Kammlott für „Tor des Jahres“ mit Lieblingsessen belohnt

Nausitz  Erfurt. Nach dem 0:2 in Münster ging es für Rot-Weiß-Angreifer Carsten Kammlott ungeduscht und in Badeschlappen zur Preisverleihung zum „Tor des Jahres“ in der ARD-Sportschau.

Mit der Hacke im Fallen erzielt Rot-Weiß-Stürmer Carsten Kammlott am 13. August beim 1:3 in Dresden das „Tor des Jahres 2015“. Foto: Frank Steinhorst

Mit der Hacke im Fallen erzielt Rot-Weiß-Stürmer Carsten Kammlott am 13. August beim 1:3 in Dresden das „Tor des Jahres 2015“. Foto: Frank Steinhorst

Foto: zgt

Natürlich wurde er zu Hause mit seinem Lieblingsessen überrascht. Als Carsten Kammlott am Sonntagmittag in Nausitz ankam, hatte Mutter Bärbel bereits aufgetischt: Hähnchenkeule mit Knödel und Rotkraut. Belohnung muss sein.

Dann ging die Medaille reihum, die der Rot-Weiß-Angreifer am Samstagabend in der ARD-Sportschau von Reinhold Beckmann erhalten hatte. Kammlotts spektakulärer „Skorpion-Kick“ war von 20,25 Prozent der Zuschauer zum „Tor des Jahres“ gewählt worden. Er lag damit klar vor Bayerns Robert Lewandowski (15,36) und dem Bielefelder Christoph Hemlein (10,45).

„Wahnsinn! Auch wenn natürlich sehr viel Glück dabei war, ist es für mich persönlich eine Riesengeschichte“, meinte der Erfurter am Sonntag. Am Abend war noch eine Feier mit der Familie, Nachbarn und Freunden geplant. Das turbulente Wochenende sollte angemessen ausklingen.

Fast wäre er nicht pünktlich zur Preisverleihung im Kölner ARD-Studio erschienen. Durch die knapp halbstündige Verzögerung des Spiels in Münster musste Kammlott sofort nach dem Abpfiff in den bereitgestellten Wagen steigen; ungeduscht, in Sportkleidung und Badeschlappen.

„Knapp zehn Minuten vor der Sendung sind wir angekommen“, berichtete er. „Dann ging es in die Maske und ab ins Studio.“ Keine Zeit, um sich zu waschen oder um aufgeregt zu sein. Und so erlebten ihn die Fernsehzuschauer so, wie er eineinhalb Stunden zuvor den Platz in Münster verlassen hatte. „Leider als Verlierer“, blickte der 25-Jährige auf die 0:2-Niederlage zurück, die vor allem er hätte abwenden können. Doch weder ei-nen tollen Pass von Aydin konnte er vollenden (15.), noch nahm der Stürmer das Geschenk von Münsters Pischorn an (21.).

„Es gibt solche gebrauchten Tage“, ärgerte sich Kammlott über seine vergebenen Chancen und natürlich das Ergebnis. Die Leistung des Teams aber, fand er, hätte sich über weite Strecken sehen lassen können. „Nur die letzte Konsequenz vor dem Tor hat uns diesmal gefehlt.“

Das sah auch Stefan Krämer so, der seiner Nummer 27 keinen Vorwurf machte: „Ich messe ei-nen Stürmer nicht allein an seinen erzielten Toren. Wie ‚Chipper‘ für die Mannschaft arbeitet, wie er ackert und rackert, ist aller Ehren wert. Er wird ganz sicher noch wichtige Tore für uns schießen“, sagte der Trainer.

Nach der Ehrung vor dem Millionen-Publikum am Bildschirm stand Kammlotts Handy nicht mehr still. Auf der Heimfahrt von Köln gingen Hunderte Nachrichten und Anrufe ein. „Als wir in Erfurt ankamen, hatte der Akku noch ein Prozent“, verriet der „Torschütze des Jahres 2015“. Erst durch diese Aufmerksamkeit wurde ihm so richtig bewusst, was ihm an jenem Abend des 13. August in Dresden wirklich geglückt war.

Kammlott geht ein in die Fußball-Annalen als Nachfolger von Weltmeister Mario Götze. Und nicht nur das kleine Nausitz feiert.