BSG Motor Eisenach vor 40 Jahren: 16 Freunde müsst ihr sein

Mike El Antaki
| Lesedauer: 5 Minuten
Die 1981er-Aufstiegsmannschaft der BSG Motor Eisenach: Hinten von links: Trainer Hans Säckel, Sektionsleiter Hans Freitag, Harald Hampel, Ralf Schütze, Wolfgang Reuter, Jürgen Hiller, Roland Holick, Bruno Zimmermann,  Co-Trainer Wolfgang Fischer, Orgelmeister. Mitte: Betreuer Axel Lorenz, Dieter Hotze, Bernd Tipold, Werner Heidemüller, Ralf Schröder,  Bernd Hildenhagen, Masseur Wolfgang Heyer. Vorn: Thomas Trautmann, Manfred Radloff, Steffen Schuknecht, Uwe Lehmann, Jürgen Keil, Matthias „Mäxer“ Weber.

Die 1981er-Aufstiegsmannschaft der BSG Motor Eisenach: Hinten von links: Trainer Hans Säckel, Sektionsleiter Hans Freitag, Harald Hampel, Ralf Schütze, Wolfgang Reuter, Jürgen Hiller, Roland Holick, Bruno Zimmermann,  Co-Trainer Wolfgang Fischer, Orgelmeister. Mitte: Betreuer Axel Lorenz, Dieter Hotze, Bernd Tipold, Werner Heidemüller, Ralf Schröder,  Bernd Hildenhagen, Masseur Wolfgang Heyer. Vorn: Thomas Trautmann, Manfred Radloff, Steffen Schuknecht, Uwe Lehmann, Jürgen Keil, Matthias „Mäxer“ Weber.

Foto: Carola Reinhardt

Eisenach.  Mit einem Minikader meisterten die Wartburgstädter 1980/81 alle 30 Spieltage und stiegen in die DDR-Liga auf.

Die Aufstiegsfeiern müssen sehr anstrengend gewesen sein. Als die Fußballer der BSG Motor Eisenach am 9. Mai 1981 als frischgebackener Bezirksmeister ihr letztes Heimspiel der Saison bestritten, boten sie den 1700 Zuschauern im Wartburgstadion nur Magerkost. Gegen geschickt verteidigende Gäste von Motor Gotha gab es lediglich ein 0:0-Unentschieden. An jenem Samstag, so hieß es im Spielbericht im Sportteil von „Das Volk“, spielte sich der Höhepunkt mit der Ehrung durch den Bezirksfachausschuss bereits vor dem Anpfiff ab.

Meisterlicher war da schon der Auftritt eine Woche zuvor beim 4:0 in Greußen. Weil zeitgleich Verfolger Glückauf Bleicherode stolperte, war Spitzenreiter Motor bereits zwei Spieltage vor Schluss der Sprung in die DDR-Liga nicht mehr zu nehmen. Nach 1953, 1962, und 1973 kam Eisenach zum vierten und zugleich letzten Mal in der zweithöchsten Spielklasse der DDR an. Natürlich wurde dies ausgiebig begossen.

„Genau weiß ich es nicht mehr, aber gefeiert haben wir vermutlich in unserer Stammkneipe im Karlswald in der Kasseler Straße“, erzählt Manfred Radloff, einer aus der Aufstiegstruppe. Präsenter ist ihm vier Jahrzehnte danach indes noch, wie Sektionsleitung und Stammwerk den Erfolg honorierten. Für die „verdienstvollen Mitarbeiter“ gab es einen Orden und „zum Glück auch ein Kuvert in dem waren 500 Mark drin“, erinnert sich Radloff, der wie die meisten Akteure des Teams im Automobilwerk angestellt war. Die Halbprofis arbeiteten oft nur vormittags.

