Thüringer Sprint-Talent macht Druck beim Erfurt-Indoor

Erfurt  Beim 6. Erfurt-Indoor schraubt der erst 18 Jahre alte Luis Brandner seine 60-Meter-Bestzeit auf 6,72 Sekunden. Julian Reus lobt seinen Teamkollegen

Sprinter Luis Brandner hat beim Erfurt-Indoor seine Bestzeit verbessert.

Sprinter Luis Brandner hat beim Erfurt-Indoor seine Bestzeit verbessert.

Foto: Sascha Fromm

Luis Brandner ballte die Faust und schrie seine Freude heraus. Ausgerechnet beim Heimspiel schraubte der Sprinter vom Top Team des Erfurter LAC seine Hallenbestleistung im Vorlauf über die 60 Meter auf 6,72 Sekunden. „Das war ein mega Lauf. Ich bin richtig gut vom Startblock weggekommen, obwohl das gar nicht meine Stärke ist“, sagte der 18 Jahre alte Leichtathlet, der im Finale nur Vereinskollege Julian Reus (6,68 Sekunden) und dem Österreicher Markus Fuchs (6,74) den Vortritt lassen musste.

Brandner stellte damit seine ausgezeichnete Form unter Beweis, obwohl die Hallensaison gerade erst begonnen hat. Eine Woche zuvor hatte er den zehn Jahre alten U-20-Landesrekord über die 200 Meter auf 21,12 Sekunden verbessert.

Nun setzte der Schützling von Trainer Gerhard Jäger die nächste Bestmarke. „Ich habe noch so viel Adrenalin in mir. Das wird wohl eine kurze Nacht“, sagte Brandner ein paar Minuten nach dem 60-Meter-Finale.

Er bezeichnete es als eine Ehre, im Endlauf neben Julian Reus gestanden zu haben. Aber der deutsche 100-Meter-Rekordhalter spürt schon den eigenen Nachwuchs im Nacken. „Dieser Druck ist wichtig. Dadurch werde ich immer wieder angetrieben“, sagte der 30 Jahre alte Erfurter, der nach seiner Schulteroperation im vergangenen August noch immer nicht in Vollbesitz seiner Kräfte ist. Die volle Beweglichkeit des Gelenks ist noch nicht wieder hergestellt. Bislang absolvierte er in dieser Saison vier Läufe unter maximaler Belastung – normalerweise sind es zu diesem Zeitpunkt schon 25 bis 30.

Meeting-Programm fehlt es an Tempo

Deshalb hat Reus ganz andere Prioritäten gesetzt. Der Blick ist nicht unbedingt auf die Hallen-EM in Glasgow gerichtet, für die er als Norm eine Zeit von 6,63 Sekunden laufen muss. „Entscheidend ist für mich, dass ich gesund aus der Hallensaison gehe, um mich auf den Sommer mit der WM vorzubereiten“, sagte der Sportsoldat, der anerkennende Worte über seinen jungen Konkurrenten fand. „Die Leistung von Luis war überragend.“ Am kommenden Freitag wird Julian Reus beim ISTAF in Berlin die nächste Chance bekommen.

Indes durften sich die Organisatoren des 6. Erfurt-Indoor über eine volle Halle mit 1350 Zuschauern freuen. Zu den Höhepunkten gehörten neben dem Sprint der Männer der Kugelstoß-Sieg von Christina Schwanitz (LV Erzgebirge) mit der neuen Jahresweltbestleistung von 19,16 Meter und der Weitsprung-Erfolg von Fabian Heinle (VfB Stuttgart/7,83 Meter).

Kritik gab es allerdings an der Gestaltung des Meeting-Programms. Jede Disziplin ­hintereinander zu präsentieren und damit mehr Aufmerksamkeit zu schenken, war gut gemeint, nahm dem Meeting allerdings das Tempo und die Spannung. So kritisierte Schwanitz die Tatsache, dass zwischen drittem und vierten Versuch erst noch das 800-Meter-Rennen der Männern absolviert wurde.

„Wenn es Kritik gegeben hat, hören wir uns die an. Und wenn es notwendig ist, denken wir gewiss auch über Verbesserungen nach“, sagte Frank Jacoby, einer der Meetingdirektoren.

Die Athleten derweil waren dennoch begeistert über die Stimmung in der Halle. „Die Unterstützung war super. Ich komme im nächsten Jahr gerne wieder“, sagte Weitspringer Fabian Heinle.

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