Bahnrad-EM: Olympiasiegerin Vogel will ihre Titelsammlung komplettieren

Berlin  Der Erfurter Bahnradsprinterin Kristina Vogel fehlt noch EM-Gold im Teamsprint. Sieben Thüringer sind bei der Europameisterschaft in Berlin am Start.

In Szene gesetzt: Kristina Vogel (re.) und Miriam Welte wollen zum EM-Auftakt die Goldmedaille im Teamsprint erobern.

In Szene gesetzt: Kristina Vogel (re.) und Miriam Welte wollen zum EM-Auftakt die Goldmedaille im Teamsprint erobern.

Foto: Maurizio Gambarini

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Kristina Vogel hat schon den Olymp erobert und neun WM-Goldmedaillen gewonnen, aber dieser Triumph blieb ihr bislang verwehrt: Im Teamsprint hat die 26 Jahre alte Bahnradsprinterin bei einer Europameisterschaft noch nie gewonnen. „In Berlin will ich diesen Titel holen“, sagte die Erfurterin, die heute Abend in ihre einzigartige Sammlung komplettieren will. Bei der EM in der Hauptstadt sind mehr als 300 Athleten aus 23 Nationen am Start. Erwartet werden im für zwei Millionen Euro sanierten Velodrom in der Landsberger Allee mehr als 8000 Zuschauer an vier Tagen. Neben Vogel sind noch sechs weitere Thüringer Bahnrad-Asse am Start.

Mit dem deutschen Bahnrad-Vierer tritt Kersten Thiele vom 1. RSV 1886 Greiz an. Bundestrainer Sven Meyer hat für das deutsche Quartett das kleine Finale als Ziel ausgegeben. Die Europameisterschaft soll nach Platz fünf bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ein Meilenstein auf dem Weg zu den Spielen 2020 in Tokio sein. „Wir haben im Sommer einige Sachen trainingsmethodisch probiert und wollen das jetzt umsetzen“, sagte Meyer und erklärte: „Alle Jungs haben Lust auf Berlin und wollen richtig schnell fahren.“ Im Ausdauerbereich sind zudem die deutsche Straßenmeisterin Lisa Klein aus Erfurt sowie Gudrun Stock aus München dabei, die von der neuen Saison an für die Thüringer Straßen-Mannschaft Maxx-Solar-Lindig antreten wird.

Förstemann erhält Chance als Anfahrer

Der Geraer Sprinter Robert Förstemann hat derweil ein Heimspiel. Seit Jahren wohnt der 31-Jährige in Berlin und durfte im September als Erster auf der neuen Holzbahn aus sibirischer Fichte erste Testfahrten absolvieren. „Ich bin echt stolz, als Erster ein paar Runden gedreht zu haben. Das war wirklich toll und hat mir einen Extra-Kick für die EM-Vorbereitung gegeben“, hatte Förstemann damals gesagt.

Seit 2005 hat der Familienvater acht EM-Medaillen gewonnen, vier Goldmedaillen holte er mit dem deutschen Teamsprint-Trio. Auch heute Abend tritt Förstemann mit dem deutschen Trio an und will die Mannschaft als Anfahrer in Schwung bringen. Gemeinsam mit dem vierfachen Weltmeister Maximilian Levy (Cottbus) und Joachim Eilers (Chemnitz) soll dieses Vorhaben gelingen, nachdem Förstemann bei der WM im April in Hongkong mit Platz zwölf ein Debakel erlebte. Für Thüringen ist im Sprint der Männer zu dem der Eichsfelder Maximilian Dörnbach im Einsatz.

Seinen letzten Auftritt in Berlin hat unterdessen Rene Enders. Der Erfurter, der in seiner Karriere zweimal Weltmeister wurde und bei den Olympischen Spielen 2008 und 2012 jeweils die Bronzemedaille eroberte, wird am Samstag offiziell verabschiedet. Der 30 Jahre alte Bundespolizist will dem Radsport aber treu bleiben. Nach dem Weggang von Trainer Tim Zühlke nach China betreut er derzeit übergangsweise die Erfurter Sprinter, will die jungen Fahrer aber auch in Zukunft unterstützen und zudem im Marketingbereich den Thüringer Bahnradsprint voranbringen.

Ans Karriereende denkt Kristina Vogel noch lange nicht. An der Seite von Miriam Welte aus Kaiserslautern tritt die Olympiasiegerin heute zur Teamsprint-Qualifikation an, um im besten Fall noch am Abend das ersehnte Gold zu erobern. „Die Russinnen werden die härtesten Konkurrentinnen sein“, sagte Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel. Vogel wird in Berlin zudem im Sprint und Keirin an den Start gehen. Zu den Thüringer Hoffnungsträgern zählt auch die Erfurterin Pauline Grabosch, die in der Teamsprint-Qualifikation an der Seite von Vogel antritt, sowie im Sprint, Keirin und dem 500-m-Zeitfahren fährt.

Zum EM-Programm von Berlin gehören auch die Steherrennen, die bei der EM 2016 in Paris der Cottbuser Stefan Schäfer gewann. Der 31-Jährige war aber zuletzt bei einem bei einem Rennen in Mailand gestürzt und hatte sich Hautabschürfungen und Prellungen zugezogen. Trotzdem will der Titelverteidiger antreten. Franz Schiewer aus Cottbus, der Gesamtsieger von 2017 der Steherrennen auf der Erfurter Bahn, gilt mit seinem Schrittmacher Gerd Gessler vom RSC Turbine Erfurt als aussichtsreicher Medaillenkandidat.

Bahnrad-EM live: Eurosport2 heute, ab 19.30 Uhr

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