Hoffnung auf schnellen Neustart in Martinroda

Martinroda.  Bei Wiederaufnahme der Oberliga-Saison wäre der FC Rot-Weiß erster Gast beim FSV Martinroda.

Das bisher einzige Pflichtspiel zwischen Martinroda und Rot-Weiß gab es im Landespokal am 2. September 2017. Die Erfurter gewannen 8:1. Hier versucht Rudi Müller (r.) Merveille Biankadi zu blocken.

Das bisher einzige Pflichtspiel zwischen Martinroda und Rot-Weiß gab es im Landespokal am 2. September 2017. Die Erfurter gewannen 8:1. Hier versucht Rudi Müller (r.) Merveille Biankadi zu blocken.

Foto: René Röder

In dieser Woche hätte es das allererste Punktspiel zwischen dem FSV Martinroda und dem einstigen Zweit- und Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt gegeben. In Martinroda hatte man sich darauf natürlich riesig gefreut. Das Gros der FSV-Spieler ging im Junioren-Alter durch die RWE-Nachwuchsschule. Und Martinroda hatte sich im Aufwind unter dem neuen Trainer nun auch im Oberliga-Duell gegen den durch Insolvenz bis in die 5. Liga durchgereichten einstmals großen Clubs einiges vorgenommen. Martinrodas Torjäger Benjamin Hertel, selbst in der A- und B-Junioren-Bundesliga bei RWE am Ball, war sich noch zwei Wochen vor dem Duell sicher: „Das wird ein richtiger Knaller und verschenken werden wir schon mal gar nichts!“ Doch dann der neuerliche Lockdown. Keine Spiele, kein Training und auch kein Spiel gegen Rot-Weiß mehr.

Wann – und ob überhaupt – es weiter gehen kann, bleibt offen. Wenn doch, dann wird das erste Spiel der Martinrodaer genau das gegen RWE sein. Denn der NOFV würde bei Wiederaufnahme zunächst dort fortsetzen, wo unterbrochen wurde. Gelingt es dem NOFV ab 23. November ausnahmegenehmigt eine Trainingserlaubnis für seine Oberligisten zu erwirken, wäre am 5. oder 6. Dezember ein erster Spieltermin denkbar und dann würde nur an den Feiertagen unterbrochen, nahezu durchgespielt, so der NOFV-Plan. Das Ganze, weil die Saison nicht nur fortgesetzt, sondern alles versucht werden soll, sie auch zu Ende zu bringen.

„Klingt ganz gut, aber Nachholspiele oder Spieltage in der Woche sind in der Oberliga völlig unrealistisch. Wie soll man beispielsweise an einem Mittwoch mit berufstätigen Fußballern rechtzeitig nach Krieschow kommen, oder beispielsweise Neugersdorfer zu uns“, äußerte Martinrodas Sportchef Dirk Keller immer wieder Bedenken. „Gegen Erfurt, Rudolstadt oder Fahner ginge das vielleicht, aber nur mit Abstrichen.“ 20-Uhr-, statt 18 Uhr-Spiele wären da nötig „und von allen Vereinen ist sehr viel Solidarität gefragt“, so Keller nach der Video-Konferenz der Oberligisten vergangene Woche vorausblickend. „Und dann ist ja gerade bei uns hier oben ja auch im Winter über Monate oft überhaupt nicht an Fußball zu denken, selbst ein Kunstrasen steht dann meterdick unter Schnee. Ein extremer Winter, könnte uns dann den Rest geben“, ist Martinrodas Dirk Keller nicht ganz so euphorisch, weil jeder zusätzliche Ausfall alle Terminbemühungen weiter belasten könnte. Dennoch hofft auch er, dass mit einer zeitlichen Erweiterung das Spieljahr doch regulär abgeschlossen werden könnte.

Enorme Einnahmeverluste wegen fehlender Zuschauer

Der NOFV-Plan: Erst soll nachgeholt, dann fortgesetzt werden. Das heißt: Das erste Wiederaufnahmespiel wäre gegen Rot-Weiß. Der Spielverderber dabei: Dann wird das sicher aber noch ohne Zuschauer geschehen. „Nach dem Pokalfinale in Jena, wäre es das zweite Spiel des Jahres, dass keiner sehen könnte und uns keine Einnahmen bringt“, so Vorstandsmitglied Sebastian Bach schon im Vorfeld. Die Einnahmeverluste belasten auch den Oberligisten FSV Martinroda. „Die Ausgaben bleiben, wir haben enorme Reisekosten, müssen Schiedsrichter bezahlen und haben als Fünftligist natürlich Kosten. Da fällt jede fehlende Werbeeinnahme durch Corona und auch jede nicht verkaufte Eintrittskarte enorm ins Gewicht“, so Sportchef Dirk Keller, der bisher auf die Treue seiner Sponsoren und Geldgeber setzen konnte, aber auch weiß, dass sich das, je länger Corona andauert, ganz schnell ändern kann. Gerade da könnten gutbesuchte Sport-Highlights so sehr helfen.

Wenn man sich ansieht, wie gut die bisherigen vier Spiele gegen den FC Rot-Weiß in Martinroda besucht waren, kann man das nachvollziehen. Erstmals in Martinroda war Rot-Weiß am 23. März 2011, damals gewann der Drittligist auf Kunstrasen 10:0. Auch alle drei weiteren Begegnungen – die jeweils im Sommerhalbjahr stattfanden – lockten zahlungskräftig Kundschaft an. Die „wenigsten“, aber immer noch überdurchschnittliche 550 Besucher, gab es am 8. Juli 2018 bei einem Freundschaftsspiel des Drittligisten bei den „Sandhasen“ (2:5), die meisten zum einen beim rührigen Benefizspiel für Daniel Bautz, einen ehemaligen Aktiven, der durch mehrere Schlaganfälle an den Rollstuhl gefesselt wurde, am 25. Juni 2015 mit 1079 Zuschauern (inoffizielle wurde sogar vom 1300 Zuschauern gesprochen) und offiziell beim Zweitrunden-Landespokalspiel am 2. September 2017 (1:8). Da waren abzüglich der frei zuschauenden knapp 100 Nachwuchs-Kicker des Vereins, zahlende 1120 Zuschauer im Sportpark dabei. Das ist noch heute der Stadionrekord!

Wie viele Besucher ein Punktspiel gegen Rot-Weiß im Dezember bringen könnte, ist unerprobt, aber 780 wie 2014 im Derby zwischen Martinroda und der SpVgg. Geratal wären allemal wahrscheinlich, halt leider nur nicht in Corona-Zeiten.