Nordhausens Amerikaner: Der mutige Mann aus Kentucky

Nordhausen.  Nordhausens Amerikaner Lucas Stauffer kommt aus der Kleinstadt, in der Johnny Depp und Motorrad-Weltmeister Nicky Hayden geboren wurden.

Lucas Stauffer

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Foto: Christoph Keil

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Er pflügt den Rasen, rennt, köpft, schießt. Ein Terrier, ein Kämpfer, dieser Lucas Stauffer. „An ihm werden wir noch viel Freude haben“, prophezeite Tino Berbig, Wackers Sportlicher Leiter, nachdem der 24 Jahre alte US-Amerikaner im Sommer-Test gegen Dynamo Dresden in der 90. Minute den 3:2-Siegtreffer markiert hatte.

Dieser Typ gibt nie auf. So war es keine Überraschung mehr, dass sich Stauffer schnell in Wackers Stammelf auf der rechten Abwehrseite spielte. Sein Weg in die vierte Liga nach Nordhausen war dabei ein echtes Abenteuer für den mutigen jungen Mann aus Kentucky.

Geboren wurde Stauffer in der Kleinstadt Owensboro. Dort erblickte mit Johnny Depp auch ein späterer Hollywoodstar das Licht der Welt. „Der bekannteste Sportler aus Owensboro ist Motorrad-Weltmeister Nicky Hayden“, erzählt Stauffer. Ob er einmal bei Wikipedia als berühmter Sohn der Stadt, in der 1936 die letzte öffentliche Hinrichtung stattfand, aufgeführt wird, lässt er mit einem Schmunzeln offen. Immerhin hat er es zum Profi in Deutschland gebracht. „Es kann immer noch was passieren – auch mit 24 Jahren“, sagt Stauffer. Jamie Vardy von Leichester City habe den Durchbruch erst mit 29 geschafft.

Reserve von Red Bull

Der Kentucky-Boy spielte immer nur Soccer, nie American Football. „Schau mich an“, grinst Stauffer, 1,68 Meter, 75 Kilo. Doch seine Dynamik und sein Kampfgeist brachten ihn schnell als Fußballer durch halb Amerika. Er begann an der Creigthon University in Omaha. Dann ging er sechs Monate zu einer Gastfamilie nach Dänemark, spielte bei Vejle BK. Es folgten Portland, Ocala und Des Moines. Bei den Junior-Superdrafts wählte ihn Vancouver. Er wurde getauscht, landete schließlich in New York bei der Reserve von Red Bull.

„Mein Bauch sagte mir, versuch es in Europa“, so Stauffer, dessen uralte Familienwurzeln in Frankreich und Deutschland liegen. „Ich habe mir ein One-Way-Ticket gekauft, bin zunächst zu meiner alten Gastfamilie nach Dänemark geflogen. Ohne Vermittler und Berater“, erzählt Stauffer. Ein Freund aus Stuttgart half ihm. Tim Kubel, der mit ihm in den USA spielte und für die Firma Warubi Sports, die Fußballern in den USA College-Plätze vermittelt, arbeitet, rief immer wieder mal an. Er stellte sich bei Schalkes U23 vor („Denen war ich zu alt“), flog nach Finnland und landete schließlich bei Lok Leipzig. Von dort führte der Weg ins nahe Nordhausen. „Kleine Stadt – ambitionierter Verein. Wie ich“, lacht Stauffer. Der Papierkram war nicht einfach. „Alle haben mir geholfen. Co-Trainer Rüdiger Hoppe hat die Visa-Anträge ausgefüllt. Kurz vor Saisonstart war dann alles klar “, erzählt Stauffer.

Inzwischen hat sich der Amerikaner, der zwei Schwestern und einen Bruder hat, zu Füßen des Rolands eingelebt. Seine volle Konzentration gilt dem Fußball. „Das ist mein Job. Den will ich so gut wie möglich machen“,sagt er mit Ehrgeiz. Aber auch „the Schnitzels here are great“, erzählt der junge Mann, der übrigens aus der Welthauptstadt des BBQ kommt. Ein riesengroßes Steak wird in der Weihnachtszeit bestimmt auch gegrillt. Denn da möchte Stauffer für ein paar Tage zur Familie nach Kentucky fliegen.

Landespokal: Motor Zeulenroda – Wacker Nordhausen, Sonnabend, 13 Uhr

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