Spieler vom FC Carl Zeiss Jena machen erst nach einem Tor Feierabend

Antalya.  Die Spieler des FC Carl Zeiss Jena müssen im Trainingslager in der Türkei Überstunden schrubben.

Zurück im Training: Eroll Zejnullahu.

Zurück im Training: Eroll Zejnullahu.

Foto: Peter Hagen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die angekündigte Sonne in Antalya ließ das Team am Mittwoch nicht im Stich. Angenehme 16 Grad, dazu eine kühle Brise. Gute Bedingungen für die Kicker des Fußball-Drittligisten FC Carl Zeiss Jena, als Rico Schmitt gegen 11 Uhr zur ersten großen Trainingseinheit im Wintercamp in der Türkei bittet.

Insgesamt 90 Minuten laufen, schießen, passen, Spielzüge üben. Mit dabei nach langer Verletzungspause ist auch Eroll Zejnullahu. Der 25-jährige Mittelfeldspieler musste sich am 8. Oktober einer Operation nach beidseitigem Leistenbruch unterziehen. Davor trainierte er unter Ex-Coach Lukas Kwasniok. Inzwischen fühlt sich der Deutsch-Kosovare wieder fit, ist beschwerdefrei. „Die Physios und Max Habereder haben gute Arbeit geleistet. Dennoch höre ich jetzt nach jeder Belastung intensiver in mich hinein. Das war früher anders“, sagt er am Mittwochvormittag. Es ist für ihn erst die dritte Trainingseinheit unter Trainer Rico Schmitt. Zuvor gab es eine in Deutschland und die vom Ankunftstag in Antalya. Natürlich verfolgte der Spieler seine Mannschaft auch während des verletzungsbedingten Ausfalls, sah wie gegen Unterhaching oder Duisburg Niederlagen, „die nicht sein hätten müssen“.

Trainer Rico Schmitt: „Wir müssen weg vom Alt-Herren-Fußball“

Zejnullahu teilt die Ansätze von Trainer Schmitt – Stellungsspiel verbessern, Gegentore durch effektiveres Zweikampfverhalten vermeiden. Er mag die direkte Art des Coaches, der den Spielern auch in der Türkei immer wieder den Ernst der Lage ins Gewissen redet. „Wir müssen weg vom Alt-Herren-Fußball“, sagt Rico Schmitt. Von seinen Spielern fordert er Disziplin, vollen Einsatz bei jedem Training. Ein Disziplinfanatiker, wie er von den mitgereisten Fans voller Respekt bezeichnet wird. Doch genau dies brauche das Team. Schließlich sei es keine Urlaubsveranstaltung, wie Mannschaftsleiter Uwe Dern wiederholt betont. Er zeigt sich zufrieden mit der Trainingsleistung am Vormittag.

Am Abend wirkt die Atmosphäre unter den Spielern etwas gelöster. Die erste richtige Regenerationsphase zur Nachmittagszeit tat ihnen anscheinend gut. Dennoch legt das Trainergespann, zu dem neben dem Chefcoach auch Co-Trainer René Klingbeil und Torwarttrainer Bernd Lindtrath gehören, Wert auf die Grundlagen: Ballbehandlung, Passspiel auf engen Raum, Standards und den Torabschluss.

Als auf den beiden Nebenplätzen längst das Flutlicht aus ist, setzt Rico Schmitt eine weitere Übung an. Die Spieler müssen aus einer festgelegten Distanz den Ball in Richtung verschiedener Zielmarkierungen schießen. Wer es schafft, hat Feierabend. Wer nicht, der muss nochmals ran. Und nochmals. Und nochmals. Der Trainer nutzt nicht nur jede Sekunde, er überzieht die angesetzte Trainingszeit sogar. Dies sei nicht der Standard, sagt er. Aber die Mission Klassenerhalt ist eine besondere Situation. Und eine solche bedarf eben auch besonderer Maßnahmen.

Am Mittwoch holten die Jenaer den Torwart der U19, Kevin Kratzsch, in die Türkei. Hintergrund: Jo Coppens soll sich nach seiner Schulterverletzung noch schonen und nicht so oft hechten.

Vier treue Fans reisen ihrem Verein hinterher

Jörg Walter (55) aus München: "Seit 1974 bin ich Fan des FC Carl Zeiss Jena. Das damalige Pokalfinale hat mich gefesselt und nie wieder losgelassen. Ich unterstütze den Verein, wo und so gut ich kann. So lange der Klassenerhalt rechnerisch möglich ist, geben wir die Hoffnung nicht auf und werden kämpfen."

Wolfgang Kuhno (65) aus Halle: "Ich gehe seit 1966 zu den Spielen ins Abbe-Sportfeld. Mein Vater hat mich als Kind mitgenommen. Rot-Weiß hat mich nie angemacht - weder in Halle, noch in Thüringen. Viel Hoffnung setze ich in den Trainer, der einen anderen Zug, Disziplin und Mentalität mitbringt."

Torsten Scherer (54) aus Zeulenroda: "Jena ist mein Leben, danach richte ich alles aus. Ausschlaggebend war das Pokalfinale gegen Dresden. Deswegen unterstütze ich seit 20 Jahren finanziell, war bei jedem Auslands-Trainingslager dabei. Wir sind hier eine Familie, dies soll die Mannschaft spüren."

Stefan Jung (49) aus Hamburg: "Für mich ist es in der Türkei das erste Trainingslager mit den Spielern. Fan bin ich aber, seit ich freihändig laufen kann. Ich glaube an den Verein und an die aktuelle Mannschaft. Vor allem in schweren Zeiten zeigt sich, wer wirklich zusammensteht und mit dem Team geht."

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.