Nur noch Ilmenau und Steinach für Bergabfahrt bereit

Ilmenau/Steinach.  Für die europaweite iXS-Rennserien im Downhill hagelt es immer mehr Absagen.

Spektakuläre „Absolute Abfahrt“ 2019: Christopher Müller vom Team HCS Racing legt sich in der Jumpline flach. Passiert ist ihm nichts

Spektakuläre „Absolute Abfahrt“ 2019: Christopher Müller vom Team HCS Racing legt sich in der Jumpline flach. Passiert ist ihm nichts

Foto: Andreas Heckel

Am Silbersattel in Steinach ist der erste Bikepark in Deutschland kürzlich wieder geöffnet worden. Derzeit öffnet er an den Wochenenden, in den Ferien sollen sich Biker auch mittwochs wieder ins Gelände stürzen können.

Der Umstand, dass aus Hygieneschutzgründen andere Bikeparks noch nicht wieder öffnen durften – so auch in Bayern oder Tschechien –, lockte merklich viele „Bergab-Radler“ aus ganz Deutschland nach Südthüringen. „So war der Zulauf an den ersten beiden Wochenenden doppelt so hoch wie der im Vorjahr“, freut sich Betreiber Axel Müller. Biker lieben anspruchsvolle Strecken. In Steinach sind das nicht nur die Freizeitsportler. Im internationalen Wettkampfkalender ist die Strecke seit sieben Jahren fest verankert. In diesem Jahr durch Corona im komplizierten Rahmen.

Der Auftakt des „Specialized RockShox Rookies Cup“ im Downhill, eine Nachwuchs-Serie, soll in Steinach am 22. und 23. August auf einer Strecke von 1750 Metern mit 250 Höhenmetern stattfinden. Sechs europaweite Rennen sollten folgen, auch in Winterberg, Saalbach, Serfaus (beide Österreich) und Alta Badia (Italien). Doch so, wie es jetzt aussieht, ist Steinach als einziger Etappenort übrig geblieben.

Erst am Montag wurde das für 12./13. September geplante Rennen in Schöneck im Vogtland abgesagt. Kann so überhaupt noch in Steinach gefahren werden? „Wir wollen das – Anfang Juli steht unser Hygienekonzept“, versichert Betreiber Axel Müller. Dann muss abgewartet werden.

Eines der ältesten Downhill-Rennen in Deutschland

Seit 2008 wird parallel auch der iXS Downhill Cup ausgetragen. Dieser Wettbewerb richtet sich sowohl an Profis wie Amateure. Der Auftakt dieses Wettbewerbs war eigentlich für den 8. bis 10. Mai in Ilmenau geplant. Corona wirbelte den Saisonkalender gehörig durcheinander. Von neun Rennen blieben drei übrig. Ilmenau ist mit dabei, will vom 4. bis 6. September ausrichten.

Seit 24 Jahren wird in Ilmenau jährlich ein großes Downhill-Rennen veranstaltet. Der Namen „Absolute Abfahrt“ ist inzwischen ebenso Kult, wie das Rennen mit dem spektakulären Zieleinlauf über den ehemaligen Schanzenauslauf. Es ist eines der ältesten Downhill-Rennen Deutschland. 1996 und 1997 wurde noch vom Kickelhahn gefahren, was zu gefährlich wurde. Seit 2006 gehört Ilmenau zu den iXS-Serien. Highlights waren zudem Europacup-Rennen 2008 und 2010 sowie Deutsche Meisterschaften 2007 und 2012.

Mehr als 500 Mountainbiker und 3000 Zuschauer

Mit riesigen Aufwand wird die Downhill-Strecke in Ilmenau am Lindenberg stets auf- und abgebaut, der Verlauf und Hindernisse professionalisiert, verbessert. Zum jährlichen Event kommen mehr als 500 Mountainbiker und weit mehr als 3000 Zuschauer säumten stets in den letzten Jahren die Strecke. Eine enorme Belastung auch für die Natur, wurde immer wieder entgegengehalten, als der ausrichtende Ilmenauer Radsportclub seit fünf Jahren auch immer wieder um die Legalisierung dreier nebenher verlaufender Trainingsstrecken kämpfte.

Bisher wurden die vorhandenen Strecken immer wieder auch wild oder auch ohne schriftliche Genehmigung der Stadt genutzt. Nun hat der ILRC seit Dienstag auch einen Nutzungsvertrag, kann die Strecken über 14 Hektar verteilt in drei Schwierigkeitsgraden ausbauen, sichern und nutzen. „Es hat lange gedauert, es mussten viele Hürden genommen werden, aber wir haben es geschafft. Jetzt bieten sich uns ganz neue Möglichkeiten“, freut sich ILRC-Vize Karsten Neumann.

Ilmenauer hoffen auf grünes Licht für „Absolute Abfahrt“ im September

Bedingung: Der Naturschutz muss respektiert, der Wald sauber gehalten werden. Baustoffe dürfen nur natürlicher, der Umgebung angepasster Art sein. Zudem musste eine Haftpflichtversicherung auch zur rechtliche Gefahrenabsicherung abgeschlossen werden, Wildfahrten abseits der vorgegebenen Kurse werden künftig bestraft. Dazu werden Hinweisschilder auch zum Schutz von Wanderern aufgestellt.

Im Moment hoffen die Ilmenauer auf grünes Licht für ihre „Absolute Abfahrt“ im September. Während für 2020 die meisten der neun Rennen-Ausrichter der internationalen iXS-Downhill-Cup-Serie absagten, so Pamporovo (Bulgarien), Semmering, Innsbruck (beide Österreich), Klinovec (Tschechien), Bellwand (Schweiz) und leider auch Tabarz, bleibt in drei Orten die Hoffnung.

Ilmenau mit seiner „Absoluten Abfahrt“ soll vom 4. bis 6. September am Lindenberg stattfinden. Eine wirkliche Garantie kann keiner geben, weder die Ausrichter vom Ilmenauer RC noch Serienorganisator Racement. Das gilt auch für Winterberg (18. bis 20. September) und Willingen (2. bis 4. Oktober).

Von großen und kleinen Bikern gut angenommen

Positiv ist, dass die Ilmenauer wenigstens wieder trainieren können, seit sechs Wochen auch bei den Mountainbikern des Ilmenauer Radsport-Clubs. „Zwar durch ein paar Auflagen noch nicht im vollen Umfang, Wettbewerbe sind weiter verboten, aber Training ist seit Ende Mai wieder möglich. Daher gibt es jetzt auch wieder Termine, zu denen man sich zum gemeinsamen Radtraining treffen kann“, sagt Karsten Neumann vom ILRC.

Das wird von großen und kleinen Bikern gut angenommen. Neben der beliebten Mittwochsrunde eher für Erwachsene, die jeweils ab 18 Uhr am Bahnhofsvorplatz startet, sind das MTB-Nachwuchstraining für die U 11 (Donnerstag, 17 Uhr) und das der Ü 12 (Dienstag, 17 Uhr, jeweils vom Sportplatz in der Unterpörlitzer Straße aus) Anlaufpunkte.

In Steinach baut man weiter auf seine Bikepark-Öffnung, wieder am Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr und einen höheren Bekanntheitsgrad für seinen Sommervariante in der Skiarena am Silbersattel. Auch die Organisatoren von Thüringen Alpin hoffen weiter auf ihr Rennwochenende im Rookies-Cup am 22./23. August in Steinach.