Pistolenschütze Ralf Schumann will sechste Olympia-Medaille

Er wird die deutsche Fahne nach langen Spekulationen nicht ins Olympiastadion von London tragen, trotzdem gilt Ralf Schumann bei den diesjährigen Sommerspielen als Olympionik der Rekorde.

Ralf Schumann muss sich in zwei Qualifikationen durchsetzen, um das Finale am 3. August zu erreichen. Foto: Candy Welz

Ralf Schumann muss sich in zwei Qualifikationen durchsetzen, um das Finale am 3. August zu erreichen. Foto: Candy Welz

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Erfurt. Der Pistolenschütze vom Förderverein Schießsportzentrum Suhl ist mit 50 Jahren der Senior im Aufgebot des Deutschen Olympischen Sportbundes und er nimmt bereits an seinen siebten olympischen Spielen teil, ein Novum in der deutschen Sportgeschichte.

Aber wer glaubt, dass der gebürtige Meißener nur als Olympia-Tourist nach London reist, der irrt. Er spricht nicht von Siegen, nicht von Medaillen, er sagt nur: "Ich will meine Technik sauber ausführen und optimal umsetzen." Gelingt ihm das bei seinem Wettkampf am 2. und 3. August, wird Schumann zeigen, dass er noch immer zu den weltbesten Schnellfeuerschützen gehört.

"Möglich ist dann alles", weiß auch Bundestrainer Peter Kraneis, der schon seit 1982 mit Schumann zusammenarbeitet: "Er ist ein Ausnahmekönner mit enormer mentaler Stärke. Ich kenne ihn seit 30 Jahren - und seit 30 Jahren ist er Weltspitze", sagt Kraneis über den dreifachen Gold- und zweifachen Silbermedaillengewinner.

Sein junger sächsischer Rivale, Christian Reitz (25) aus Löbau, der 2008 in Peking hinter Schumann Bronze holte, könnte theoretisch sein Sohn sein.

Mit seinem sechsten Edelmetall würde sich Schumann bei seinem letzten Olympiaauftritt einen perfekten Abschied bescheren - und zugleich eine große Lücke im deutschen Sportschießen hinterlassen. Immerhin eifert mit dem Suhler Luftgewehrschützen Tino Mohaupt ein zweiter Thüringer um olympische Meriten.

Schumann, derzeit beim Thüringer Schützenbund als Trainer freigestellt, liebäugelt mit der Nachfolge von Kraneis. Nach London entscheidet er sich endgültig, ob er seine aktive Laufbahn fortsetzt. Aber nur, "wenn die Lust am Schießen noch da ist", so Schumann.

Bisher war sie es. Mit viel Selbstdisziplin und Gottes Kraft treibt sich der gläubige Ausnahmekönner seit Jahren immer wieder an. 25 Stunden in der Woche stand er zuletzt auf dem Suhler Friedberg am Schießstand, mehr als 40.000 Schüsse feuerte er zur Vorbereitung auf London ab, dazu acht bis zehn Stunden Konditions- und Athletiktraining. Schumann muss sich mehr quälen, das Alter fordert mittlerweile seinen Tribut.

Umso höher wäre seine sechste Medaille zu bewerten. Sie dürfte die kleine Enttäuschung, die deutsche Fahne nicht ins Stadion tragen zu dürfen, rasch vergessen machen.

Thüringer Septett

John Degenkolb (Rad)
Kristina Vogel (Rad)
René Enders (Rad)
Madeleine Sandig (Rad)
Robert Förstemann (Rad)
Tino Mohaupt (Schießen)
Ralf Schumann (Schießen)

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