Nachwuchshandballerin aus Nordhausen allein unter Jungs

Nordhausen.  Die in Rumänien geborene Lorena Costiuc will sich im Nordhäuser Handball durchsetzen.

Lorena Costiuc (links) will sich bei den Jungs durchbeißen. 

Lorena Costiuc (links) will sich bei den Jungs durchbeißen. 

Foto: Christoph Kei /  

Momentan sind der HC Leipzig und der Thüringer HC ihre sportliche Heimat: Während Julia Weise in der 2. Handball-Bundesliga auf Torejagd geht, spielt Fabienne Gerlach in der C-Jugend. Erstmals in Berührung mit dem Handball kamen sie durch das Projekt des Nordhäuser SV „Kinder von der Straße – kommt wir spielen Handball“. Es folgte der nächste Schritt zum Nordhäuser Sportverein (NSV). Mit ihren außergewöhnlichen sportlichen Leistungen wussten sie auf sich aufmerksam zu machen.

Mit Lorena Costiuc könnte eine weiteres junges Talent in ihre Fußstapfen treten. Ihre ersten Handballschritte beschritt Lorena in der Arbeitsgemeinschaft an der Montessori-Grundschule. „Zuerst sind Freunde von mir zum Handball gegangen. Ich bin dann einfach mal mit. Wir haben unterschiedliche Sachen wie Werfen und Prellen gemacht“, berichtet die Zehnjährige. Bei dieser Einheit wurde sie von Veit Meier gesehen. Der NSV-Nachwuchstrainer zeigte sich von ihr begeistert: „Bei ihr stimmen die Voraussetzungen – der Körper, die langen Arme und wie sie sich bewegt.“ Er sprach sie nach dem Training an und schickte sie zum Vereinstraining. „Als ich das erste Mal beim Training der Mädchen war, hat es mir unheimlich viel Spaß gemacht zu spielen“, sagt sie lächelnd. Sie fühlte sich sehr wohl. Doch irgendwann wollte sie mehr. Bei einem Turnier in Bleicherode, ihre Mannschaft nahm teil sowie Veit Meier mit einem der Perspektivteams, habe sich ihre Mama von der Spielweise der Jungs sehr angetan gezeigt. „Ihre Mama kam zu mir und hat mich gefragt, ob Lorena parallel auch bei den Jungs mittrainieren könnte. Bei den Jungs gibt es eine härtere Körpersprache. Lorena verträgt diese Härte“, sagt Veit Meier. Nun trainiert sie seit acht Monaten jeweils einmal die Woche bei den Mädchen und den Jungs. Und hat freitags eine Extra-Einheit zur Koordination bei Dennis Effenberg.

Schon jetzt sind die ersten kleinen Erfolge sichtbar. „Sie hat einen großen Schritt nach vorn gemacht“, sagt ihre Mama. Veit Meier sieht es durchweg positiv, dass nach dem Weggang von Fabienne wieder ein Mädchen seine Trainingsgruppe bereichert. „Damals haben wir sehr gute Erfahrungen mit Fabienne gesammelt. Lorena ist momentan das einzige Mädchen unter den Jungs. Sie verstehen sich alle prima. Es hilft, dass die Jungs sehr ballsicher sind und Lorena dann gut in Szene setzen. Außerdem hat man in den vergangenen Spielen gesehen, dass sie hinten gut verteidigen kann. Im Angriff müssen wir noch ein wenig an der Technik arbeiten“, meint Veit Meier.

Was jetzt im November weniger geht. Durch den zweiten Lockdown sind die Trainingshallen gesperrt. Beziehungsweise waren. Seit dieser Woche kehrt etwas Normalität zurück. Doch von Langweile während der vorläufigen Hallenschließung keine Spur. Vom Trainer gab es einen Trainingsplan. Vielleicht bekommt sie dabei familiäre Unterstützung. Zu ihren sportlichen Vorbildern zählt nämlich ihr Papa, ein ehemaliger rumänischer Basket- und Handballer. Rumänien ist auch Lorenas Heimat. Sie wurde dort geboren. Mit neun Monaten kam sie mit ihrer Mama nach Nordhausen. Sie blieben. Ob Lorenas sportlicher Weg einmal aus Nordhausen wegführen wird, das wird die Zukunft zeigen. Im Moment zählt nur das Heute und Jetzt – und das ist der NSV.