Leidenschaft, die Leiden schafft

Erfurt  Radsportler Erik Schubert aus Erfurt wird deutscher Meister und beendet nun enttäuscht seine Karriere

Der Erfurter Erik Schubert startet in dieser Saison für das Team Schnelle Stelle Ur-Krostitzer aus Sachsen.Fotos: privat

Der Erfurter Erik Schubert startet in dieser Saison für das Team Schnelle Stelle Ur-Krostitzer aus Sachsen.Fotos: privat

Foto: privat

Eigentlich müsste sich Erik Schubert freuen. Der 22 Jahre alte Radsportler aus Erfurt darf sich seit ein paar Wochen deutscher Meister nennen. „Das ist ein Titel, der bleibt und was auch nicht jeder schafft“, sagt der Thüringer, der bei den nationalen Bahn-Titelkämpfen im Juli in Dudenhofen das Punktefahren für sich entscheiden konnte. Was für ihn der nächste Schritt nach oben sein sollte, war allerdings der Anfang vom Abschied. „Ich werde nach dieser Saison mit dem Radsport aufhören. Das tut weh, denn der Radsport ist meine Leidenschaft. Aber ich sehe keine Perspektive“, sagt Schubert.

Gerne hätte er es gesehen, hätte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ihm jene Perspektive aufgezeigt. Ein Start bei der Bahnrad-EM vor einem Monat in Glasgow wäre solch ein Zeichen für ihn gewesen. „Aber ein deutscher Meistertitel ist offenbar nichts wert. Dass in Glasgow zum Beispiel im Punktefahren kein deutscher Fahrer am Start war, kann ich nicht verstehen“, sagt der junge Erfurter. Wahrscheinlich war dem Verband der Sieg in der nicht-olympischen Disziplin nicht genug.

Zwei Teilnahmen an der U 23-Europameisterschaft

Längst ist Schubert ein Einzelkämpfer geworden. Aber der Weg nach oben, in die internationale Spitze, ist auf diese Weise zu steinig, um dort anzukommen. Bis 2014 fuhr er für den RV Elxleben, wo Schubert einst mit dem Radfahren begann. Später wechselte er ins KED Stevens Radteam Berlin, 2016 schloss er sich dem RSC Nordsachen an und fährt seitdem für die Mannschaft Schnelle Stelle Ur-Krostitzer aus Delitzsch.

Erik Schubert rutschte automatisch in einen Teufelskreis. Weil er keinem Kader mehr angehörte, musste er sich von nun an zu einem großen Teil ganz alleine behaupten. Sportlich wie finanziell. Die Trainingsstunden auf der Erfurter Radrennbahn musste er bezahlen, 32 Euro pro Einheit. „Aber das konnte ich mir nicht leisten“, sagt Schubert: „Ohne die Unterstützung meiner Eltern würde ich längst nicht mehr Radfahren.“ Auch sein Trainer Uwe Freese, einst Ausdauer-Bundestrainer, hilft ihm mit Material.

Vom Gewinnen wird man im Radsport vielleicht reich, wenn man bei der Tour de France triumphiert und Sponsoren generiert. Ein deutscher Meistertitel im Bahnradsport löst dagegen vor allem bürokratischen Papierkrieg aus. Bei seinem Sieg auf der Betonpiste in Dudenhofen gewann er nicht nur Gold im Punktefahren, sondern auch ein Preisgeld von 60 Euro. Diese Summe geht zunächst an den sächsischen Verband, für den Schubert fährt. Von dort muss er das Geld anfordern – und später auch noch versteuern.

Obwohl er kein BDR-Kader ist und demzufolge auch nicht als Sportsoldat gefördert werden kann, startete der Thüringer 2015 und 2017 bei der U 23-Europameisterschaft. „Niemand vom Verband hat in den vergangenen Jahren je mit mir gesprochen und mir eine Perspektive aufgezeigt. So ist es natürlich schwer, bei Wind und Wetter alleine zu trainieren und sich immer wieder neu zu motivieren“, sagt der 22-Jährige: „Auf diese Weise haben Talente keine Chance.“ Zuletzt startete er mit seiner sächsischen Equipe bei den deutschen Meisterschaften im Mannschaftszeitfahren und wurde Achter. Nun folgen noch zwei weitere Bundesliga-Rennen, dann ist Schluss. „Radsport gehört zu meinem Leben. So aufzuhören, das ist bitter“, sagt er enttäuscht. Von nun an soll sein BWL-Studium in Erfurt im Mittelpunkt stehen. Aber der Radsport wird ihn nicht loslassen. Und neue Ziele hat er sich auch schon gesteckt. Irgendwann will Erik Schubert den Rennsteig mal an einem Stück abfahren: „Das sollte man als Thüringer mal gemacht haben.“

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