John Degenkolb im Interview: Der Start in Gera ist eine Herzensangelegenheit

John Degenkolb ist wieder bei der Apres Tour dabei, er lobt das moderne Format und freut sich auf ein Wiedersehen mit Marcel Kittel.

John Degenkolb freut sich über seinen Tour-Etappensieg in Roubaix. Heute stellt sich der gebürtige Geraer der Konkurrenz bei der Apres Tour Gera.

John Degenkolb freut sich über seinen Tour-Etappensieg in Roubaix. Heute stellt sich der gebürtige Geraer der Konkurrenz bei der Apres Tour Gera.

Foto: Yorick Jansens

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Sie waren bei der Premiere der Apres Tour Gera 2015 schon dabei. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Die Apres Tour Gera ist eine tolle Veranstaltung, die Zuschauer sind wunderbar, ich habe Familie in Gera. Der Start bei der Apres Tour ist eine Herzensangelegenheit. Ich werde viele Weggefährten treffen, Jungs, mit denen ich in Gera im Internat war, Rennen gefahren bin. Gera ist meine sportliche Heimat. Leider hat es in den letzten beiden Jahren nicht geklappt mit einem Start in Gera – deshalb freue ich mich umso mehr auf Gera.

Im Gegensatz zur ersten Auflage wird es nicht nur ein Rundrennen der Profis geben, sondern drei knackige Rennen. Das ist doch gut, da können Sie sich nicht nur einmal mit Marcel Kittel duellieren.

(lacht) Das Geraer Format hebt sich von den Kriterien ab, die ich nach der Tour gefahren bin. Diese Art der Veranstaltung ist spritzig, ist modern.

Wie stehen Sie zu Marcel Kittel? Kann es im Profisport überhaupt Freundschaft geben?

Doch, das geht. Marcel und ich sind ein Beispiel dafür. Wir haben ja in Thüringen eine gemeinsame sportliche Vergangenheit, sind in Gera und Erfurt ausgebildet worden. Und wenn wir uns sehen, dann quatschen wir, tauschen uns aus, was läuft, was los ist. Würden wir näher zusammen wohnen, dann würden wir auch zusammen trainieren, aber ich bin in Frankfurt, Marcel in der Schweiz.

Marcel Kittel konnte die Tour nicht zu Ende fahren, weil er aus dem Zeitlimit gefallen ist. Es gibt Kritik, die Tour de France 2018 sei zu schwer, zu hart gewesen. Was sagen Sie?

Die Tour de France ist immer hart, das macht sie auch ein Stück weit aus. Für die Sprinter ist es nicht einfach, zu überleben, das stimmt. Da muss man sehen, dass man eine passende Gruppe erwischt, seinen Rhythmus findet und drin bleibt. Als Einzelkämpfer ist es ungemein schwer, da verliert man schnell sehr viel Zeit, sowohl in den Bergen als auch auf den Flachstrecken. Da steht man, wenn man Pech hat, allein im Wind...

Hatten Sie auf der Tour eine Situation, die kritisch war?

Auf der elften Etappe, auf der auch Marcel raus ist, hatte auch ich zu kämpfen – da hatte ich auch nicht gerade einen unfassbar starken Tag.

Als Sie die Etappe in Roubaix gewonnen hatten, sagten Sie im Ziel auf eine Reporterfrage: Sie wüssten nicht, was Sie sagen sollten. Wie ist es mit etwas Abstand?

Auch nicht viel anders. Der Sieg in Roubaix ist sehr emotional für mich gewesen – vor allem mit dieser Vorgeschichte.

Weil Sie im Jahr 2015 beim Klassiker Paris – Roubaix triumphiert haben?

Das spielt eine Rolle, klar. Aber ein Tour-Etappensieg ist noch etwas anderes, das ist ein Ziel, das jeder Profi verfolgt. Mit Vorgeschichte meine ich meine lange Verletztenzeit nach dem Unfall 2016. Nicht alle haben noch an mich geglaubt. Von daher habe ich es mit dem Sieg in Roubaix vielen Kritikern gezeigt, sie eines Besseren belehrt. Dieser Sieg in Roubaix wird immer einen besonderen Platz in meiner Geschichte haben.

Wie hat die lange Pause, das schwierige Zurückkämpfen in den Profisport, aber auch die Kritik an Ihrer Person, Ihre Sicht auf den Radsport, vielleicht sogar auf das Leben, verändert?

Ich sehe vieles gelassener, bewerte viele Dinge anders, kann mich riesig über Erfolge freuen, weil ich weiß, dass es auch anders laufen kann, dass auch alles ganz schnell vorbei sein kann.

Bei der Apres Tour Gera wird es auch den Dege-Kids-Cup geben. Was steckt dahinter?

Die Idee ist, den Radsport zu einem Event für die ganze Familie zu machen. Oft ist es für die Kleinen nicht so spannend, weil es keine Rennen für sie gibt. Da setzen wir mit dem Kids Cup an. Das heißt: Radsport für die ganze Familie – und mit den Rennen mit den Laufrädern fängt es an.

Zeitplan

Apres Tour Gera, 4. August, 9.30 Uhr: Anfänger, 2 Runden = 2,2 km,

9.45 Uhr: U11, 8 Rd. = 8,8 km.

10.20 Uhr: U13, 12 Rd. = 13,2 km.

11 Uhr: U15 w, 15 Rd. = 16,5 km.

11.45 Uhr: U15 m, 18 Rd. = 19,8 km.

12.35 Uhr: U17, 38 Rd. = 41,8 km.

14.15 Uhr: Fahrervorstellung Profi- und Prominenten-Rennen.

14.45 Uhr: DEGE Bambini Laufradrennen.

15 Uhr: Profirennen, Longest Lap.

15.25 Uhr: Prominentenrennen, Kriterium 15 Rd. = 16,5 km.

17.30 Uhr: Profirennen, Temporunden, 15 Rd. = 16,5 km.

16.50 Uhr: Prominentenrennen, Ausscheidungsfahren,

17.30 Uhr: Profirennen, Ausscheidungsfahren.

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