Kompetent, streng, pedantisch, aber stets korrekt

Wer sich die Statistik dieser Saison 1980/81 genauer anschaut, stolpert vor allem über eine Zahl. Motor Eisenach schaffte es, alle 30 Begegnungen mit lediglich 15 Feldspielern und Steffen Schuknecht als einzigem eingesetzten Torhüter zu bestreiten. Heute kommen Mannschaften mit so einem begrenzten Aufgebot kaum drei Spieltage aus. Allein mit wenigen Verletzungen lässt sich dies nicht erklären.

„Wir waren eine verschworene Truppe, in der jeder für jeden alles gegeben hat“, blickt Radoff zurück. Der Oberellener war einer der wenigen Akteure, die aus der unmittelbaren Region stammen. Zu den vielen Zugereisten zählte der schussgewaltige Bernd Tipold.

Der Sachse kam durch den Armeedienst nach Eisenach und blieb von 1978 bis 1982 bei Motor. Nach der Wende brachte es Tipold für den FSV Zwickau noch auf 75 Zweitbundesligaspiele und sorgte 1994 deutschlandweit für Aufsehen mit seinem 40-Meter-Freistoßtor gegen Saarbrücken, welches in der ARD zum „Tor des Monats“ gewählt wurde. Dank seiner Qualitäten genoss er in Eisenach viele Freiheiten.

„Wenn wir den Coopertest laufen mussten, wurde bei Bernd nicht ganz so genau hingeschaut. Er hatte bei Trainer Hans Säckel einen Stein im Brett“, schildert Radloff. Mit Toren zahlte es Tipold zurück. 18 Treffer erzielte er 1980/81.

Der entscheidende Faktor für den Erfolg, meint Radloff, stand jedoch neben dem Platz. „Ohne Hans Säckel hätten wir das nicht geschafft.“ Nach dreijähriger Amtszeit von Horst Weigang kehrte der Coach, der auch Ruhla in die DDR-Liga geführt hatte, nach Eisenach zurück. Als einziger Trainer der 16 Bezirksligatrainer gab er das Ziel Aufstieg aus. Seine Schützlinge beschrieben ihn später als kompetent, streng, pedantisch, aber stets korrekt. Vom 2009 verstorbenen Säckel, so Radloff, habe er einiges für seine eigene Trainerlaufbahn gelernt.

Mit einem 6:2 gegen Empor Walschleben an die Tabellenspitze gesetzt

Die Saison 1980/81 begann zunächst gut mit vier Siegen, doch im Herbst holperte es etwas. Durch ein enttäuschendes Heim-2:2 gegen Tambach-Dietharz und ein 1:3 bei UT Erfurt fiel die Mannschaft zurück. In der Hinrunde gab es weitere Ausrutscher, so dass Motor lediglich als Dritter in die Winterpause ging. In der Rückrunde gab sich Eisenach dann fast keine Blöße mehr. Die ersten acht Spiele wurden allesamt gewonnen.

Am 19. Spieltag setzte sich die Mannschaft mit einem 6:2 gegen Empor Walschleben an die Tabellenspitze – und gab sie bis zum Saisonende nicht mehr ab. „Kein Zweifel: Mit den Eisenachern holte sich die beständigste und am ausgeglichensten besetzte Mannschaft den ersten Rang“, stellte die „Neue Fußballwoche“ in ihrer Ausgabe vom 23. Juni 1981 fest.

Neben Schuhknecht stand auch Libero Wolfgang Reuter in allen 30 Partien auf dem Feld. Nur in einem Spiel fehlte der damals bereits 34-jährige Kapitän Bernd Hildenhagen. Die Heimspiele waren kleine Festtage. 2800 Besucher füllten das Stadion beispielsweise im Derby gegen die TSG Ruhla, als Hildenhagen das Tor des Tages gelang.

„Ach ja, das waren noch Zeiten“, kommt Radloff ins Schwärmen, wenn über damals geredet wird. Der inzwischen 65-Jährige hat Eisenacher Fußballgeschichte geschrieben. Er kam 1974 und spielte in drei verschiedenen Jahrzehnten für die Wartburgstädter – beim Comeback Mitte der 90er-Jahre sogar gemeinsam mit Sohn Nico.