannschaft beim Halbfinal-Kontrahenten ein beeindruckend deutliches 36:26, das Herbert Müller mit einem freien Tag am Montag belohnte. „Normalerweise sitzen wir da zusammen und sprechen noch einmal über unsere Fehler. Diesmal hatte ich nichts zu kritisieren.“

Der THC-Trainer sprach bei der Titelentscheidung von einer paradoxen Situation, wenn man mit nur zwei Minuspunkten den zweiten Platz belegen würde. Dass es knapp zugeht in der Handball-Bundesliga, ist aber nicht neu. Bei seinem ersten Titel 2011 holte der Verein den im K.o.-Modus ausgespielten Meisterpokal im Finale gegen Buxtehude aufgrund der mehr geworfenen Auswärtstore. Ein Jahr später beendeten beide Vereine punktgleich die 20 Spiele umfassende Hauptrunde, bevor der THC im Endspiel gegen den gleichen Gegner ein Tor mehr warf.

Derweil ist schon jetzt Iveta Luzumova von der Spitze der Bundesliga-Torjägerinnen kaum zu verdrängen. Die tschechische Nationalspielerin liegt mit 178 Treffern und einem Vorsprung von 19 Toren ganz vorn, obwohl sie im Januar fünf Spiele verletzt fehlte. „Ich schaue nicht auf diese Statistik“, sagt die 30-Jährige bescheiden, die ausgerechnet beim 24:27 im vergangenen Januar – der einzigen und wohl entscheidenden Saisonniederlage in Bietigheim – nicht spielen konnte.

Herbert Müller aber wäre nicht in seinem Element, würde er nicht an sportliche Wunder glauben. „Ich habe keine großen Hoffnungen, aber ich werde mich über den Zwischenstand in Bietigheim informieren. Es ist ja auch schon mal Großartiges passiert“, sagt Müller und verwies auf den überraschenden Sieg der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM vor zwei Tagen gegen Gastgeber Slowakei.

Ohnehin ist am Samstag nicht das letzte Wort gesprochen. Im DHB-Pokal will der THC mit einem Halbfinal-Sieg gegen Metzingen das Endspiel erreichen. Dort würde – aller Voraussicht – ein alter Bekannter warten. Die SG Bietigheim.

THC – Bad Wildungen, Samstag, 18 Uhr, Wiedigsburg- halle in Nordhausen

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