Thüringer Radteam beendet Trainingslager vorzeitig

Erfurt.  Die Fahrer um Teamchef Lars Wackernagel stecken wie viele andere Sportler in der Warteschleife. Eigentlich sollte die Bundesligasaison am 5. April beginnen. Doch keiner weiß, wann es weitergeht.

Letzte Saison erfolgreich: Robert Jägeler bejubelt den ersten Doppelsieg für das Team P&S-Metalltechnik im Bundesligarennen "Rund im Düren", dahinter auf Platz zwei John Mandrysch.

Letzte Saison erfolgreich: Robert Jägeler bejubelt den ersten Doppelsieg für das Team P&S-Metalltechnik im Bundesligarennen "Rund im Düren", dahinter auf Platz zwei John Mandrysch.

Foto: h.o.photo

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Besser hätte das neue Radsport-Jahr gar nicht beginnen können. Eigentlich. Nun nämlich hat das Coronavirus alle ausgebremst. Als Tom Lindner in seinem ersten Rennen für die Thüringer Mannschaft P&S Metalltechnik bei der deutschen Crossmeisterschaft im Januar in Albstadt gleich die Goldmedaille bei den U-23-Männern gewonnen hat, schien der Weg zu einer erfolgreichen Saison geebnet. Und: In den ersten beiden Straßenrennen der Saison eroberten Robert Jägeler und John Mandrysch im Trainingslager in Kroatien die Plätze acht und neun.

Längst aber ist die Equipe um Teamchef Lars Wackernagel vorzeitig nach Hause gereist. „Wichtig ist, dass alle unsere Fahrer gesund sind. Normalerweise wollten wir am 5. April in Düren in die Bundesliga starten. Jetzt nehmen wir die Intensität raus, denn wir können nicht die Spannung hochhalten, ohne zu wissen, wann es weitergeht“, sagt der Geraer.

Einen richtigen Schock aber musste Wackernagel im Februar verdauen. Der Niederländer Rene Hooghiemster (33), einer der Zugänge der Mannschaft, wurde beim Training auf Mallorca von einem Auto angefahren und zog sich schwerste Verletzungen zu. Unter anderem waren Oberschenkel, Hüfte, Wirbel und sechs Rippen gebrochen, so dass mehrere Operationen nötig waren. „Wir sind froh, dass er am Leben geblieben ist. In diesem Jahr wird er wohl nicht mehr für uns auf dem Rad sitzen können“, sagt der Teammanager.

Wenn der Radsport in diesem Jahr wieder Fahrt aufnehmen kann, dann werden auch drei Thüringer Talente eine Chance bekommen. Neben dem gebürtigen Sachsen Tom Lindner (18) gehören künftig mit Luke Wilk (18) vom SSV Gera und Tim Oelke (19/Blau-Weiß Meiningen) zwei Talente aus den Thüringer Junioren zur Kontinental-Mannschaft. Vierter Zugang ist Paul Konrad Jägeler (18/SV Sömmerda), der für den verletzten Niederländer nachgerückt ist.

Freier Platz für schwergestürzten Fabian Käßmann

Für den im vergangenen Jahr schwer gestürzten Fabian Käßmann hält Wackernagel einen weiteren Platz frei. Der Greizer, der sich schwerste Kopfverletzungen zugezogen hatte, kündigte vor Weihnachten an, um die Rückkehr in den Radsport kämpfen zu wollen. Ans Aufhören habe er nie gedacht, so Käßmann.

Leistungsträger wie Routinier Robert Retschke (39/Chemnitz), der Bundesliga-Zweite John Mandrysch (23) aus Erfurt oder Robert Jägeler (23/Sömmerda) haben ihre Verträge verlängert. „Wir wollen dem Nachwuchs die Chance geben, sich weiter zu entwickeln. Das ist daran abzulesen, dass wir mit acht Fahrern nun zwei U-23-Männer mehr im Kader haben als in der vergangenen Saison“, sagt Lars Wackernagel.

Zwei wichtige Säulen garantieren, dass die Talente tatsächlich die nötige Zeit zur Entwicklung bekommen. Der sächsische Hauptsponsor (P&S Metalltechnik) hat bereits zugesagt, auch im bevorstehenden Olympiazyklus wie bisher zu den Förderern zu gehören. Zudem unterstützt der Thüringer Radsport-Verband (TRV) unter Mithilfe des Landessportbundes und des Olympiastützpunktes das Projekt.

Für die Entwicklung der Rad-Talente war es im vergangenen Jahr wichtig, sich als Kontinental-Mannschaft in der dritten Liga des Radsports zu etablieren und damit mehr internationale Bewährungsproben zu haben. So schaffte Mandrysch bei einem Eintagesrennen in Polen seinen ersten UCI-Sieg, während Dominik Röber bei der Deutschland-Tour mit Ziel in Erfurt auf der zweiten Etappe nach Göttingen die Verfolgergruppe angeführt hatte und 28. wurde.

„Klar wollen wir wieder in der Bundesliga vorn dabei sein“, sagte Wackernagel mit Blick auf Rang drei in der Gesamtwertung des vergangenen Jahres und angesichts von Platz zwei für Mandrysch in der Einzelkategorie. „Entscheidend für uns ist jedoch, dass wir international vorankommen“, sagt der Teamchef.

Vorerst aber rollt die Mannschaft in der Warteschleife. „Wir hatten in Kroatien ein gutes Trainingslager. Jetzt hoffen wir, dass alle irgendwann zur Normalität zurückkehren. Aber bis Ostern ist schon klar, dass wir keine Rennen fahren werden“, sagt Teamchef Wackernagel.

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