Radsportler Jakob Steigmiller äußert sich zu Dopingvorwürfen

Thüringens derzeit größtes Radsporttalent Jakob Steigmiller hat sich am Dienstagabend zu den Vorwürfen in der sogenannten Erfurter Blutaffäre geäußert.

Gegen den Erfurter Radsportler Jakob Steigmiller (rechts) vom Thüringer Energie-Team wird derzeit wegen eines Dopingverdachts ermittelt. Foto: Sascha Fromm

Gegen den Erfurter Radsportler Jakob Steigmiller (rechts) vom Thüringer Energie-Team wird derzeit wegen eines Dopingverdachts ermittelt. Foto: Sascha Fromm

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Erfurt. Jakob Steigmiller hat in einer bewegenden Mitteilung an seine Teamkollegen die momentanen Vorwürfe und das eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen ihn kommentiert. Darin beschreibt er, dass alles im Winter 2011 mit einer Nasennebenhöhlen-Entzündung, in deren Folge er operiert werden musste, begann. "In Folge dieser Operation war ich sehr anfällig für Infekte und habe deshalb den offiziellen Arzt des Olympiastützpunktes Erfurt, Andreas Franke, konsultiert", teilt Steigmiller mit.

"Dieser hat mir eine Behandlung mit Ultraviolettem Licht empfohlen, bei welcher kleinste Mengen meines Blutes (weniger als 50ml) bestrahlt wurden. Auf meine kritischen Nachfragen wurde mir ausdrücklich versichert, dass diese Methode erlaubt ist und auch schon seit 20 Jahren praktiziert wird. In der Literatur wird sie mit Homöopathie oder Akupunktur verglichen. Im Nationalen Antidopingcode wurde diese spezielle Methode erst mit Aufkommen der Diskussionen durch den "Fall Franke" Anfang dieses Jahres konkret verboten."

Wie schon in seiner Stellungnahme an die Nada, stellt Steigmiller klar, "dass ich niemals die Absicht hatte eine Leistungssteigerung zu erzielen, maximal wollte ich meine Gesundheit erhalten." An die Nada schrieb Steigmiller: "Für mich ist es unvorstellbar, gegen die Regeln für einen sauberen Sport zu verstoßen. Ich habe bisher alles getan und werde auch in Zukunft mit voller Überzeugung alles tun, um unseren Anti Doping Code einzuhalten."

Weiterhin beteuert Steigmiller: "Durch den engen Kontakt zum Arzt hat sich bei mir eine große Vertrauensbasis aufgebaut, zumal er als langjähriger OSP-Arzt und Vertragsarzt des DLV einen sehr guten Ruf genießt."

Doch durch den leichtsinnigen Umgang des Arztes mit dieser Methode sei er nun in den Blickpunkt der Medien und mitten in eine die Diskussion um die Auslegung des Dopingcodes geraten.

"Es ist mir besonders wichtig, offen mit diesem Vorwurf umzugehen, denn ich habe nichts zu verbergen", sagt Steigmiller und verweist sogar auf folgende Situation: "Auf meine Nachfrage hat er mir sehr ausführlich und plausibel erklärt, dass die geplante Behandlung nicht gegen den WADA-Code verstößt.

Dabei sind mir folgende Kernaussagen im Kopf geblieben: Aufgrund meiner Infektion setzt er diese Methode zur deren Behandlung und nicht zur Leistungssteigerung und Verschleierung unerlaubter Mittel ein.

Der Arzt erklärte mir den Unterschied zwischen einer Infusion und der geplanten Injektion und dass die geringe Menge von 50ml nicht unter das Verbot des sogenannten "Infusionsparagraphen" im WADA-Code fällt.

Die Behandlung stelle keine Manipulation im Sinne einer Täuschung mit betrügerischer Absicht dar, sondern diene der Steigerung der angegriffenen körpereigenen Abwehrkräfte.

Die Erläuterungen klangen für mich sehr überzeugend, so dass ich keinen Moment deren Richtigkeit in Frage stellte. Ich versichere Ihnen, dass ich dabei nicht den geringsten Zweifel an der Legalität der Methode hatte. Sonst hätte ich diese Behandlung abgelehnt."

Weiter gab er in seiner Stellungnahme folgende Zeilen zu Papier: "Gerade beim Gebrauch einer Methode mit kompliziertem medizinischen Hintergrund muss ich mich als Laie auf einen autorisierten Sachverständigen verlassen. Für mich sind das die lizensierten Vertragsärzte der Olympiastützpunkte und Verbände. Deshalb bin ich aus meiner Sicht mit der größtmöglichen Sorgfaltspflicht vorgegangen und sehe die Schuld nicht bei mir."

Mit folgenden offenen Worten schloss Steigmiller die E-Mail an seine Teamkollegen: "Also Jungs, ich wollte euch einfach Bescheid geben, wie die Lage momentan ist. Ich werde bald eine öffentliche Stellungnahme dazu abgeben, dass ich nicht ganz so durch den Dreck gezogen werde. Ich bitte euch nur, die Mail vertraulich zu behandeln. Denn noch mehr Trubel kann ich momentan nicht gebrauchen." Letztlich entschied sich Steigmiller auch dies öffentlich zu machen. Ein Zeichen absoluter Transparenz.

Das Thüringer Energie Team stellt sich unterdessen hinter seinen Sportler: "Wir haben absolutes Vertrauen in Jakob und stehen hinter ihm. Er hat sich nichts vorzuwerfen. Wir unterstützen und unterschreiben seine Argumentation", sagt Teammanager Jörg Werner.

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