In Thüringen soll der Fußball ab Oktober wieder rollen

Erfurt.  Die Mehrheit der Thüringer Fußballvereine ist für eine Fortführung der aktuellen Saison. Es gibt aber auch viele Kritiker dieser Idee.

Im Oktober sollen in Thüringen wieder die ersten Fußballspiele stattfinden. Dann kann Marcel Decker vom Landesklassen-Spitzenreiter FC Erfurt Nord zum Eckball schreiten und Schiedsrichter-Assistentin Nora Dieckmann auf dessen korrekte Ausführung achten.

Im Oktober sollen in Thüringen wieder die ersten Fußballspiele stattfinden. Dann kann Marcel Decker vom Landesklassen-Spitzenreiter FC Erfurt Nord zum Eckball schreiten und Schiedsrichter-Assistentin Nora Dieckmann auf dessen korrekte Ausführung achten.

Foto: Sascha Fromm

Bei Wolfhardt Tomaschewski gaben am Dienstag die Akku-Batterien seines Telefons kurz den Geist auf. Das Interesse am Ergebnis der Umfrage des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) zur möglichen Fortsetzung der Saison im Herbst sei riesig, so der TFV-Präsident. Am Ende der Auszählung stimmten 340 Vereine und damit 58 Prozent für eine Fortführung der durch die Corona-Krise unterbrochenen Spielzeit. 245 und damit 42 Prozent waren dagegen, sie hätten einen Abbruch favorisiert. 585 der 595 abgegebenen Stimmen waren gültig. An der Befragung beteiligten sich bis zum Montagabend 81 Prozent aller 737 aktiven Fußballvereine im Freistaat. Jeder Verein hatte eine Stimme. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Persönlich bin ich vom Ergebnis überrascht. Deutschlandweit tendierten die Vereine zuletzt eher zum Abbruch“, sagte Tomaschewski. Doch in Thüringen habe man nun ein Ergebnis mit dem man nun etwas anfangen könne. „Eine Mehrheit von 95 Vereinen ist ein Zeichen. Mit 81 Prozent aller Vereine haben sich weit mehr als am Webinar beteiligt. Das ist ein Votum, über das man sich in der Politik freuen würde. Schließlich hätten sich die Vereine der 2. Kreisklasse auch sagen können, was geht das mich an“, sagte Tomaschewski. Beim „Webinar“ hatte der TFV am vergangenen Samstag in groben Zügen auf einer Videokonferenz mit 465 Teilnehmern seinen Vorschlag präsentiert.

Tomaschewski hielt die Art und Weise der Befragung für gut. „Wir wollten keinen Wahlkampf führen, haben unser Modell zur Wahl gestellt.“ Im Vorfeld hatte sich der Vorsitzende des Südthüringer KFA, Dittmar Börner, vehement gegen eine Fortführung der Saison gestellt. Der TFV-Chef hofft jetzt auf Demokratie-Verständnis bei den Vereinen, die für einen Abbruch plädierten.

Nachwuchs wird extra bewertet

Erkannt habe man nach etlichen Hinweisen im Umfeld der Befragung das Problem mit dem Nachwuchs. „Das werden wir extra besprechen“, so Tomaschewski. Hier ist ein Saisonabbruch wegen der wechselnden Altersklassen im Gegensatz zu den Männer und Frauen-Spielklassen weiter ein mögliches Szenario.

Ein buntes Bild an Meinungen lieferten nach der Verkündung Thüringens Vereine. Beim VfB Artern war man von Beginn an für den TFV-Vorschlag. Matthias Köpp, der Trainer des Kreisoberliga-Ersten im Norden sagte: „Wir wären zwar nach allen Koeffizienten auch Erster, doch wir wollen nicht nach 15 Spieltagen, sondern sportlich nach einem richtigen Saisonende aufsteigen. Auch den Kreispokal, wo wir im Halbfinale stehen, können wir ja noch gewinnen.“

Beim FC An der Fahner Höhe, der aktuell die Thüringenliga anführt und in die Oberliga aufsteigen möchte, freut man sich über die Fortsetzung der Saison. „Ich war diesbezüglich erst skeptisch, aber durch die Entwicklung der letzten Wochen ist die Entscheidung alternativlos. Bei einer neuen Saison hätte es ein Zeitproblem gegeben, so haben wir jetzt Luft“, sagte Fahner-Coach Tobias Busse.

SV Jena-Zwätzen kritisiert TFV

Protest gab es schon vor der Umfrage am Montag vom SV Jena-Zwätzen, dessen Erste in der Landesklasse spielt. Der Verband hätte im „Webinar“ massiv auf die unbedingte Fortsetzung der Saison gelenkt, so der Abteilungsvorsitzenden Marco Nagy im Namen seiner Mitglieder. „So können wir keine weitreichende Entscheidung zur Fortführung des Spielbetriebs treffen“, forderte Nagy mehr „neutralen“ Austausch des Verbandes, um einen gemeinsamen Weg zu finden.

Sven Harnisch, Sportlicher Leiter des JFV Süd Eichsfeld, sieht hingegen viele offene Fragen, aber wenig Vorteile: „Ich halte eine Fortsetzung nicht nur für den schlechteren, sondern schlicht für einen nicht gangbaren Weg. Wir agieren mit unserem Ligen-System nicht unabhängig von anderen Landesverbänden. Ein Thüringer Alleingang im Gebiet des Nordostdeutschen Fußballverbandes ist unnötig und fahrlässig. Zudem stagniert die sportliche Entwicklung von ganzen Jahrgängen durch den Wegfall einer Saison im Landesmaßstab."

Marcus Dörfer von Verbandsligist Wismut Gera hält die Entscheidung für die richtige und sagte: „Brechen wir die Saison ab und es gibt im Herbst wieder eine Pause, dann hätten wir das Problem, dass wir vielleicht sogar zwei Saisons nicht zu Ende kriegen.“

Sachsen votiert für den Abbruch

Fast zeitgleich hat am Dienstag der Sächsische Fußballverband ein Saisonende auf Landesebene beschlossen. Demnach wird das Spieljahr 2019/20 zum 30. Juni beendet und der Ligaspielbetrieb auf Landesebene nicht wieder aufgenommen.

Pro & Kontra