Bahnrad-Weltmeisterin Kristina Vogel: Die Legende muss warten

Apeldoorn  Mit ihrem elften Titel stellt Bahnrad-Weltmeisterin Kristina Vogel den WM-Rekord ein. Die Erfurterin will 2019 ihr zwölftes Gold holen.

Faire Verliererin: Kristina Vogel (rechts) gratuliert der Keirin-Weltmeisterin Nicky Degrendele. Foto:

Foto: zgt

Der Moment der Enttäuschung war schon nach ein paar Minuten verflogen. „Klar hätte ich gerne noch einmal die Nationalhymne gehört. Aber hey, ich habe zwei Goldmedaillen gewonnen“, sagte Kristina Vogel, nachdem sie bei der Bahnrad-WM in Apeldoorn die dritte Medaille im dritten Rennen als Sechste im Keirin verpasst hatte. Mit ihren Triumphen im Teamsprint und Sprint zog die Erfurterin mit Anna Meares als erfolgreichster Bahnrad-Sportlerin der Welt gleich. Wie die im Oktober 2016 zurückgetretene Australierin hat die Polizeihauptmeisterin aus Thüringen neben zwei olympischen Goldmedaillen nun elf WM-Titel erobert.

„Die Legende kann noch warten“, sagte die 27-Jährige mit Blick auf die WM in einem Jahr in Polen, wenn sie sich mit Titel Nummer zwölf zur alleinigen Rekordhalterin des Bahnradsports krönen will. In Pruszków zu gewinnen, ist für die Weltklassesprinterin eine besondere Motivation. „Es wäre genau zehn Jahre nach meiner ersten WM-Teilnahme der zwölfte Titel. Das würde doch passen.“

Trotz eines taktischen Fehlers im Keirin-Finale stellte Vogel bei der WM in Apeldoorn ihre Ausnahmestellung unter Beweis. Im Sprint, der Königsdisziplin des Bahnradsports, holte sie souverän die Goldmedaille. Voller Emotionen und mit Tränen in den Augen widmete sie diese besondere Plakette ihrem im vergangenen Sommer verstorbenen Entdecker Jochen Wilhelm. Er hatte Vogel einst von Sömmerda nach Erfurt geholt und dort zum Olympiasieg geführt.

Pauline Grabosch war zum Keirin-Wettbewerb nicht mehr angetreten. Schon nach der Bronzemedaille im Sprintrennen bekam die 20 Jahre alte Erfurterin mit krächzender Stimme kaum einen Ton heraus. Tags darauf quälte sie sich im nicht-olympischen 500-m-Zeitfahren trotz jener Erkältung noch zu ei-nem respektablen vierten Platz. Um ganze 0,003 Sekunden verpasste die einstige Junioren-Weltmeisterin die erste WM-Medaille in dieser Disziplin für eine Thüringer Starterin, nachdem Ulrike Weichelt bei den Titelkämpfen 1999 in Berlin den dritten Platz belegt hatte.

Dafür krönte sich Miriam Welte derweil zum zweiten Mal nach 2014 zur Weltmeisterin im Zeitfahren. „Der Erfolg im Teamsprint hat mich beflügelt. Das hat mich mental stark gemacht“, sagte die 31 Jahre alte Europameisterin aus Kaiserslautern, die frühere Gedanken an ein mögliches Ende ihrer Karriere wieder beiseite schob.

Für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) standen zum WM-Abschluss vier Titel und zwei Bronzemedaillen zu Buche. Medaillengarant waren in erster Linie die Sprint-Frauen. Aber auch der 30 Jahre alte Maximilian Levy steuerte mit Keirin-Bronze eine Plakette bei und kämpfte sich in der Königsdisziplin, dem Sprint, immerhin ins kleine Finale vor. Im Lauf um Platz drei wurde er vom zehn Jahre jüngeren Franzosen Sebastian Vigier bezwungen, hatte trotz der verpassten Medaille seinen Humor nicht verloren: „Alte Diesel sollte man nicht abschaffen.“

Während hinter Levy die Sprint-Männer versuchen, den Anschluss an die absolute Weltspitze wieder herzustellen, sehen sich die Ausdauerfahrer auf dem richtigen Weg. Gekrönt wurde dies durch den WM-Titel von Roger Kluge und Theo Reinhardt (beide Berlin) im Madison-Wettbewerb. Zudem stellten in Apeldoorn sowohl der Männer-Vierer mit dem Erfurter Kersten Thiele als Vierter als auch das Frauen-Quartett mit Gudrun Stock (München) von der Thüringer Mannschaft Maxx-Solar-Lindig auf dem fünften Rang jeweils einen deutschen Rekord auf.

Ebenfalls eine deutsche Bestmarke gelang Lisa Brennauer aus Durach, die in der Qualifikation die Bestzeit von 3:32,485 Minuten fuhr und überraschend ins kleine Finale einzog. Die 29-Jährige, die im vergangenen Jahr auf der Straße zum ersten Mal die Lotto Thüringen Ladies Tour gewinnen konnte, unterlag im Kampf um Bronze gegen Kelly Catlin aus den USA.

Weltmeisterin Grabosch: „Wahnsinniger Sprung“

Drei Starts, zwei Medaillen – hätten Sie sich das vor der WM träumen lassen?

Es ist extrem geil, dass ich hier Medaillen in zwei olympischen Disziplinen gewonnen habe. Mit Gold im Teamsprint und Platz drei im Sprint habe ich mehr erreicht, als ich erwarten konnte. Ich bin wirklich sehr zufrieden.

Lediglich drei Tausendstel fehlten im 500-m-Zeitfahren zu Bronze. Im ersten Moment waren Sie am Boden zerstört...

Wenn man bei einer WM Platz vier belegt, ist das im ersten Augenblick immer eine Enttäuschung. Aber vielleicht ist das Jammern auf hohem Ni-veau. Im Finale war ich die mit Abstand jüngste Fahrerin. Und im Sprint habe ich mir eben Platz drei geschnappt.

Welchen Stellenwert hat der dritte Platz im Sprint?

Es war meine erste WM-Einzelmedaille bei den Frauen. Im vergangenen Jahr war ich bei der WM im Sprint noch Zehnte. Nun habe ich Platz drei belegt. Das ist ein wahnsinniger Sprung und nach Teamsprint-Gold ein weiterer Kindheitstraum, der in Erfüllung gegangen ist.

In ein paar Wochen bauen Sie Ihr Abitur. Haben Sie zur WM in die Bücher geschaut?

Ich hatte Bücher dabei, aber ich habe mich vor allem auf den Sport konzentriert. Ich will alles zu 100 Prozent erledigen. Wenn ich von der WM nach Hause komme, bin ich dann erst einmal zu 100 Prozent Schülerin.

Welche Note soll es zum Abschluss werden?

Ich strebe eine 1,5 an.

Kommentar: Konkurrenz im eigenen Lager

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