„Ich war verblüfft“

Meiningen/Vieselbach.  Interview der Woche: Ron Möller, Trainer der Vieselbacher B-Junioren, die sensationell Futsal-Landesmeister wurden.

Unverhoffter Coup: Mit zehn Punkten aus fünf Spielen gewannen die B-Junioren des SC Vieselbach um Trainer Ron Möller (vorn links) die Endrunde der Futsal-Landesmeisterschaft.

Unverhoffter Coup: Mit zehn Punkten aus fünf Spielen gewannen die B-Junioren des SC Vieselbach um Trainer Ron Möller (vorn links) die Endrunde der Futsal-Landesmeisterschaft.

Foto: Verein

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Der dritte Turniertreffer von Tom Köditz war der entscheidende. Es war der 1:0-Siegtreffer gegen Verbandsligist Carl Zeiss Jena II, der den B-Junioren vom SC Vieselbach den großen Wurf bescherte. Als erster Kreisoberligist überhaupt sicherten sie sich den Landesmeistertitel im Futsal, ließen dabei renommierte Verbandsliga-Teams wie JFC Gera, die Jungs vom Fußballinternat Schlotheim oder eben Jena hinter sich. Ein echter Coup, ausgerechnet im Jahr des 110-jährigen Vereinsjubiläums.

Da jubelte auch der Trainer ausgelassen. Ron Möller betreut die Mannschaft, mit Co-Trainer Jens Gießler, seit den G-Junioren. Er sprach mit uns über den Triumph, seinen goldenen Jahrgang, Spiele gegen Sparta Prag, seinen einstigen Verein FC Rot-Weiß Erfurt und die Chancen seiner Spieler, es in den Profifußball zu schaffen.

Glückwunsch zum Landesmeistertitel! War damit ansatzweise zu rechnen oder war es auch für Sie eine Sensation?

Mit Sicherheit eine Sensation. Schon unser Sieg in der Vorrunde war eine solche, als wir uns gegen die Verbandsligisten Wacker Gotha, Rot-Weiß Erfurt II und Erfurt Nord durchgesetzt haben. In 120 Minuten Futsal haben wir gegen solche Top-Mannschaften nur fünf Gegentore kassiert, davon zwei Eigentore beim 1:3 in der Endrunde gegen Schlotheim. Wahnsinn! Danke auch an unsere mitgereisten Fans, die, um in der Hallenfußball-Sprache zu bleiben, in Meiningen ein echter sechster Mann waren.

Glück gehört gegen höherklassige Teams immer dazu. Es muss Ihnen dennoch imponiert haben, wie sich Ihre Mannschaft nach dem 0:0 gegen Gera und dem 1:3 gegen Schlotheim mit Siegen gegen Barchfeld (2:0), Bad Lobenstein (2:0) und Jena (1:0) doch noch den Titel sicherte.

Ich lasse die Jungs öfter gegen höherklassige Teams antreten. Wir sind jedes Jahr bei einem Turnier in Dresden dabei, haben dort unter anderem schon gegen Hansa Rostock oder Sparta Prag gespielt. Deshalb wusste ich, meine Jungs können eine Menge. Aber ich war verblüfft und es macht mich stolz, dass sie es über zwei Turniere so beständig abgerufen haben.

Sie betreuen das Team seit der G-Jugend. Spielt es seitdem im Kern so zusammen?

Ja, mit Jungs aus Vieselbach, Hochstedt, Niederzimmern, Utzberg, Töttelstädt und Erfurt.

Bestimmen Einzelkönner das Geschehen oder ist es ein homogenes Team?

Sie spielen mit viel Leidenschaft für- und miteinander. Anders sind die 200 bis 300 Trainingseinheiten, die ihre höherklassigen Gegner ihnen voraus haben, nicht zu kompensieren. Klar gibt es Führungsspieler, an denen sich die anderen orientieren: Leo Schneider, Matthias Palmowski und mein Sohn Matti Möller.

Wenn Sie eine Prognose abgeben müssten: Wie viele Ihrer Jungs spielen in fünf Jahren noch in Vieselbach?

(lacht) Ich muss bei dieser Frage unweigerlich an den FC Rot-Weiß denken und schmunzeln. Ich habe dort sechs Jahre selbst im Nachwuchs gespielt und bin froh, dass ich den Sprung in das harte Geschäft Profifußball verletzungsbedingt nicht geschafft habe. Aber klar, die Jungs haben, seit sie Knirpse sind, den Traum, Fußballprofi zu werden. Ich will sie so gut wie möglich ausbilden. Wenn sie es schaffen, sich ihr Studium mit dem Fußball zu finanzieren, wäre das ein Erfolg. Einigen meiner Spieler traue ich vom Potenzial her die Regionalliga oder dritte Liga zu, wenn es optimal läuft.

Also so etwas wie ein goldener Vieselbacher Jahrgang?

Das kann man so sagen. Meine Mannschaft ist sicher das Flaggschiff. Wobei wir auch eine starke C-Jugend haben und von dort an abwärts in jeder Altersklasse zwei Mannschaften haben. Leider hat meine Mannschaft nach dem Kreis-Triple in der C-Jugend im ersten B-Juniorenjahr gegen die älteren Jahrgänge den Aufstieg in die Verbandsliga nicht geschafft. Dort gehört sie eigentlich hin.

Sie sprachen gerade schon den FC Rot-Weiß an: Haben Vereine wie der SC Vieselbach größere Chancen, ihre Talente länger zu halten, weil der kriselnde RWE für sie nicht mehr so reizvoll erscheint?

Ich sehe es eher andersrum: Die Attraktivität unseres Vereins steigt durch gute Mannschaften wie meine und Titel wie den in Meiningen. Wenn Spieler, ob von RWE oder anderen Vereinen, eine neue Herausforderung suchen, hilft uns das.

Also könnte Vieselbach, ähnlich wie Nachbar Blau-Weiß Büßleben, eine Art kleines Nachwuchsleistungszentrum werden, mit fruchtbarem Boden für die Landesklasse oder gar die Thüringenliga im Männerbereich, wo man aktuell auch „nur“ Kreisoberliga spielt?

Da bin ich vorsichtig. Im Männerbereich brauchst du, selbst in der Landesklasse oder Thüringenliga, eigentlich einen Gönner und ein Top-Umfeld, um mithalten zu können. Büßleben macht seit Jahren einen super Job. Ich fände es schön, wenn uns unsere Talente noch lange erhalten bleiben und den SC Vieselbach voranbringen. Andererseits sage ich: Geh’, wohin dein Herz dich trägt. Wenn einer die Qualität dafür hat, kann ich es ihm nicht verübeln, sein Glück auf höherem Niveau zu versuchen.

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