Luthers Werk, Fortunas Beitrag: ThSV Eisenach versenkt ersten Matchball im Aufstiegskampf

Eisenach  Die Handballer des ThSV Eisenach besiegen Konstanz im ersten Relegationsspiel um den Zweitligaaufstieg 30:25 (15:10).

Mann für alle Fälle: Daniel Luther glänzte als Gestalter und Vollstrecker.

Foto: Sascha Fromm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es ist nicht klar, wie er es geschafft hat, aber Daniel Luther lief und warf und traf, als gäbe es kein Morgen. Er, der Dienstälteste im blau-weißen Trikot, schwang sich noch einmal auf zur großen Identifikationsfigur des Eisenacher Handballs. Regisseur, Abwehrrecke, zehnfacher Torschütze: dass der ThSV am kommenden Samstag ein 5-Tore-Polster mit an den Bodensee nehmen kann, ist zu großen Teilen sein Verdienst.

„Es war ein besonderer Moment“, sagte der 31-Jährige, der nach seinem wohl letzten Match vor heimischer Kulisse in die Hall of Fame des ThSV aufgenommen wurde: „Ich hatte die ganze Woche mit meiner Aufregung zu kämpfen und wollte noch einmal alles reinwerfen.“ So mancher unter den 3000 Zuschauern auf den prächtig gefüllten Rängen litt mit dem Eisenacher Urgestein mit. Wie er sich durchbiss, trotz schmerzender Achillessehne, wegen der er in den Tagen zuvor kaum trainieren konnte. „Ich hatte ja nach zehn Minuten schon ein Sauerstoffzelt gebraucht“, grinste Luther, „zum Glück habe ich mir die Pausen dann so einteilen können, dass es gereicht hat.“

Was dieses 30:25 gegen den spielstarken Südmeister Konstanz wert ist, wird sich zeigen müssen. „Wir können mit fünf Toren zufrieden sein“, sagte Rechtsaußen Willy Weyhrauch, „auch wenn es ein, zwei mehr hätten sein dürfen. Aber wir haben erst mal einen guten Puffer.“

Der Eisenacher Wille zum Sieg jedenfalls war vom Anwurf weg greifbar. Und der ThSV kam gut in die Partie, lag schnell mit drei, vier Toren vorn. Sead Hasanefendic, der seine Mannschaft auf den nur per Video bekannten Gegner klug eingestellt hatte, lobte das „kompromisslose Spiel“ und die „guten Wege“, die seine Spieler in dieser Startphase im Angriff gefunden hatten. Immer wieder zappelten die hohen Würfe der hocheffektiven Eisenacher im Netz des Gästetores. Auf der Gegenseite hatte die Eisenacher Abwehr die Konstanzer Shooter Kaletsch/Wiederstein – beide zusammen erzielten in dieser Saison mehr als 300 Tore – zunächst gut im Griff.

Erst kurz vor der Pause, beim komfortablen 15:9 (29.), leisteten sich die Gastgeber einen folgenschweren, kleinen Blackout. Binnen weniger Sekunden kassierten erst Iffert, dann Wöhler eine Zweiminutenstrafe. „Das war naiv“, kritisierte Hasanefendic zurecht und scharf diese Schlüsselszene, mit der sich die Eisenacher um ein dickeres Polster brachten. Denn die Gäste nutzten ihre folgende 6:4-Überzahl, um mit einem 4-Tore-Lauf binnen 150 Sekunden wieder aufzuschließen (15:13/33.).

Und Konstanz blieb dran, erzielte jetzt einfache Tore und demonstrierte spielerisches Vermögen. Beim 22:20 (48.) stand das Spiel auf Messers Schneide. Doch Eisenach behielt den Kopf oben – selbst als Luther den letzten seiner sechs Siebenmeter an den Pfosten hämmerte. Nach zwei sehenswerten Kontern von Wöhler und Miljak waren es wieder fünf Tore Abstand.

Und dennoch brauchten die Einheimischen noch einmal Fortunas Beistand. Eine Minute vor Schluss setzte Wolf beim Stand von 29:25 einen Siebenmeter für Konstanz per Aufsetzer an die Latte. Noch 50 Sekunden Ballbesitz für Eisenach. Hasanefendic nahm die Auszeit, doch dann lief die Zeit herunter. Drei Sekunden vor ultimo versuchte es der trickreiche, wendige Lumbroso mit dem Mute der Verzweiflung aus elf, zwölf Metern – und der Ball rauschte tatsächlich ins Netz. Der Rest ging im blau-weißen Jubel unter.

„Fünf Tore sind schon ein Wort“, meinte Daniel Eblen, „doch wir werden versuchen, noch einmal daran zu rütteln.“ Die Euphorie sei jedenfalls noch da, versicherte der Gästetrainer. Für ihn und seine Spieler seien solche Spiele ja noch immer etwas Besonderes. „Auch gegen solche Kollegen anzutreten“, sagte er mit Blick auf Eisenachs Trainer-Ikone: „Wie Sead Einfluss genommen hat, beruhigt hat, war schon beeindruckend.“

Hasanfendic wiederum regis­trierte zufrieden, dass zumindest in diesem Spiel alles gut ging, was gut gehen musste – und bündelte seine Einsicht in einfache Arithmetik: „Fünf Tore, das ist schon gut. Besser fünf als vier.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren