Kugelstoßer David Storl: „Wie ein guter Whisky“

Leipzig.  Der Ex-Weltmeister, der sich sehr auf den Start beim Kugel-Cup am Samstag in Neustädt (Wartburgkreis) freut, spricht im Interview.

Kugelstoßer David Storl.

Kugelstoßer David Storl.

Foto: Sascha Fromm

David Storl war 2011 der erste deutsche Kugelstoß-Weltmeister. Seitdem holte der Sachse in jedem Jahr bei internationalen Höhepunkten der Freiluft- oder Hallensaison mindestens eine Medaille. Eine Serie, die er gern auch mit 30 Jahren bei den Olympischen Spielen in Tokio fortsetzen möchte. Im Corona-Jahr dreht sich nun alles um die perfekte Vorbereitung für 2021. Dazu zählt auch der Neustädter Kugelstoß-Cup im Wartburgkreis am Samstag (14 Uhr), wo Storl zum ersten Mal startet.

Sie fahren gerade zum Physiotherapeuten und niesen ganz heftig. Sind Sie gesund?

Das eine ist der Heuschnupfen und das andere sind die normalen Wehwehchen eines Leistungssportlers.

Sie sind jetzt 29 Jahre alt, fürchten Sie die Zahl 30 in sechs Wochen?

Nein, wirklich nicht. Für einen Kugelstoßer kommt doch mit der Erfahrung das beste Alter noch. Das ist wie bei einem guten Whisky.

Das Jahr 2019 verlief wenig erfolgreich, dazu kamen Rückenschmerzen. Waren Sie froh, als Olympia auf 2021 verschoben wurde?

Ich war bei meiner Vorgeschichte sehr erleichtert. Aber als das mit Corona anfing, war mir klar, dass das mit Tokio nichts mehr wird. Es wäre auch kein fairer Wettkampf geworden, denn überall sind die Bedingungen für die Athleten unterschiedlich. Dazu gab es keine Dopingkontrollen. Selbst 2021 wird nicht komplett fair laufen.

Japan will die Spiele nur ausrichten, wenn es einen Impfschutz gibt. Wie sehen Sie das?

Ich hoffe, wir sind dort keine Versuchskaninchen für den Impfstoff. Aber wir werden wohl nur so starten können.

Können Sie wie mit Silber 2012 in London in Tokio wieder eine olympische Medaille gewinnen?

Das wird sehr, sehr schwer. Das Kugelstoßen der Männer nimmt gegenwärtig eine enorme Entwicklung, während bei den Frauen quasi nichts passiert. Ich werde an meine Bestleistung von 22,20 Meter herankommen oder sie gar übertreffen müssen.

Ist das möglich im schier aussichtslosen Kampf gegen die Drehstoßer?

Ich werde meine Technik nicht mehr ändern, auch wenn die ganze Welt sich dreht. Das würde zudem zu lange dauern. Ich muss versuchen, technische Fehler abzustellen. Dafür brauche ich mehr Reaktionsschnelligkeit und Schnellkraft. Ich arbeite mit meinem Trainer Wilko Schaa strategisch daran, die Leistung langfristig aufzubauen.

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem aktuellen Zustand?

Ich habe inzwischen ein gutes Gefühl für den Körper. Der Start verlief wegen der Corona-Krise holprig. Nach sechs Tagen mussten wir damals aus dem Trainingslager in Fuerteventura schon wieder abreisen. Die Reise nach Belek fiel jetzt ganz aus. Wenigstens konnten wir in Leipzig am Olympiastützpunkt gut trainieren. Doch die intensiven Tage im Frühjahr fehlen natürlich.

Bei ihrem ersten Auftritt am vergangenen Freitag in Leipzig kamen sie auf 20,45 Meter. War das okay?

Nicht optimal, aber ganz in Ordnung. Ohne Zuschauer bleibt es natürlich wettkampfnahes Training. Da fehlt der letzte Kick.

Was erwarten Sie am Samstag in Neustädt von sich?

Eine weitere Steigerung. Das Meeting ist ganz wichtig für uns Kugelstoßer, denn wir brauchen die Wettkämpfe. Ich wäre im vergangenen Jahr fast schon bei Heiko Wendorf gestartet. Schön, dass es nun klappt. Wenngleich unter besonderen Bedingungen ohne die Fans.

Die deutschen Meisterschaften in Braunschweig am 8. und 9. August finden wohl auch ohne Zuschauer statt. Die Mittel- und Langstreckenläufer sollen wegen der Abstandsregeln nicht starten. Wie finden Sie das?

Nicht in Ordnung. Vor allem die Art und Weise. Man hätte das vorher diskutieren und nach Lösungen suchen müssen, was ja jetzt wohl doch noch geschieht. Fußballer dürfen auch spielen, aber Läufer sollen von vornherein ausgegrenzt werden. Da muss man Druck dagegen machen.

Sie haben zwei kleine Kinder, einen Jungen mit drei und ein Mädchen mit acht Jahren. Wie sind Sie über die Corona-Zeit gekommen?

Meine Frau hat mir den Rücken frei gehalten. Wenn sie als Lehrerin mal nicht konnte, habe ich mein Training verlegt. Es war anstrengend mit unseren beiden Kids, die ja immer beschäftigt werden mussten. Aber wir haben viel gemeinsam unternommen, sind als Familie enger zusammengerückt.

Was hat Ihnen in der Zeit am meisten gefehlt?

Nicht das Essen gehen oder das Shoppen. Dass wir Opa und Oma nicht besuchen konnten. Das war hart für alle. Das haben wir aber nun nachgeholt.

4. Neustädter Kugelcup in Neustädt/Gerstungen, Samstag 14 Uhr, Live unter ­https://ergebnisse.leichtathletik.de und Instagram: neustaedter_kugel_cup