Linus Weber: „Fühlte sich alles wie in einem Gefängnis an“

Gera.  Nach drei Wochen präventiver Quarantäne in Mailand ist der Geraer in seiner Heimatstadt zurück.

Volleyball-Nationalspieler Linus Weber erholt sich bei seinen Eltern in Gera-Untermhaus von den strapaziösen Wochen in Mailand.

Volleyball-Nationalspieler Linus Weber erholt sich bei seinen Eltern in Gera-Untermhaus von den strapaziösen Wochen in Mailand.

Foto: Jens Lohse

Linus Weber kann wieder lächeln. Nach drei Wochen präventiver Quarantäne in Mailand, wo der 20-jährige gebürtige Geraer Volleyballer beim italienischen Erstligisten Power Volley Milano unter Vertrag steht, durfte er mittlerweile in seine Heimatstadt zurück.

Im letzten Sommer war der 2,02 m-Riese vom Deutschen Meister Berlin Recycling Volleys in die Lombardei gewechselt. Auch Linus Weber hatte es erwischt. Zwar gab es keinen positiven Covid-Test. Aber eine mehrfach wiederkehrende Angina mit Temperaturen über 39 Grad Celsius hatte ihn Wochen außer Gefecht gesetzt. „Das war eine schwere Zeit – allein in einem fremden Land in Quarantäne. Der einzige Kontakt zur Außenwelt war das Telefon. Durch die Gitterstäbe vor der Parterre-Wohnung in Mailand fühlte sich alles wie ein Gefängnis an“, erinnert sich der Geraer, der wegen der Corona-Krise vor Ort nicht einmal einen Arzt zu sehen bekam.

Alles lief über Ferndiagnosen. Mit Lebensmitteln wurde er vom Verein versorgt, der die Einkäufe vor die Wohnungstür stellte.

„Da war viel psychische Kraft erforderlich, um aus diesem Tief herauszufinden. Sportlich war die Saison zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht beendet. Das passierte erst kurz vor Ostern durch eine Regierungsentscheidung. Da war das letzte Punktspiel schon vier Wochen her“, so Linus Weber, der hinzufügt: „In Mailand lässt es sich wundervoll leben. Das ist Dolce vita pur. Aber wenn es Probleme gibt, dann sind die Italiener eher fürs Aussitzen.“

„Als Mutter hat mir das unheimlich weh getan. Ich habe Linus mental noch nie so am Boden erlebt wie in dieser Zeit. Ich hatte Angst um ihn, weil es auch körperlich bergab ging. Wir haben ihm am Telefon das Gefühl geben wollen, nicht allein zu sein“, verrät Mutter Cordula Just, die erst erleichtert war, als ihr Mann Uto nach München aufbrach, um den Sohn nach dessen abenteuerlicher Mietwagen-Überfahrt aus Mailand dort in Empfang zu nehmen. Mittlerweile ist Linus Weber wieder bei seinen Eltern in Gera-Untermhaus und erholt sich von den Strapazen der vergangenen Wochen.

Sein Vertrag in Mailand läuft noch bis 2022. Doch aufgrund der finanziellen Not vieler Klubs vor Ort wird der Nationalspieler in der kommenden Saison an den VfB Friedrichshafen ausgeliehen.

Cheftrainer Michael Warm hat sich sehr um den Geraer bemüht. Kontakte bestehen schon länger. „Momentan sind alle internationalen Turniere abgesagt. Wann die Hallen wieder öffnen, steht in den Sternen. Erst einmal kann ich nur zu Hause etwas machen. Da bin ich in guten Händen“, so Linus Weber.