Insolvenz bei Rot-Weiß Erfurt: Viel Geld verloren

Erfurt  Am Donnerstag bekamen die 132 Gläubiger des FC Rot-Weiß Erfurt ihre Quote vom Insolvenzverwalter genannt: magere zwei Prozent.

Ein zufriedener Insolvenzverwalter Volker Reinhardt und seine Büroleiterin Katrin Gerlach

Foto: Michael Keller

Amtsgericht Erfurt, zweite Etage, Sitzungssaal 16. Um 12.49 Uhr exakt öffnet sich die Tür. Und man sieht wider Erwarten viele entspannte Gesichter, obwohl einige Menschen gerade viel Geld verloren haben. Konnte auch gar nicht anders sein, bei der Gläubigerversammlung des insolventen FC Rot-Weiß Erfurt, in der Insolvenzverwalter Volker Reinhardt (60) gerade die magere Quote bekanntgegeben hatte: Zwei Prozent. Soll heißen, jeder, bei dem Rot-Weiß Schulden hat, erhält aus der Insolvenzmasse nur zwei Prozent dessen, was er eigentlich zu bekommen hat. Weil beim Verein nicht mehr zu holen war.

Optimistische Prognose zur Vereinsfortführung

Zwei von denen, die viel eingebüßt haben, traten den Weg ins Erfurter Justizzentrum persönlich an – Detlef Goss, früher selber RWE-Vizepräsident und Dietmar Alsgut, der Chef des Caterers CCS, bei dem der Klub für die Versorgung von VIP‘s und Gästen in der Kreide steht. Goss und Alsgut können jeweils nicht unbeträchtliche fünfstellig Summe abschreiben. Er sei vorsichtig geworden und werde bei Sportvereinen nun versuchen, seine Kosten in Vorkasse erstattet zu bekommen, sagte Alsgut gequält lächelnd. Dann lobte er den Insolvenzverwalter als „guten, engagierten Mann“. Der sich das aber auch wohl auch etwas einfacher vorgestellt habe.

„Mit zwei Prozent kann man ganz sicher nicht zufrieden sein“, so Detlef Goss. Aber das Wichtigste sei für ihn die Aussicht, dass es weitergehen wird mit Rot-Weiß, seinem Herzensverein. „Schwierig aber machbar“ sei das. „Ich denke, zwei bis drei Jahre sind eine realistische Zeitschiene, ehe wir hier vielleicht mal wieder über dritte Liga nachdenken können“, sagt er.

Laut Aussage von Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hatten bis Donnerstag 132 Gläubiger ihre Forderungen angemeldet. Gekommen waren letztlich nur 14. Darunter auch Anwälte, die gleich mehrere Gläubiger vertraten. Einer von ihnen sprach allein für zwölf Mandanten. Neben Ex-RWE-Präsident Rolf Rombach waren u.a. die VR-Bank Schmalkalden-Meiningen oder der Unternehmer Michael Kölmel die Gläubiger mit den größten Ansprüchen. Die vielen hundert Fans, die einen oder mehrere Genussscheine des FC RWE erworben hatten, waren nicht dabei. Sie fielen von vornherein durchs Raster. Ihnen bleibt ein wertloses Stück Papier, an dem letztlich, wenn es ums Finanzielle geht, nur unschöne Erinnerungen kleben.

Insgesamt wurden bei Insolvenzverwalter Reinhardt Verbindlichkeiten von 6,8 Millionen Euro angemeldet. Damit wesentlich mehr, als die von Rolf Rombach – auch einer der Großgläubiger, der sich gestern von seinem Anwalt vertreten ließ – angegebenen 5,76 Millionen Euro. Aber auch wesentlich niedriger, als die 8,1 Millionen, die Rombach-Nachfolger Frank Nowag genannt hatte.

Nach 110 Minuten war gestern die Versammlung beendet worden. Mit einer einvernehmlichen Lösung. Es sei „einhellig grünes Licht“ gegeben worden, so der Insolvenzverwalter, der erleichtert wirkte, dass alles so gut gelaufen war. Der aber auch nicht verhehlte, dass ihn die Einvernehmlichkeit überrascht habe. Da habe er schon ganz andere Sachen erlebt.

Die weiter Fortführung des Vereins, für den genau vor fünf Monaten Insolvenz angemeldet worden war, sei gegeben, sagt er. Man könne Rot-Weiß nun in Ruhe weiter sanieren. Und es wird ein Insolvenzplan erstellt.

Zu den wichtigsten Aufgaben des Vereins gehört nach Ansicht des Juristen aber zwingend die Ausgliederung der ersten Mannschaft, um RWE auf sichere Füße zu stellen. „Wenn Rot-Weiß erfolgreich sein will, müssen wir eine größere Grundlage schaffen. Aus eigener Kraft wird das zu schwierig“, sagte er. Es gebe bereits mehrere Interessenten, so Reinhardt, der aber nicht ins Detail gehen wollte, um wen es sich handelt. Er sei jedenfalls optimistisch für die Zukunft des Fußballvereins. „Die Signale von Sponsoren und Investoren sind positiv“, sagte er erleichtert.

Zu den Kommentaren
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.