Geglückte Ultra-Premieren: Neulinge beim 8. Thüringen-Ultra über 100 Kilometer vorn

Fröttstädt (Landkreis Gotha). Bernard Munz und Antje Müller holen Einzelsiege beim 8. Thüringen-Ultra. Der Rennsteiglaufverein gewinnt 4x25-km-Staffel.

Auch nach 100 schweren Kilometern noch ziemlich leichtfüßig: Ultra-Sieger Bernhard Munz aus Kempten macht einen Luftsprung ins Ziel. Foto: Sascha Fromm

Auch nach 100 schweren Kilometern noch ziemlich leichtfüßig: Ultra-Sieger Bernhard Munz aus Kempten macht einen Luftsprung ins Ziel. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

"Das geht noch ein bisschen lauter!", heizte Sprecher Horst Reinhardt im Ziel am Dorfgemeinschaftshaus in Fröttstädt den Anwesenden ein. Recht hatte er - und danken konnte es ihm Bernhard Munz (Kempten), der den ihm gebührenden Applaus erntete, als er nach 8:54:18 Stunden den 8. Thüringen-Ultra mit einem Start-Ziel-Sieg für sich entschied. Sogar für einen Hechtsprung nach der Zielfahne reichte die Kraft noch aus, bevor ihm ein junger Helfer die verdiente Medaille um den Hals hängte. "Das war eine harte Nummer", sagte der 53 Jahre alte Allgäuer nach 2250 Höhenmetern mit hochrotem Kopf. "Aber ich habe mir meine Kräfte eingeteilt und konnte zum Schluss volle Pulle gehen."

Das war auch nötig, denn keine zwei Minuten nach Munz, der fair applaudierte, stürmte der erste Thüringer ins Ziel: Manuel Leuze (28) aus Saalfeld benötigte 8:56:47 h für die 100-km-Strecke rund um den Inselsberg. Der Frankfurter Achim Gokeler komplettierte in 8:59:27 h das Herren-Podium. Für alle drei war es die Fröttstädt-Premiere.

Bei den Frauen triumphierte bei Temperaturen um 25 Grad und leichter Bewölkung die Leipzigerin Antje Müller. Sie verwies in 10:03:10 Kristina Tille (10:30:38/Attendorn) und Claudia Stader (10:46:53) auf die Plätze. Die hoch gehandelte Nicole Benning blieb mit Rang vier hinter den Erwartungen zurück.

Nachmelderin Müller, am grünen Kopftuch gut erkennbar, ließ keine Zweifel am Ausgang zu, nachdem sie schon 2010 (2.) und 2011 (4.) weit vorne stand. Und das obwohl sie nach einem Ermüdungsbruch im Fuß erst im Dezember wieder mit dem Training begonnen hatte und auf den letzten 20 km mit Magenproblemen kämpfte. Im Ziel ließ sie sich vom mitgereisten Sohnemann, selbst Läufer, zur Belohnung erstmal ein kühles Bierchen bringen. "Ich bin das Rennen entspannt angegangen und vom deutlichen Ausgang selbst überrascht", sagte die 44 Jahre alte Langstreckenspezialistin zufrieden. Äpfel, Bananen Kekse und viel Flüssigkeit: So hieß ihre Erfolgsformel. Nicht zu vergessen: der offiziell gestellte Radbegleiter. "Er rief am Ende: Komm schon, es sind nur noch zehn Berge!", sagte Müller. "Das hat mich toll motiviert, er hat genau den richtigen Ton getroffen."

Weniger Glück besaßen Peter Flock und sein zweirädriger Helfer. Unbekannte hatten sich einen üblen Scherz erlaubt, die Wegweiser an einigen Abbiegungen abgenommen und teils irreführend angebracht. Laut Moderator Reinhardt seit Jahren ein Problem. "Ich musste zwei Kilometer Umweg laufen", monierte Mitfavorit Flock, übrigens nicht das einzige Streich-Opfer. "Bestimmt eine halbe Stunde war dann der Stecker raus", sagte Flock, der seinen lädierten Knöchel unterwegs mit Eisspray kühlen ließ und als 6. einlief.

Dennoch lobten übereinstimmend die Läufer die tolle, familiäre Atmosphäre. Sogar LSB-Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt überzeugte sich davon. Bei ihm machten auch die Leistungen der Staffeln Eindruck. Der Rennsteiglaufverein gewann in 7:16:12 h über 4x25 km bei den Männern, bei den Frauen setzte sich der LTV Erfurt in 9:20:43 Stunden durch, die Rennsteigoldies jubelten nach 8:03:24 h als erstes Mixed-Quartett im Fröttstädter Ziel

Um das auch einmal zu durchqueren, legte Stefanie Sharp den weitesten Weg zurück: 7105 km Luftlinie aus Indianapolis. Die 30-Jährige wuchs in Fröttstädt auf, lebt seit fünf Jahren mit ihrem amerikanischen Mann im US-Bundesstaat Indiana, entdeckte die Liebe zum Laufen 2012. Mit der Viererstaffel "4 gewinnt" reichte es beim Heimrennen immerhin zu Rang drei.

Papa Adalbert Werner, Radbegleiter und einer der Lauffeuer-Mitbegründer, und die Mama waren sichtlich stolz. "Nächstes Jahr komme ich bestimmt wieder", versprach Stefanie Sharp. Mit dieser Ankündigung war sie wahrlich nicht allein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.