Sportarzt Dr. Mark Schmidt: „Ich habe nichts verabreicht“

Erfurt  Ein Erfurter war Team-Arzt des Radstalls Gerolsteiner und wird nun indirekt des Dopings beschuldigt.

Der Erfurter Dr. Mark Schmidt (links) und Bernhard Kohl.

Der Erfurter Dr. Mark Schmidt (links) und Bernhard Kohl.

Foto: dpa

Der Erfurter Arzt Dr. Mark Schmidt wurde von Bernhard Kohl in der ARD-Sendung „Beckmann“ indirekt des Dopings beschuldigt. Schmidt betreute bei der Tour de France 2008 das Team Gerolsteiner. Mit Kohl, der die Rundfahrt auf Platz drei beendete, und Stefan Schumacher wurden zwei Fahrer dieses Teams des Dopings überführt. Schmidt arbeitet mittlerweile als Arzt beim Team Milram − wurde aber von der heute beginnenden Bayern-Rundfahrt abgezogen.

Wurden Sie je aufgefordert, beim Dopen zu helfen oder Dopingmittel zu besorgen?

Ich habe keine Dopingmittel besorgt, weitergeleitet oder selbst verabreicht.

War es für Sie nicht auffällig, wie stark Kohl plötzlich bei der Tour de France gefahren ist?

Bernhard Kohl hat in den letzten Jahren eine stetige Leistungssteigerung dokumentiert. Ich kann nicht jeden Athleten nur wegen seiner herausragenden sportlichen Leistungen des Dopingmissbrauchs verdächtigen. Um einen Verdacht zu äußern, bedarf es belastungsfähiger Beweise. Diese konnten bis Ende der Tour de France nicht erbracht werden. Erst danach war eines der hochqualifiziertesten Dopinglabore in der Lage, das von ihm angewandte Mittel Cera nachzuweisen.

Das Team Gerolsteiner ist durch die Dopingfälle Kohl und Schumacher belastet. Waren sie nur Einzeltäter?

Herr Kohl hat Doping zugegeben. Herr Schumacher bestreitet weiterhin, gedopt zu haben. Ein teamgesteuertes Doping gab es im Team Gerolsteiner definitiv nicht.

Wie gehen Sie mit dem indirekten Vorwurf von Kohl um: „Wenn ein Arzt eins und zwei zusammenzählen kann, weiß er, dass diese Leistung nicht ehrlich zustande kommt?“

Gegen mich wurden bisher keine Vorwürfe erhoben.

Kohl sagt, die Tour de France ist ohne Doping unfahrbar. Ist sie ohne medizinische Hilfe zu überstehen?

Ja.

Ist ein Leistungssportler ohne medizinische Betreuung noch konkurrenzfähig?

Ein Leistungssportler bedarf der qualifizierten sportmedizinischen Betreuung. Allerdings nicht der Hilfe oder Anleitung zur Leistungssteigerung durch unerlaubte medizinische Mittel.

Nach Gerolsteiner arbeiten Sie nun für Milram, den einzig verbliebenen deutschen Rennstall. Haben Sie den Glauben an den Radsport nicht verloren?

Nein. Im Radsport wird konsequent gegen Doping vorgegangen und es wird hart bestraft. Im Team Milram gab es − auch infolge des konsequenten Team-Anti-Doping-Reglements − im Jahr 2009 keinerlei Verdachtsmomente, dass jemand gegen die Regeln verstoßen würde. Bereits bei begründeten Verdachtsmomenten kann ein Profi suspendiert werden, ohne dass mit erheblichen Schadenersatzklagen zu rechnen ist.

Wenn Sportler Ärzte verdächtigen, wollen diese Sportler von sich selbst ablenken?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Mir wurde bisher weder von Dritten noch von Sportlern der Vorwurf der Mithilfe beziehungsweise eine irgendwie auch gelagerte Beteiligung bei Doping vorgeworfen.

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