Julian Knoll wartet auf seine Chance

Berlin.  Der Hohenkirchener Torwart steht beim Regionalliga-Zweiten Altglienicke wieder im Training und möchte die Nummer eins im Tor werden.

Ein Stück Normalität: Julian Knoll darf mit seinem Berliner Verein normal trainieren, obwohl die Fußball-Regionalliga kein Profitum ist.

Ein Stück Normalität: Julian Knoll darf mit seinem Berliner Verein normal trainieren, obwohl die Fußball-Regionalliga kein Profitum ist.

Foto: Frank Steinhorst / Frank Steinhorst-Pressefoto

Als Sportler ist man in diesen Tagen auch um kleine positive Sachen froh. Das Glück besteht für Julian Knoll darin, täglich auf dem Trainingsplatz der VSG Altglienicke stehen zu können. Keine Selbstverständlichkeit, zählt der Regionalliga-Fußball nicht zum Profitum und ist so bei einer Ausnahmegenehmigung eigentlich außen vor.

In der Bundeshauptstadt ticken die Uhren jedoch ein wenig anders. „Die Politik und der Sport haben sich geeinigt, dass wir auch trainieren dürfen, da die Spieler einen Großteil ihres Einkommens aus dem Fußball generieren“, sagt Knoll. Nicht nur für ihn bedeutet diese Lockerung Erleichterung. Es ist ein schönes Gefühl, täglich auf dem Platz zu stehen und sich dem Konkurrenzkampf im Tor zu stellen.

Allein schon aus gesundheitlicher Sicht blickt der 21-Jährige aus Hohenkirchen, der für den FSV Wacker Gotha und lange Zeit den FC Rot-Weiß kickte, nach vorn. Im Oktober fing er sich Corona ein und wurde daraufhin in Quarantäne geschickt – Schüttelfrost und einem „Schlappheitsgefühl“ inklusive. Glücklicherweise verlief die Zeit dennoch glimpflich. „Ich hatte kein Fieber, es kam mir eher wie eine normale Erkältung vor. Wirklich schlecht war mir nicht, aber ich musste die Zeit absitzen“, sagt der Thüringer.

Zurück aus der Quarantäne arbeitet er hart, um für einen Neustart – wann immer dieser auch stattfinden möge – gewappnet zu sein. „Wir alle wollen wieder mal spielen. Die Pause nervt uns“, meint er. Medienberichte, wonach die Regionalliga Nordost möglicherweise nächsten Mittwoch wieder startet, nimmt er gespannt auf. Gleichzeitig ist er aber auch Realist. Dass der Ball zeitnah rollt, ist wohl eher ein Wunschdenken – zumal sich viele Vereine, darunter auch die Berliner Clubs BAK, TeBe, BFC Dynamo und Lichtenberg – dagegen aussprechen.

Zusammen mit zwei Mitspielern lebt er in einer WG und fährt jeden Tag zu den Einheiten. Hier gilt es, sich zu quälen und das Trainerteam um Karsten Heine von sich zu überzeugen. Denn vor der erneuten Zwangspause lief es für Knoll alles andere nach Wunsch. Nach seinem Wechsel von Inter Leipzig nach Altglienicke hoffte er auf einen Stammplatz. Diesen erhielt jedoch der aus Würzburg gekommene Leon Bätge. „Das war für mich natürlich erstmal ein Schock. Ich habe mich mit dem Trainer unterhalten und meine Sicht erklärt. Aber man muss die Entscheidung akzeptieren und weiterarbeiten. Ich versuche weiterhin Gas zu geben, denn sonst helfe ich der Mannschaft nicht“, weiß der Mann mit der Trikotnummer 38.

In der Liga stand er beim Tabellenzweiten bisher ganze 17 Minuten im Tor – und dies auch nur, weil beim Spiel gegen Lok Leipzig Konkurrent Bätge einen Schlag ins Gesicht bekam und ausgewechselt werden musste. „Ich wusste von Beginn an, dass der Verein noch einen weiteren Torwart holen würde. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, jetzt bin ich der Herausforderer und warte auf meine Chance“, sagt Knoll. Stunk machen ist dem Hohenkirchener fremd. „Gerade unter Torhüterkollegen sollte man sich immer respektvoll verhalten. Wir haben keine böse Miene untereinander.“

Zumal sich beide in der Vorbereitung erst wieder beweisen müssen und mit dem Club große Ziele haben. Zwar beträgt der Rückstand auf die punktverlustfreie Viktoria aus Berlin schon acht Zähler. „Aber auch wir haben eine starke Mannschaft und sind Aufstiegskandidat. Wir stehen verdient da oben, und es kann auch mal sehr schnell gehen, dass man diesen Rückstand aufholt“, blickt Knoll optimistisch nach vorn.