Mountainbike in Sülzhayn: Rennleiter leistet Starthilfe

Ellrich.  Beim Mountainbike-Einzelkämpfer-vent im Südharz zeigen unter anderem Hans Zwirnmann und Katja Konschak starke Leistungen.

Hans Zwirnmann fuhr in seiner Altersklasse auf den dritten Platz. 

Hans Zwirnmann fuhr in seiner Altersklasse auf den dritten Platz. 

Foto: Christoph Keil

Als der letzte der 111 Starter die Rampe runter rollte, zeigte sich Roy Juch erstmals erleichtert. Erleichtert darüber, dass es keinen Sturz gab. Diese Konstruktion kostete einigen Fahrern beim Mountainbike-Einzelkämpfer in Sülzhayn richtig viel Überwindung. Noch dazu, wenn man solch einen Start in Form eines Einzelzeitfahrens nicht gewöhnt ist.

„Ich habe den Fahrern über 20 Kilometer angeboten, ein bisschen Starthilfe zu leisten. Einer war dabei, der hat am ganzen Körper gezittert und am Fahrrad hat alles gewackelt. Er war richtig aufgeregt“, berichtete der Rennleiter. „Die Rampe war noch das einfachste“, sagte derweil Hans Zwirnmann lächelnd. Für den Triathleten des Orthim Triathlon Teams sollten die Passagen im Wald die größte Herausforderung darstellen. Nur vereinzelte Wettkämpfe während der Corona-Pandemie sorgten bei den Nordhäuser Triathleten für einen kurzen Wettkampfsommer. Bei der Suche nach Wettkampfalternativen wurden sie direkt vor der Haustür fündig. Karsten Knape (Triathlon Nordhausen) half da ein wenig nach, als er den Link zur Ausschreibung des Einzelkämpfers in die WhatsApp-Gruppe der Triathleten kopierte.

Rennen wird aufgrund desRegens zur Schlammschlacht

„Bei den 20 Kilometern dachte ich, warum eigentlich nicht. Mir wurde gesagt, dass die Strecke nicht schwierig sein soll. Also habe ich mich angemeldet“, sagte Zwirnmann, der sich erst vor wenigen Monaten ein Mountainbike zulegte und Spaß am Fahren fand. Überwiegend flach und asphaltiert – die Radstrecke der Triathleten. Ansteigende Trails, gelegentlich feuchter, matschiger Boden – die Radstrecke der Mountainbiker. Der Regen der vergangenen Tage hatte den Boden aufgeweicht. Das Rennen wurde zur Schlammschlacht. „In den Anstiegen musste man schauen, dass man das Rad auf die Strecke bekommt. Ich hatte den kleinsten Gang drin, habe voll reingetreten – es ging nicht vorwärts und das Rad hat durchgedreht. In der ersten Runde habe ich an zwei Stellen schieben müssen, in der zweiten Runde wusste ich, am Rand ist es weniger matschig und du kommst drumherum. Die Strecke war schon anspruchsvoll“, berichtete Zwirnmann, der etwas mit sich haderte. „Es wäre gut gewesen, die Strecke vorher mal zu besichtigen.“

Passende Trainingsalternativezur Rolle im Wohnzimmer

Wer wollte, konnte dies vorab tun. Entweder in Begleitung des Rennleiters oder anhand der hochgeladenen Daten. „Es lag einzig und allein an mir selbst, dass ich das nicht getan habe“, sagte Zwirnmann schmunzelnd. Auch ohne die vorherige Probefahrt fand er Gefallen an dieser Rennform. „Es hat echt Spaß gemacht. Ich wohne in Erfurt. Da gibt es im November noch eine Cross-Serie, wo ich sicherlich das eine oder andere Rennen mitnehmen werde. Für mich ist es jetzt im Herbst eine tolle Trainingsalternative, statt in meinem Zimmer auf der Rolle zu fahren.“ Zur Siegerehrung war er schon auf dem Nachhauseweg. So bekam er gar nicht mehr mit, dass er in seiner Altersklasse der Herren bis 35 Jahre in 1:17:27 Stunden den dritten Platz belegte. In der Gesamtwertung siegte Paul Geßner (Ostwest-Express; 55:33 min). Zwirnmanns Vereinskollegin Katja Konschak durfte sich in der Altersklasse Damen ab 36 Jahre über den Sieg in 1:35:20 Stunden freuen.

Es braucht schon einige gehörige Portion Mut, um in diesen Corona-Zeiten sportliche Veranstaltungen durchzuführen. Und Menschen wie Juch, die es sich trauen. Ein halbes Jahr habe er an der Wiederbelebung des Einzelkämpfers gearbeitet. Neu war das Schreiben eines Hygienekonzepts. „Mit den einzelnen Ämtern verlief der Austausch sehr gut, und sie haben mir signalisiert, wenn ich die entsprechenden Auflagen erfülle, dass es keine Probleme geben wird“, erklärte Juch. Wie groß die Sehnsucht nach Wettkämpfen ist, zeigte sich an den 111 Teilnehmern. Und dafür war ihnen kein Weg zu weit. Wie für Julia Polley, die die 650 Kilometer Anreise aus Freiburg im Breisgau nicht scheute.

Sie startete über 20 Kilometer und gewann die Klasse der Frauen bis 35 Jahre in 1:11:02 Stunden. „Sie erfuhr über eine Community aus Hamburg von unserem Rennen“, erzählte Juch. Oder Hubert Pöhl, der aus der Schweiz anreiste. Er besuchte seine Freundin in Dresden einerseits, anderseits nutzte er die Fahrt nach Deutschland für einen Abstecher nach Sülzhayn. Er hatte sich für die Langdistanz entschieden. Das bedeutete für die 43 Fahrer vier Runden auf dem 10-Kilometer-Kurs. „Das Rennen war super gewesen. Richtig schön dreckig. Die Strecke war wunderbar, perfekt“, lobte er das Profil und den Mut des Ausrichters: „Das sind Menschen, Veranstalter mit Leidenschaft.“ Als 17. kam er in 2:15:20 Stunden ins Ziel.

Die ersten Vier bleiben unterder Zwei-Stunden-Marke

Unter zwei Stunden blieben die ersten Vier: Es gewann Benjamin Alteheld (Bike Sport Lippe; 1:51:22 h) vor Michael Schulze (Ostwest-Express; 1:52:51 h), Stefan Donner (Trek/Fahrrad Eberhardt Racing; 1:55:07 h) und Martin Knape (White Rock; 1:55:55 h). Auf große Resonanz stießen die ausgeschriebenen 30 Kilometer – ausschließlich für E-Biker. Drei Runden nahmen 32 Teilnehmer in Angriff. Schnellster war Maik Weichert (Der Mechaniker/MTV Förste; 1:04:23 h). Als der letzte Fahrer das Ziel erreichte, atmete Juch einmal kräftig durch. Es war geschafft, alle Mühen des letzten halben Jahres haben sich für ihn und sein Team aus Helfern und der Familie gelohnt. Bestätigt durch die zahlreichen positiven Rückmeldungen vor Ort oder in den sozialen Netzwerken. Abschließend ließ sich Juch den Rennmodus für das nächste Jahr entlocken: „Wir werden den Rennmodus beibehalten und uns darauf spezialisieren.“