Rennsteiglauf: Thüringer Triathlet auf der Suche nach Schicksalsgefährten

Schmiedefeld  Der einstige Weltklasse-Triathlet Steffen Justus aus Jena bestreitet am Sonnabend beim 46. GutsMuths-Rennsteiglauf zum ersten Mal einen Supermarathon

Früh übt sich: Beim ersten Rennsteiglauf-Juniorcross landete Steffen Justus (re.) 1993 als damals Elfjähriger in seiner Altersklasse als Zweiter auf dem Podest.

Früh übt sich: Beim ersten Rennsteiglauf-Juniorcross landete Steffen Justus (re.) 1993 als damals Elfjähriger in seiner Altersklasse als Zweiter auf dem Podest.

Foto: Hans-Georg Kremer

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Bei Steffen Justus klingelt morgen in Jena ziemlich zeitig der Wecker. Dabei ist der einstige Weltklasse-Triathlet kein Frühaufsteher. „Aufstehen, wenn es draußen noch dunkel ist, ist nicht so mein Ding. Da tue ich mich schwer“, sagt der 36-Jährige, der als ehemaliger Leistungssportler so manche Strapaze überstanden hat. Wer einen Marathon in 2:18 Stunden absolviert, wie 2009 in Frankfurt/Main geschehen, der kann sich auch mal quälen.

Nun aber bestreitet Justus eine ganz neue Herausforderung. Beim 46. GutsMuths-Rennsteiglauf startet der gebürtige Jenenser zum ersten Mal beim Supermarathon, der auf dem Eisenacher Marktplatz gestartet wird. „Solch eine lange Strecke bin ich noch nie gelaufen“, sagt Justus über den 73,9 Kilometer langen Kurs, auf dem immerhin 1867 Höhenmeter zu bewältigen sein werden. „Ich habe durchaus Respekt vor dieser Strecke. Spaß haben und in einer passablen Zeit ins Ziel kommen. Das sind meine Ziele“, sagt der Nachwuchs-Bundestrainer, der seit seinem Rücktritt im vergangenen Jahr bei der Deutschen Triathlon-Union (DTU) für die Sichtung der Talente verantwortlich ist. Das Laufen ist ihm in die Wiege gelegt. Vater Klaus-Peter war einst einer der besten Mittelstreckenläufer und gewann 1974 Europameisterschafts-Gold über die 1500 Meter.

Justus, der in Saarbrücken wohnt, wird mit seinen Eltern am Sonnabend von Jena aus in aller Herrgottsfrühe nach Eisenach fahren, um dort um 6 Uhr am Start zu stehen, wenn traditionell über dem Marktplatz ein Hubschrauber kreist, um die Läufer aus der Vogelperspektive einzufangen. Mit ihm werden knapp 2000 Laufenthusiasten den beschwerlichen Weg nach Schmiedefeld auf sich nehmen.

Der Thüringer, der 2010 als VizeWeltmeister seinen größten sportlichen Erfolg feierte und 2012 an den Olympischen Sommerspielen in London teilnahm, ist gespannt auf die Atmosphäre an der Strecke, die wohl ganz anders sein wird als bei internationalen Titelkämpfen. „Da wird es sicher auch mal ziemlich einsam. Vielleicht finde ich dann ein, zwei Läufer, die mit mir leiden“, sagt Justus.

Ganz unvorbereitet aber schnürt er nicht die Schuhe. Vor ein paar Wochen ließ er sich von seinen Eltern – sozusagen als Generalprobe – mit dem Auto zur Hohen Sonne bei Eisenach fahren und nahm von dort einen Teil der Strecke unter die Füße. „Ich bin bis zum Grenzadler gelaufen. Das waren ungefähr 50 Kilometer“, sagt Justus, der den Test durchaus passabel bestanden hat: „Das hat wirklich gut funktioniert.“

1993 begann alles mit Platz zwei beim Juniorcross

Dabei ist der Rennsteiglauf kein Neuland für ihn. Im Jahre 1993, als der Juniorcoss des Rennsteiglaufes seine Premiere feierte und erstmals die jungen Läufer ins Boot holte, eroberte Steffen Justus in seiner Altersklasse den zweiten Platz. Silber verfolgt den einstigen Vize-Weltmeister im Triathlon offenbar. Denn im vergangenen Jahr meisterte er den 21,1 Kilometer langen Halbmarathon mit Start in Oberhof in starken 1:11:11 Stunden und verpasste als Zweiter den Sieg nur um 83 Sekunden: „Insofern kenne ich ja schon den letzten Abschnitt und freue mich schon, in Schmiedefeld ins Ziel zu kommen.“

Steffen Justus läuft immer wieder gerne durch die Jenaer Kernberge, wenn er seine Heimat besucht. Aber das allein genügte freilich nicht, um sich auf die große Herausforderung auf dem Kammweg des Thüringer Waldes vorzubereiten. Zwei, drei Mal in der Woche ist er zuletzt Strecken um die 40 Kilometer gelaufen, um sich an die Belastungen zu gewöhnen. Fünf bis sechs Stunden aber den Körper zu fordern, ist selbst für den ehemaligen Leistungssportler neu.

„Ich brauche neue Ziele und eine Motivation“, sagt Justus auf die Frage, warum er sich ausgerechnet den Supermarathon als Herausforderung ausgesucht hat. Seine Entscheidung ist bewusst so getroffen, sie hat durchaus einen Hintergrund. Auch wenn es auf den ersten Blick bei solch einer gewaltigen Strecke wie ein Widerspruch klingt, will er ohne Leistungsdruck das Rennen bestreiten. „Würde ich beim Marathon an den Start gehen, würden viele vielleicht auf meine Zeit schauen und vergleichen, wie gut ich noch drauf bin. Dem gehe ich aus dem Weg, denn ich werde ohne Zeitvorgabe antreten“, sagt Justus. Oft – so lautet ja eine Weisheit – ist weniger mehr. Hier ist es genau anders herum.

Unterwegs werden die Aktiven liebevoll versorgt. Der berühmte Haferschleim gehört genauso dazu wie Brühe, Wurst, Früchteriegel oder Cola und Bananen. Steffen Justus wird zugreifen, schließlich braucht der Körper jede Menge Energie. Sogar das Köstritzer Schwarzbier wird wieder ausgeschenkt. „Aber das trinke ich erst im Ziel“, sagt Steffen Justus.

Den aktuellen TA-Sporttalk mit Olympiasieger Nils Schumann und Rennsteiglauf-Gesamtleiter Marcus Clauder können Sie im Internet unter www.thueringer-allgemeine.de/tv sowie www.salve.tv oder www. thueringen24.de sehen.

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