HSV Weimar: Die Geschichte einer blauen Karte, die verschwand

Weimar.  Die Handballer des HSV Weimar denken über einen Einspruch nach, dann folgen jede Menge Fragezeichen und ein verlorenes Spiel gegen Ilmenau bleibt.

Die Weimarer Handballer erlebten eine ganz besondere Geschichte mit einer Schiedsrichter-Beleidigung, die dann doch keine war.

Die Weimarer Handballer erlebten eine ganz besondere Geschichte mit einer Schiedsrichter-Beleidigung, die dann doch keine war.

Foto: Christian Albrecht

Den Schiedsrichter beleidigen oder eine Tätlichkeit – dies gehört sich in keiner Sportart. Im Fußball etwa gibt es dafür die rote Karte. Im Handball ist dies nicht anders, für solche Vergehen zeigen die Schiedsrichter mittlerweile eine blaue Karte. Sie bedeutet, es gibt mindestens ein Spiel Sperre, vielleicht sogar mehr. Dass dies nicht immer der Fall ist, mussten die Landesliga-Handballer des HSV Weimar nun feststellen.

Rückblick: Am ersten Spieltag kassierte Hannes Oppermann von der SG Handball Ilmenau eine solche Blaue Karte nach dem Spiel, weil er die Schiedsrichter beleidigt hatte. Eine Woche später beim Heimspiel gegen Weimar stand er wieder auf der Platte. Die Ilmenauer hatten die Freigabe des Spielers durch Staffelleiter Ralf Schmidt bekommen und gewannen das Spiel deutlich. Oppermann erzielte zehn Tore.

Für den HSV freilich unverständlich. Denn wer eine blaue Karte kassiert, der ist automatisch ein Spiel gesperrt. Doch nun wird es kompliziert. Offenbar gibt es Unterschiede zwischen einer Blauen Karte während des Spiels und einer Blauen Karte nach der Partie. In letzterem Fall benötigt es einen gesonderten Bericht der Schiedsrichter. Den gab es allerdings nicht.

Die Weimarer hatten indes viele andere Staffelleiter und auch Schiedsrichter befragt zu diesem Thema. Für viele war diese Vorgehensweise neu. Warum der Staffelleiter die Schiedsrichter selbst nicht nochmal kontaktierte, bleibt allerdings sein Geheimnis. Stattdessen nahm Schmidt die Blaue Karte sozusagen zurück und Oppermann war wieder spielberechtigt. Im offiziellen System für die Staffelleiter war die automatische Sperre bis einschließlich 4. Oktober – der Tag des Spiels von Ilmenau gegen Weimar – allerdings noch vermerkt. Auch einer der Gründe, warum die Weimarer über einen Einspruch nachdachten. Dass man dieser Ankündigung keine Taten folgen ließ, hatte auch finanzielle Gründe. Man hätte den Weg bis zum Sportgericht gehen müssen. Die Kosten im vierstelligen Bereich muss man erstmal zahlen, egal wie die Sache ausgeht. Generell und auch gerade in Corona-Zeiten für den HSV Weimar war dies nicht zu leisten.

Die Punkte blieben also in Ilmenau und das in gewisser Weise berechtigt. Fazit: Man kann den Schiedsrichter beleidigen, muss am Ende nur etwas Glück haben. Das junge Schiedsrichter-Paar hat vielleicht aus dem Fehler gelernt, die fehlende Strafe für den Spieler dürfte dennoch bitter nachwirken.