Hermsdorf will Aufstiegsrecht wahrnehmen

Hermsdorf.  Handball-Geschäftsführer Steffen Reis plädiert für einen Abbruch der Saison in der Handball-Thüringenliga.

Ist heimisch geworden: Oleksandr Petrov

Ist heimisch geworden: Oleksandr Petrov

Foto: Marcus Schulze

Steffen Reis appelliert an die Vernunft. Der Geschäftsführer der Handball-Marketing Hermsdorf GmbH begrüße es, wenn man die Saison in Thüringenliga abbrechen würde – selbst wenn dergleichen bedeute, dass sich die Handballer des SV Hermsdorf mit dem zweiten Platz begnügen müssten.

„Für uns wäre das schon sehr schade, denn ich bin der Überzeugung, dass wir Meister geworden wären“, sagt Steffen Reis mit einem vernehmbaren Anflug von Wehmut. Doch letztlich sei das vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie eher nebensächlich. Die Gesundheit müsse stets oberste Priorität genießen, betont der Geschäftsführer.

Im März haben sich die Verantwortlichen der Handballer aus Hermsdorf indes dafür ausgesprochen, die Aufstiegsoption für die Mitteldeutsche Oberliga wahrzunehmen – wenn man denn die Saison in der Thüringenliga auf dem obersten Treppchen beenden würde, führt Reis weiter aus, der jedoch auch darauf verweist, dass dieser Tage hinsichtlich möglicher Auf- und Abstiegsmodalitäten noch alles offen sei.

Derzeit gebe es immer noch keine Entscheidung darüber, ob die Saison fortgesetzt, abgebrochen oder gar annulliert werden soll. „Da schwirren gerade alle möglichen Szenarien durch den Raum“, sagt der Geschäftsführer. So oder so, angemeldet habe man sich jedenfalls.

Und was würde ein Saisonabbruch für die Finanzen der GmbH bedeuten? „Wir verfügen über eine vernünftige Vereinsstruktur, von daher sollten wir einen Abbruch ganz gut verkraften. Natürlich hätten wir Einbußen bei den Zuschauereinnahmen, doch das könnten wir ein Stück weit dahingehend kompensieren, da im Umkehrschluss die Kosten für die Schiedsrichter entfallen würden. Außerdem bekommen unsere Spieler und auch die Trainer derzeit keine Aufwandsentschädigung, da ja bekanntlich der Spielbetrieb ruht. Damit war sofort Schluss, denn wir sind nun einmal keine Profis. Sie haben derzeit keinen Aufwand, also bekommen sie auch keine Vergütung“, betont Reis.

Auch beim Thema Sponsoren gibt sich der SVH-Haudegen, der viele Jahre für die Kreuzritter auflief, optimistisch. „Ich gehe durchaus davon aus, dass sie uns auch in Zukunft unterstützen werden. Wir haben stets gut miteinander kooperiert.“

Saisonabbruch, Finanzen, Sponsoren – dergleichen bereitet Steffen Reis erst einmal keine schlaflosen Nächte. Das sei alles irgendwie zu bewerkstelligen. Das Herz blutet dem Handball-Enthusiasten indes an ganz anderer Stelle: der Nachwuchs. „Das tut mir richtig leid, weil die Kinder nicht trainieren können. Sie melden sich regelmäßig bei mir und fragen, wann es weitergeht“, berichtet Reis, der das Kommando über die E-Jugend des SV Hermsdorf innehat.

Die Mädchen und Jungs hätten laut Reis wohl auch ein Wörtchen beim Thema Meisterschaft mitreden können. Doch nicht nur die Kinder würden ihren Unmut hie und da bekunden, auch deren Eltern würden vereinzelt mit dem derzeitigen Stillstand hadern. „Sie merken, dass den Kindern das Training samt der Bewegung fehlt, dass sie unausgeglichen sind“, sagt der Geschäftsführer, der die Arbeit mit den Kindern sehr vermisst. Natürlich hofft er darauf, dass sich die Gesamtlage irgendwann einmal wieder normalisiert.

Doch just an jener Stelle muss sich der ansonsten nicht gerade knapp bemessene Optimismus des Geschäftsführers mit einem Platz auf der Hinterbühne begnügen, denn in puncto Spielbetrieb gibt sich Steffen Reis durchaus pessimistisch: „Ich rechne nicht damit, dass es so schnell wieder Spiele vor Zuschauern geben wird.“ Besagter Gedankengang beschwört beim Geschäftsführer dann auch noch ein Szenario, welches er auf jeden Fall vermeiden möchte: Begegnungen ohne Publikum.

„Das wäre das Schlimmste. Dann würden wir auf jeden Fall in eine finanzielle Schieflage geraten, da wir zwar Kosten hätten, aber keine Einnahmen. Keine Eintrittsgelder, keinen einzigen Cent aus der Versorgung“, sagt Reis, der den Umsatz an einem Spieltag mit durchschnittlich 3000 Euro beziffert.

Martin Vulic nicht mehr beim SVH

Was den Kader betrifft, würden alle Spieler dem SV Hermsdorf indes die Treue halten. Lediglich Martin Vulic gehört seit dem 1. April nicht mehr zum Aufgebot von Mario Kühne. Vulic wird künftig für den ATSV Habenhausen aus Bremen in der 3. Liga spielen.

„Fast alle, die in Hermsdorf Handball spielen, arbeiten und leben auch hier“, betont Steffen Reis, der dann auf das Beispiel von Oleksandr Petrov zu sprechen kommt. Der 33-jährige Ukrainer, der zur Saison 2019/20 verpflichtet wurde, habe in Hermsdorf eine sehr gute Arbeit bekommen, würde sich dort ordentlich hineinknien und will im Laufe des Jahres seine Familie ins Holzland nachholen. „Er kann sich mit den Seinigen hier jetzt eine Zukunft aufbauen, wie sie ihm in dieser Form in seiner Heimat wohl nicht möglich gewesen wäre.“

Ach ja, Steffen Reis macht sich während dieser durchwachsenen Tage auch noch um ein ganz anderes – durch und durch greifbares – Thema so seine lieben Gedanken. Eines, das wohl diverse Herren der Schöpfung mittlerweile auf dem Schirm haben. „Ich frage mich ernsthaft, wie der Männertag dieses Jahr wohl über die Bühne gehen wird. Wahrscheinlich wird das so eine Art von Sternlauf werden, bei dem wir in quasi Zweier-Teams alle in unterschiedliche Himmelsrichtungen aufbrechen werden“, sagt Reis, der dabei herzhaft lacht.

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