Neuanfang in Leipzig

Leipzig.  Der Gothaer Til Linus Schwarz wechselte vor der Saison vom FC Rot-Weiß Erfurt zu Inter Leipzig. Hier will er sich für höhere Aufgaben empfehlen.

Til Linus Schwarz ist seit dieser Saison für den Oberligisten FC International Leipzig aktiv.

Til Linus Schwarz ist seit dieser Saison für den Oberligisten FC International Leipzig aktiv.

Foto: Gabor Krieg/Imago

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Es ist eine ungewöhnliche Zeit, zu der Til Linus Schwarz auf dem Fußballplatz steht – zumindest für Amateurverhältnisse. Punkt 10 Uhr morgens bittet Trainer Zoran Levnaic seine Jungs auf den Rasen, was bedeutet, dass Schwarz gegen 9 Uhr auf dem Gelände eintrifft und sich gegen 9.20 Uhr in der Kabine umzieht.

Des Rätsels Lösung ist einfach und doch etwas kompliziert. Fußball-Oberligist Inter Leipzig muss sich das Trainingsgelände mit mehreren anderen Vereinen teilen. Und da diese bereits Zeiten am Nachmittag und Abend besitzen, setzt der ambitionierte Club seine Übungseinheiten eben in der Frühe an.

Auf dem Platz und während der Einheiten geht es im wahrsten Sinne des Wortes kunterbunt zu. Spieler aus allen Teilen der Welt – von Kanada über Brasilien bis Südkorea und dem Balkan – laufen für International auf. Amtssprache ist Englisch. Mittendrin statt nur dabei: der Gothaer Schwarz. „Wir sind alle hier, um Fußball zu spielen. Hier herrscht eine echt gute Stimmung. Als ich hier hergekommen bin, war ich positiv überrascht“, sagt der 20-Jährige, der in der Defensive zum Einsatz kommt. Auf die „neue Sprache“ musste aber auch er sich erst einmal einstellen. „Klar habe ich Englisch in der Schule gelernt. Aber während des Spiels muss man schnell Kommandos geben. Das war zu Beginn recht schwer, da man keine Zeit hat. Jetzt ist es aber zur Routine geworden.“

Zusammen mit Patrick Hädrich, der ein halbes Jahr vor ihm vom FC Rot-Weiß Erfurt nach Leipzig ging, teilt sich Schwarz eine WG, die vom Verein bezahlt wird. Und auch sonst hat sich der Thüringer, der seit dieser Saison in der Messestadt spielt, gut eingelebt. Seine Entscheidung, aus Erfurt wegzugehen und einen Schritt zurück in die Oberliga zu wechseln, bereut er jedenfalls nicht. „Der Schritt nach unten war gut für mich. Hier gibt es viele Spieler, die auf einem höheren Level spielen könnten. Inter ist ein gutes Sprungbrett. Es geht schnell, dass andere Vereinen auf einen aufmerksam werden“, sagt Schwarz, der dem FC Rot-Weiß Erfurt nicht allzu sehr nachweint.

Nach einer zweiten Meniskus-Operation fiel Schwarz die zweite Halbserie aus. Auf der einen Seite eine schwere Zeit, da ihm die Zwangspause die Möglichkeit nahm, besser bei den Männern Fuß zu fassen. Andererseits „war ich aber auch nicht so böse drum. So konnte ich mich nebenbei mehr auf mein Abitur konzentrieren, und die Saison war eh rum“, sagt Schwarz, der zu Ex-Trainer Thomas Brdaric ein zwiespältiges Verhältnis besaß.

„Fußballerisch hat er viel Ahnung gehabt“, sagt der 20-Jährige. Zwischenmenschlich sei es hingegen schwierig gewesen. Auch die widersprüchlichen Aussagen zwischen Brdaric und dem damaligen Sportdirektor Oliver Bornemann zu seiner Zukunft haben bei Schwarz ein ungutes Gefühl hinterlassen.

Der kurzfristige Wechsel nach Leipzig kam ihm daher gelegen. Schwarz erkämpfte sich einen Platz im Team, musste aber in seiner ersten Halbserie im Männerfußball auch Lehrgeld zahlen. Zwei Rote Karten stehen in seiner Statistik; neben einer unglücklichen Notbremse ließ sich der Gothaer in einem Spiel nach zwei strittigen Entscheidungen zu einer verbalen Entgleisung gegenüber dem Schiedsrichter hinreißen.

Der Verein reagierte kreativ und setzte Schwarz in der Folge als Schiedsrichter bei einem Jugendturnier ein. Die neue Sichtweise erwies sich als eine sehr wertvolle Erfahrung. „Da habe ich erst einmal gemerkt, wie oft man einen Schiedsrichter sinnlos volllabert. Das war schon krass“, sagt der Defensivmann, der seine Lehren daraus zog. „Ich versuche nun, im Spiel anders zu reagieren.“

Wohin es ihn nach dieser Saison verschlägt, ist noch offen. Gerne würde er wieder in die Regionalliga zurück, aber auch ein weiteres Engagement bei Inter ist nicht ausgeschlossen. Schwarz fühlt sich wohl in Leipzig und hat neben Hädrich mit seinem Vater, der vor einem Jahr nach Leipzig zog, einen weiteren Anlaufpartner.

„Vergessen“ hat er die Heimat aber nicht. So oft es geht, besucht er die Familie oder trifft sich mit Freunden. Nur der Kontakt zu seinem Heimatverein Wacker Gotha ist abgerissen. „Er ist nicht mehr so groß, ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, in welcher Liga sie jetzt spielen. Aber mit ein paar Spielern der Zweiten bin ich gut befreundet“, sagt Schwarz.

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