Kommentar: Hilfe aus der Nachbarschaft

Gotha  Thomas Rudolph schreibt über Trainerimpulse im Sport

Foto: Sascha Fromm

Stellen Sie sich vor, der FC Rot-Weiß Erfurt dürfte in der Oberliga wieder vor den Ball treten, während dies allen Ligen Thüringens noch verboten ist. Und Thomas Giehl, Trainer beim Thüringenligisten FSV Ohratal, würde in dieser Zeit einfach als Co. bei seinem ehemaligen Verein, den er immer noch im Herzen trägt, aushelfen.

Eine undenkbare Situation?

Für den Fußball vielleicht. Andere Sportarten haben da deutlich weniger Berührungsängste und bündeln ihre Kräfte. So stieg Kemal Velishaev, Trainer der Gotha Rockets, noch intensiver beim Basketball-Drittligisten Löwen Erfurt ein, um Uvis Helmanis zu unterstützen und die Ausbildung junger Gothaer Talente wie Fidelius Kraus oder Dominykas Pleta voranzutreiben. Gleiches gilt für Christian Schumann. Der Ohrdrufer, seinerseits Coach beim Volleyball-Drittligisten 1. VSV Jena, heuerte bis Saisonende beim Zweitligisten Blue Volleys Gotha an.

In beiden Fällen ergibt sich für die Mannschaften eine Win-win-Situation. Velishaev entlastet nicht nur seinen Chef, sondern fuchst sich als junger Ex-Sportler seinerseits in den Alltag eines Trainerlebens herein. Jonas Kronseder, Coach der Gothaer, profitiert von der Hilfe aus der Nachbarschaft ebenfalls. Nicht nur, dass er Unterstützung in den Übungseinheiten bekommt. Wenn Kronseder selbst auf dem Parkett steht, darf er sein Team nicht trainieren. Dies übernimmt Schumann, der so seinerseits Erfahrungen in einer höheren Liga sammelt.

Dass die Verbindungen in diesem speziellen Rahmen auch dann noch bestehen, wenn der Sport irgendwann wieder in normalen Bahnen verläuft, ist eher unwahrscheinlich. Dennoch zeigen sie gerade in dieser schweren Zeit auf, dass in manchen Thüringer Sportarten über den Tellerrand hinausgeblickt wird. Es bleibt allen Beteiligten zu wünschen, dass die Zusammenarbeit Früchte in Form sportlicher Erfolge trägt.