Thüringens bester Marathonläufer ist derzeit nur dabei statt mittendrin

Erfurt  In der Startliste des Düsseldorf-Marathons ist er noch notiert: 10446. Die fünfstellige Startnummer weist ihn als Teilnehmer der in den Lauf integrierten Deutschen Meisterschaften aus.

2016 ging Marcel Bräutigam in Oberhof beim Rennsteiglauf an den Start – und gewann den Halbmarathon. Jetzt muss er die Laufschuhe.

2016 ging Marcel Bräutigam in Oberhof beim Rennsteiglauf an den Start – und gewann den Halbmarathon. Jetzt muss er die Laufschuhe.

Foto: Imago

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Doch am Sonntag wird Marcel Bräutigam in der Rhein-Metropole nur als Zuschauer am Straßenrand stehen. Thüringens derzeit bester Marathonläufer ist verletzt. Wieder einmal.

Probleme mit Leiste und Adduktoren, die Anfang des Monats nach dem vierwöchigen Trainingslager in Flagstaff/Arizona akut wurden, zwangen den Erfurter nach der Rückkehr in die Heimat zu einer ersten Pause. Dann die ärztliche Diagnose: Knochenödem im Beckenbereich. Drei Monate Laufpause. Statt laufen: Aquajogging, Rad fahren, schwimmen.

Bräutigam fügte sich schweren Herzens und sagte neben dem geplanten Halbmarathon-Test Anfang April in Hannover auch seinen Marathonstart in Düsseldorf ab. „Das hätte keinen Sinn ergeben“, sagt er, „un- ter diesen Umständen fehlen mir Kraft und damit Tempo für die langen 42 Kilometer.“

Dabei fühlte sich der 30-Jährige nach dem Höhentraining auf gutem Weg. Einen abschließenden 40-km-Test hatte er in 2:16 Stunden absolviert. „Das fühlte sich sehr, sehr gut an“, sagt er. In Düsseldorf wollte Bräutigam die Team-Norm für die Leichtathletik-Europameisterschaften im August in Berlin angehen. Bis zu sechs Läufer kann der deutsche Verband für den in die EM integrierten Europacup-Mannschaftswettbewerb nominieren. Die geforderten 2:17 Stunden schienen realistisch – Bräutigams Bestzeit liegt bei 2:17:05.

Nun aber steht er als Zaungast an der Strecke, zusammen mit Freundin Katrin. Anschließend geht es in den Urlaub. Gardasee, Toscana. „Ich will auch so dabeisein und freue mich für die anderen“, drückt er in Düsseldorf den Kollegen um 2:13-Läufer Hendrik Pfeiffer die Daumen. Mit ihnen hatte er sich – in Eigeninitiative und dank der Freistellung vom Dienst bei der Thüringer Landespolizei – im März im Trainingslager zusammengetan.

Mit dem neuerlichen eigenen Rückschlag kann er kontrolliert umgehen. „Auch wenn ich im Sport immer ehrgeizig bin, sehe ich im Leben nie alles verbissen“, sagt er. Zumal ihm, die planmäßige Genesung vorausgesetzt, Ziele bleiben. Der Köln-Marathon am 7. Oktober vielleicht, er ist einer der Botschafter des Laufes. Oder der Dublin-Marathon Ende Oktober, wo er seinen Titel als Polizei-Europameister verteidigen möchte. Damals, vor vier Jahren in Graz, genügten ihm in einem taktischen Rennen 2:25 Stunden zum Sieg.

Auch wenn dem für den GutsMuths-Rennsteiglaufverein startenden Thüringer die Marathondistanz dank der im Biathlon erworbenen phänomenalen Kraftausdauer auf den Leib geschnei-dert scheint, spürt er, dass es für die ganz großen Zeiten eng werden könnte. Seit einem Jahr gehört er nicht mehr zur Sportfördergruppe und geht seinem Job in der Polizeiinspektion im Erfurter Norden nach. „Dann suche ich mir eben alternative Ziele“, sagt er, „hier und da Streckenrekorde zu laufen zum Beispiel. Das wäre doch was.“

Natürlich, das wäre etwas. Es ist aber nichts gegen das größte aller Ziele, das er schon im September erreicht. Dann wird er zum ersten Mal Papa.

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