Landessportbund findet harte Worte zur Erfurter Blutaffäre

Die Landessportbund-Spitze ist irritiert über Äußerungen von DOSB-Präsident Bach zum umstrittenen Fall des Erfurter Sportmediziners. Zwischen Antidoping-Agentur und Olympiastützpunkt gab es offenbar ein Kommunikationsproblem.

Sorgt für Unmut beim Landessportbund: DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach. Foto: Andreas Schaad

Sorgt für Unmut beim Landessportbund: DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach. Foto: Andreas Schaad

Foto: zgt

Erfurt. Im Frankfurter "Römer" gab es am Dienstag beim Neujahrs-Empfang des Deutschen Olympischen Sportbundes nur zwei große Themen: Olympia und die Erfurter Blutaffäre. DOSB-Präsident Thomas Bach ging in seiner Rede auf letztere ungewohnt undiplomatisch ein: "Wir haben in diesen Tagen die Nachricht erhalten, dass in Erfurt ein Arzt offensichtlich oder möglicherweise verbotene Dopingpraktiken an Sportlern angewendet hat. Wir vertrauen aber den Behörden, dass der Fall zügig aufgeklärt wird und die Antidoping-Agentur genügend Informationen bekommt, um rasch reinen Tisch zu machen, dann können entsprechende Sanktionen folgen."

Landessportbund-Präsident Peter Gösel und -Geschäftsführer Rolf Beilschmidt klangen in dem festlich geschmückten Saal die Ohren. Denn obendrein redete Bach noch von "Skandal" und "Schattenseiten des Sports". Beilschmidt: "Die Fachleute streiten sich über den Fall, vieles hängt in der Schwebe - da hat uns die aggressive Wortwahl überrascht, ja irritiert."

Mit anderen Teilen der Rede, in der Bach lückenlose Aufklärung zum Thema Doping forderte, ging er "völlig konform". Noch diese Woche werde es ein Treffen der LSB-Spitze mit dem DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank geben, in dem es auch um Lehren und Konsequenzen aus dem aktuell laufenden Verfahren gegen den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke geht.

Der Arzt beteuert, am Olympiastützpunkt ausschließlich Reinjektionen von mit UV-Licht behandeltem Eigenblut der Athleten in kleinen Mengen und zum Zwecke der Behandlung von Infektionen vorgenommen zu haben. Seit 2006 soll er 30 Sportler mit der Methode behandelt haben. Seit 2011 wirkt Franke nicht mehr am OSP.

"Ich stimme Thomas Bach zu: Wir müssen das sportärztliche Betreuungssystem verbessern - zusammenwirkend mit den Landesärztekammern", sagte Beilschmidt. Bislang laufe dies über private Praxen, "wo auch Oma Lehmann und Oma Schmidt behandelt werden. Doch es ist klar: Olympiasieger sind anderen Regeln unterworfen, die wie im laufenden Fall oft reformiert werden. Da muss man immer auf dem aktuellsten Stand sein."

Bach fand auch da markige Worte: "Es muss bei Verfehlungen in diesem Bereich rigoros eingeschritten werden. Die schwarzen Schafe müssen mit berufsrechtlichen Sanktionen belegt werden, wenn es sich um einen Verstoß gegen den ärztlichen Kodex handelt."

Ein Kommunikationsproblem muss es laut Beilschmidt allerdings zwischen der Nationalen Antidoping-Agentur Nada und dem Olympiastützpunkt gegeben haben: Dessen Leiter Bernd Neudert äußerte, er habe bereits 2007 in einem Brief an die Nada "haarklein" über die UV Bluttherapie von Franke berichtet und um eine Stellungnahme gebeten, ob diese Methode zulässig ist. Er habe bis heute "keine eindeutige Antwort bekommen - auch auf Nachfragen nicht".

Nada-Sprecher Berthold Mertes widersprach dem zumindest in Teilen. Er bestätigte zwar den Eingang der Neudert-Mail vom 4. Juni 2007 um 15.57 Uhr in Bonn und berichtete, dass die Antwort bereits 40 Minuten später erfolgt sei. In der Antwort habe die Nada dann darauf hingewiesen, "sich immer strikt gegen eine Eigenblut-Behandlung ausgesprochen" zu haben. Beilschmidt ist der Inhalt bekannt - er war danach mehrfach Gesprächsthema. "Doch die Nada-formulierung war sehr schwammig. Sie ließ mehrere Interpretationen zu. Ergo: Wäre dies damals eindeutig geklärt worden und hätten beide Seiten mit mehr Nachdruck gehandelt, wäre Thüringen die wohl heikelste Sport-Affäre der Nachwendezeit erspart geblieben.

Zu personellen Konsequenzen aus der Affäre mochte die LSB-Spitze noch nichts sagen. Peter Gösel: "Dafür ist es beim Stand der Ermittlungen zu früh. Es gilt die Unschuldsvermutung."

Rückendeckung für Kittel und Hesse in Erfurter Blutaffäre

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.