Interview

Patrick Krause aus Gera über Rollstuhlskaten und die WM

Gera.  Rollstuhlskaten ist eine Sportart aus den USA, die auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Der Geraer Patrick Krause über die noch junge Sportart Rollstuhlskaten und die WM in Köln.

Der US-Amerikaner Aaron Fotheringham verteidigt bei der WCMX-Weltmeisterschaft in Köln seinen Titel. 

Der US-Amerikaner Aaron Fotheringham verteidigt bei der WCMX-Weltmeisterschaft in Köln seinen Titel. 

Foto: EikeMichler/DRS

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Patrick Krause ist immer wieder gern in Gera, er ist hier aufgewachsen, zur Schule gegangen. Der 30-Jährige lebt in Köln, arbeitet in einem Sanitätshaus, seine große Leidenschaft ist WCMX, eine noch junge Sportart aus den USA. Als Fachbereichsleiter Wheelchair-Moto-Cross ist er im Deutschen Rollstuhl-Sportverband aktiv. Mit dem Weltmeister und jetzigem Co-Trainer Timon Luu trafen wir uns.

Gut, dass Timon Sportler ist, da ist es auch kein Problem, einen Bordstein oder die Stufe am Eingang des Cafes zu nehmen.

(Lacht). Das sind wir gewohnt. Wir wissen uns schon zu helfen.

Das glaube ich gern, dass Bordsteine keine Hürde darstellen. Die WCMX-Rider zeigen, im Rollstuhl sitzend, atemberaubende Aktionen im Stile der Skateboarder. Die Sportart kommt aus den USA?

Richtig. Auch die Handicap-Sportler suchen immer nach neuen Herausforderungen. Langeweile ist ihnen fremd. Im Skaterpark treffen sich Skater und Paraskater und zeigen, was sie drauf haben. Seit etwa 16 Jahren wird WCMX in den USA betrieben, seit etwa sechs Jahren gibt es die Sportart auch bei uns, hat eine rasante Entwicklung genommen, findet immer mehr Anhänger.

Da könnte ich mir vorstellen, dass manch einer sagt: Ist das nicht zu gefährlich, mit dem Rollstuhl im Skatepark Sprünge zu vollführen und Wheeles zu drehen.

Fragen Sie Timon, der bei der WM in Köln im Sommer gewonnen hat. Er wird ihnen sagen: Was soll mir passieren. Ich sitze schon im Rollstuhl. Und wenn sich ein Fußgänger beim Sport verletzt, sich die Hand bricht, dann benötigt er Hilfe. Und wenn sich ein Behindertensportler die Hand bricht, dann braucht er auch Hilfe. Wo ist der Unterschied. Wir reden in Deutschland gern und oft über Inklusion. Für mich heißt das aber auch: Jeder soll machen, was er für richtig hält.

Sie haben es angesprochen. Erstmals fand mit der WM in Köln ein Championat außerhalb der USA statt. War die WM ein Erfolg? Waren Sie als Chef zufrieden?

Es war schon ein Erfolg und eine große Ehre für uns als Rollstuhl-Sportverband die WCMX Worldcompetition ausrichten zu dürfen. Sportler aus neun Nationen waren am Start. Wir haben schöne Tage mit tollem Sport erlebt. Wir haben WCMX oder Rollstuhlskaten, wie man auch sagen kann, bekannt gemacht. Ich bin immer noch verwundert und natürlich erfreut, dass wir mit unserem Sport noch immer ein Thema sind, es Anfragen gibt, Leute sich melden, die nach Workshops fragen, Trainingstipps möchten. Für uns ist es fast schon selbstverständlich, dass wir uns beim Hofwiesenparkfest in Gera präsentieren, ein paar schöne Sachen zeigen.

Auch aus Gera gab es Unterstützung für die WM im Sommer.

Ja, eine schöne Aktion. Waldmeister für Weltmeister. Bernd Holzmüller von der Eisdiele in Untermhaus hat uns die Einnahmen jeder verkauften Kugel Waldmeister abgegeben – als Unterstützung für die WM.

Eine coole Sache.

Genau. Man muss ja auch sehen. Wir machen im Fachbereich WCMX alles im Ehrenamt, freuen uns über Unterstützung jeder Art.

Ein großer Schritt nach vorn wäre sicher die Aufnahme der Sportart ins paralympische Programm.

Das wäre es. Wir würden dann ganz anders gefördert werden. Wir in Deutschland sind bereit, haben die Strukturen und das Wettkampfsystem geschaffen. Um Aufnahme ins paralympische Programm zu finden, müssen 32 Nationen so weit sein wie wir es sind. Das ist ein langer Weg, klar.

Was fasziniert Sie so sehr am WheelchairMX?

Erst einmal finde ich die Typen klasse, die das machen. Eine bunte Truppe Verrückter, das meine ich im absolut positiven Sinne. Adrenalin auf Räder, das ist es, was sie antreibt und auch ich habe mich anstecken lassen. Noch in Gera habe ich meine Ausbildung zum Ergotherapeuten gemacht, in den Niederlanden habe ich Öffentliches Gesundheitswesen studiert, habe in Frankfurt gelebt, bin dort mit den Skatern in Kontakt gekommen – allerdings zunächst ganz eigennützig.

Wie das?

Ich habe in den Niederlanden studiert und dort steht am Ende jedes Studiums eine Forschungsarbeit. Und ich habe für meine Arbeit noch Teilnehmer gebraucht und habe mich einfach Mal im Skatepark umgehört und hab dann schnell mitbekommen, was in der Szene abgeht, aber auch, was es für Probleme gibt und habe damit begonnen, mich im Rollstuhl-Sportverband einzubringen und weiß längst, warum die Sportler begeistert von Adrenalin auf Rädern sprechen.

Was ist Paraskaten?

WCMX steht für die Abkürzung von Wheelchair-Motocross – und bedeutet nichts anderes als Rollstuhlskaten. Ähnlich wie Skateboarder oder BMX-Fahrer benutzen die WCMX-Parasportler ihren Rolli einfach als Sportgerät. Zwar bilden die Rollstuhlfahrer in Skateparks und Hallen immer noch die Ausnahme, aber ihre Zahl wächst auch in Deutschland ständig.Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der WM im Rollstuhlskaten in Köln kamen aus neun Nationen (USA, Brasilien, Schweiz, Serbien, Italien, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Deutschland) und starteten in fünf Klassen. Bei den Männern setzte sich Topfavorit Aaron Fotheringham aus den USA durch, bei den Frauen wurde Lily Rice aus Großbritannien Weltmeisterin.

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