Leitartikel: Der ewige Patient Rot-Weiß Erfurt

Marco Alles über den historischen Absturz des traditionsreichen Erfurter Fußballclubs.

Marco Alles

Marco Alles

Foto: Sascha Fromm

Ralf Rangnick, der Vater des erfolgreichen Leipziger Fußballprojekts, hat kürzlich ein paar Tage Urlaub in Erfurt gemacht und zeigte sich angetan von dieser „wunderschönen Stadt“. Der historische Absturz des traditionsreichen ansässigen Fußball-Clubs hat ihn indes entsetzt und in seiner Meinung bestätigt: Fußballvereine müssten von Menschen geführt werden, die etwas vom Fach verstehen.

Der FC Rot-Weiß wurde in den drei Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung von rund 30 Managern und Präsidenten geleitet. Darunter befanden sich jedoch nur wenige mit entsprechender Kompetenz. Zu gern wurde die Strahlkraft des Fußballs genutzt, um eigene Interessen voranzutreiben oder gutes Geld zu verdienen. Über viele Jahre lebte der Verein über seine Verhältnisse, häufte in der ständigen Hoffnung auf bessere Zeiten Verbindlichkeiten von sieben Millionen Euro an und rutschte in die Insolvenz. Zu allem Überfluss erwischte er dort noch einen Verwalter, der kläglich versagte.

Anstatt den Verein mit Demut zu sanieren, jonglierte Volker Reinhardt mit Gehältern, die jegliche Vernunft vermissen ließen; rechnete mit Einnahmen, die fern jeder Realität waren. Binnen zwei Jahren wuchs der Schuldenberg deshalb sogar noch an. Dass sich erst Sponsoren und zuletzt auch Investoren verärgert abwendeten, sagt alles über den Leitungsstil des Verwalters. Nachdem er frisches Geld zur Tilgung eines Darlehens genommen hatte, um aus der persönlichen Haftung zu kommen, war das Vertrauen in ihn vollends verloren gegangen – und damit der rot-weiße Patient nicht mehr zu retten.

So schmerzhaft der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit ist; die Oberliga als Amateur-Spielklasse bietet auch die Chance auf einen wirklichen Neuanfang: mit jungen Spielern aus der Region und dem eigenen Nachwuchs, mit einem soliden Finanzierungskonzept, mit dem Willen, das ramponierte Image aufzupolieren und einer Führung, für die der Verein im Mittelpunkt steht.

Auch wenn Ralf Rangnick dafür nicht infrage kommt; er kann mit Sicherheit wertvolle Tipps geben.

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