Heiligenstädterin Ropte ist sportlich und sozial ein Vorbild

Heiligenstadt.  Die Heiligenstädter Polizistin Petra Ropte ist mit der GutsMuths-Ehrenplakette in Bronze ausgezeichnet worden.

Verdiente Preisträgerin: Petra Ropte hat von Dietmar Kaiser, Leiter der Polizeiinspektion Eichsfeld, die GutsMuths-Ehrenplakette in Bronze überreicht bekommen.

Verdiente Preisträgerin: Petra Ropte hat von Dietmar Kaiser, Leiter der Polizeiinspektion Eichsfeld, die GutsMuths-Ehrenplakette in Bronze überreicht bekommen.

Foto: Eckhard Jüngel

Die Ehrung fand aufgrund der Corona-Pandemie in einem etwas kleineren Rahmen statt, aber die Freude bei Petra Ropte war trotzdem groß. Sie erhielt in den Räumen der Polizeidirektion Heiligenstadt von Polizeidirektor Dietmar Kaiser die GutsMuths-Ehrenplakette in Bronze.

Diese Auszeichnung für verdienstvolle Tätigkeiten im Thüringer Sport hat sich die 54-Jährige, die schon seit 1994 in der Polizeidirektion Eichsfeld arbeitet, redlich verdient. Jürgen Elies, Präsident des Thüringer Kickbox-Verbandes, hob in seiner Laudatio sowohl das soziale Engagement als auch die sportlichen Verdienste der Eichsfelderin, die den 3. Dan, also die dritte Stufe des Schwarzen Gürtels trägt, hervor.

Kein Leben ohne Kampfsport

Verantwortung zu übernehmen, für andere da zu sein, Dinge mit anzupacken und mitzugestalten – all das ist nicht selbstverständlich. Für Ropte schon. „Niemand kann ein guter Polizeibeamter sein ohne soziale Verantwortung. Und ich weiß, dass du eine sehr gute Polizistin bist“, betonte Elies.

Ein Leben ohne Kampfsport kann sich die neue Preisträgerin heute nicht mehr vorstellen. „Das gehört zu meinem Alltag. Wenn ich – so wie momentan – nicht trainieren kann, dann fehlt mir meine Trainingsgruppe. Nach einem stressigen Tag hilft mir das einfach“, sagt Ropte, die aus Babelsberg in Potsdam stammt.

Dass sie viel sportliches Talent mitbringt, zeichnete sich schon früh ab. Als Jugendliche gehörte Ropte zum damaligen DDR-Volleyball-Auswahlkader. Das habe schon früh ihre Zielstrebigkeit und Disziplin unterstrichen, lobte Ellies.

Aufgeregt vor dem ersten Training

Ropte schlug auf hohem Niveau für Dynamo Potsdam auf. Doch nach ihrem Umzug nach Wülfingerode im Kreis Nordhausen war es gar nicht so einfach, einen neuen Volleyballverein zu finden. „Es gab fast nur Männermannschaften. Also hat mein Mann zu mir gesagt, ich soll es mal mit Kampfsport versuchen – dann könne er sicher sein, dass mir auf der Straße nichts passiert“, erinnert sich Ropte.

Berufsbedingt hatte sie als Gelbgurt bereits erste Erfahrungen im Ju Jutsu gesammelt. An einem Freitagabend im Januar 1994 machte sie sich mit ihrer Sporttasche auf den Weg in die Leinefelder Goethestraße, wo der damalige, über 100 Mitglieder starke, Budokan Leinefelde übte. „Ich war aufgeregt, denn ich kannte ja niemanden“, gibt sie schmunzelnd zu. Doch die anfängliche Nervosität verflog schnell: „Es hat gut gepasst. Sonst wäre ich ja nicht so lange dabeigeblieben.“

Was folgte, waren zahllose Trainingsstunden, aber auch die Entstehung vieler neuer Freundschaften. 2003 legte Ropte den Schwarzen Gürtel im Ju Jutsu ab, 2004 den im Jiu Jitsu. 2006 gründete sie den Thüringer Kickboxverband mit, ist seitdem auch als Schatzmeisterin und Vizepräsidentin für den Verband tätig.

Zur WM in die USA

Auch im Kickboxen verfeinerte Ropte ihre Fähigkeiten immer weiter. Geplant war das zunächst nicht. „Ich habe meinen Sohn immer zum Training gefahren. Nach Hause zu fahren, um ihn dann wieder abzuholen, hätte sich nicht gelohnt. Und bevor ich mich auf die Bank gesetzt und gewartet habe, habe ich lieber mitgemacht. Treten und schlagen konnte ich ja schon“, erklärt sie.

Ihr Können und ihre Begeisterung übertrug die Preisträgerin, die sich auch als Trainerin fortbildete, auch auf ihre Familie. Einer der Söhne nahm 2008 sogar an der Kickbox-Weltmeisterschaft in Florida (USA) teil.

Normalerweise – derzeit kann Ropte aufgrund des pandemiebedingten Trainingsstopps nur joggen und zu Hause an ihrer Fitness feilen – steht die gebürtige Babelsbergerin dreimal wöchentlich in der Halle, um Jiu-Jitsu und Kickboxen zu üben. Dabei, sagt Jürgen Elies augenzwinkernd, sei sie jedoch für die anderen Kämpferinnen kein ideales Vorbild: „Während die anderen Frauen meistens unter sich bleiben und zusammen trainieren, wird sie immer zu den Männern gerufen, um mit ihnen zu kämpfen.“

Familie als großer Rückhalt

Ihr Hobby, das mehr eine Passion, ist zeitintensiv. „Ohne die Unterstützung meiner Familie würde das nicht funktionieren“, weiß Ropte um den Rückhalt, den sie privat erhält. „Mein Mann muss oft zurückstecken, wenn ich abends nach der Arbeit zu Hause noch die Buchhaltung für den Verein erledige oder am Wochenende der nächste Wettkampf ansteht.“

Der Kampfsport habe ihr nicht nur jede Menge neuer Freunde beschert, sondern ihr auch in der Persönlichkeitsentwicklung enorm geholfen, unterstreicht Ropte, die bereits 2009 im Rahmen der Aktion „Dankeschön Ehrenamt“ vom Landessportbund ausgezeichnet wurde. „Man gewinnt an Selbstbewusstsein, auch im Beruf. Dadurch hat man dann auch eine andere Ausstrahlung“, betont die Schwarzgurt-Trägerin.

„Bei mir trauen sich die Anderen nicht so viel“

Und das bringe auch in unschönen Situationen als Polizistin Vorteile mit sich: „Man merkt einfach, wenn der andere keine Angst vor einer körperlichen Auseinandersetzung hat. Bei mir trauen sich die Anderen nicht so viel.“

Auf ihren Instinkt kann sich die Kampfsportexpertin also verlassen – aber nicht immer. Die Auszeichnung mit der GutsMuths-Ehrenplakette in Bronze, für die Elies und Polizeidirektor Kaiser durch ihre Antragstellung federführend waren, kam für Ropte unerwartet: „Dass da irgendwas läuft, wusste ich. Aber damit habe ich nicht gerechnet. Das war eine positive Überraschung.“