Patrick Ulbrich zum Spielabbruch in der Kreisliga: „Wir sind keine Rassisten“

Niederwillingen.  Patrick Ulbrich, der Trainer und Vorstand des Mittelthüringer Fußball-Kreisligisten Blau-Weiß Niederwillingen/Stadtilm, zu Rassismus-Vorwürfen aus Königsee und dem Grund des Spielabbruchs

Niederwillingens Tobias Hirsing (links) in einem Testspiel gegen den FSV Martinroida und Serdar Suliman.

Niederwillingens Tobias Hirsing (links) in einem Testspiel gegen den FSV Martinroida und Serdar Suliman.

Foto: René Röder

Die Rassismus-Vorwürfe rund um den Spielabbruch des Fußball-Kreisligaspiels zwischen Blau-Weiß Niederwilligen/Stadtilm und Germania Königsee/Rottenbach schlagen hohe Wellen. Beim Stand von 3:0 für die Gastgeber soll es am letzten Sonntag zu diskriminierenden Äußerungen gegen einen nicht eingesetzten ägyptischen Spieler aus Königsee gekommen sein, in dessen Folge die Gäste geschlossen das Feld verließen. Die Königseer wollen die Beschimpfung „Schwarzer Dreck“ gehört haben. Doch weder die Schiedsrichter, noch befragte Zuschauer bestätigten, das gehört zu haben. Die Königseer Verantwortlichen indes bleiben bei ihrer Darstellung. Patrick Ulbrich, der Trainer und Vorstand der SG Niederwillingen/Stadtilm, sieht seinen Verein unberechtigt in eine rechte Ecke gerückt.

Sie weisen die Schilderungen der Königseer zurück. Wie sehen Sie die Sache?

Die Ausführungen der Königseer Verantwortlichen sind von vorn bis hinten falsch. Der Ägypter, der an diesem Tag nur als Zuschauer da war, stand vermutlich unter Alkoholeinfluss, als er in der Schlussminute mit der Bierflasche in der Hand aufs Spielfeld rannte, wohl unserem Torwart angehen wollte. Er wurde von den eigenen Leuten zurückgehalten. Da er sich nicht beruhigte, schritt der Schiedsrichter ein und rief die Ordner.

Der Grund seines Ausrasters sollen diskriminierende Äußerungen gewesen sein.

Es gibt keinen Beweis, dass da eine diskriminierende Beleidigung gefallen ist.

Das sehen die Königseer anders.

Wir distanzieren uns als Verein vom Rassismus. Das ist ein No-Go. Wir haben selbst Spieler ausländischer Herkunft in unseren Reihen, haben Freunde ausländischer Herkunft. Diskriminierende Äußerungen gehören nirgendwo hin, weder auf noch neben den Platz.

Aber wieso eskalierte das Ganze derart?

Wir haben kurz vor Spielende eine Gelb-Rote Karte bekommen. Es gab viele Töne von links und rechts. Der Linienrichter hat nichts gehört, der Schiedsrichter hat nichts gehört. Das einzige, was man hörte und sah, war der besagte Spieler, der aufgebracht war. Auch ich bin auf ihn zugegangen und hab ihm gesagt, ich kläre das. Wenn hier irgendwas an Rassismus-Vorwürfen stimmt, wird das geklärt.

Wie geht es nun weiter? Kommt die Sache vors Sportgericht?

Davon gehe ich aus. Wir haben unsere Stellungnahme abgegeben. Auch der Schiedsrichter hat seine abgegeben. Nun muss der KFA entscheiden.

Der Schiedsrichter soll nach Aussage der Königseer einen diskriminierenden Vorfall im Protokoll vermerkt haben.

Für einen Spielabbruch kann man nur zwei Vorfälle ankreuzen, Diskriminierung oder Gewalthandlung, um überhaupt einen Abschluss online erzielen zu können, Der Schiedsrichter verwies aber auf seinen Sonderbericht. Ich war dabei und stimmte der Vorgehensweise zu. Der Abbruchgrund war aber nicht Rassismus, sondern dass die Mannschaft aus Königsee sich weigerte, das Spiel fortzusetzen.

Und was ist mit dem Königseer Hauptvorwurf, Ihr Torwart hätte den ausländischen Spieler beschimpft?

Das kann nicht sein. Der Torwart stand am Fünfmeterraum, der Betroffene an der Trainerbank, gut 40 Meter entfernt. Ich weiß nicht, was gesagt wurde. Ich habe nichts dergleichen gehört. Und wenn, dann wäre ich sofort eingeschritten. Unser Spieler hat mir versichert, dass er das nicht gesagt hat.

Da steht Aussage gegen Aussage…

Klar das ist meine Aussage, die des Königseer Trainers ist eine andere. Es war eine hitzige Partie auf beiden Seiten. Auch er hat sich mit der gelb-roten Szene zu dem Zeitpunkt beschäftigt. Aber als der Schiri unparteiisch blieb und versuchte, die Situation zu klären, wurde er noch mit den Worten „du bist wohl auch ein Nazi“ beschimpft. Sorry, sowas gehört nicht in unseren Sport.

Der Schiedsrichter hat die Gäste aufgefordert, auf den Platz zurückzukehren, weil sonst spielrechtliche Konsequenzen drohen. Königsee blieb dennoch fern.

Ich denke, dass Königsee eine Strafe bekommen muss, weil sie nicht auf den Platz zurückgekehrt sind. Das ist ja auch der Punkt, warum das Spiel abgebrochen worden ist. Das geschah nicht wegen angeblicher rassistischer Vorwürfe.

Welche Auswirkung hat das Ganze, für Sie und Ihre Mannschaft?

Mein Handy stand nicht still. In den sozialen Medien ist das ganz schnell herum gegangen. Und jetzt stehen wir als rassistischer Verein da, der wir ganz und gar nicht sind. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen! Es wäre besser gewesen, wenn sich beide Vereine erst einmal zusammengesetzt hätten, statt voreilig an die Öffentlichkeit zu gehen.

Erwarten Sie nun eine Aussprache mit Königsee oder einen Prozess?

Das Sportgericht wird ein Urteil treffen müssen, der Fall liegt nun mal dort. Ich gehe aber davon aus, dass nur das Nachweisliche zum Spielabbruch beurteilt werden kann – und das war der Verzicht der Königseer, das Spiel fortzusetzen. Ich denke trotzdem, es können beide Akteure befragt werden, wie es zu dem nach meiner Meinung großen Missverständnis kam! Wir wollen eine Richtigstellung der Fakten und möchten auf keinen Fall für einen Verein, der für Rassismus stehen könnte, gehalten werden. Das sind wir nicht!