Regionalliga droht „unfassbar harte Saison“

Nordhausen/Meuselwitz.  Nach der Abbruch-Entscheidung könnten in der kommenden Saison bis zu 23 Vereine im Nordosten in der 4. Liga spielen

Auch in der kommenden Saison wird es in der Regionalliga zum Thüringer Duell zwischen Wacker Nordhausen und dem ZFC Meuselwitz kommen.

Auch in der kommenden Saison wird es in der Regionalliga zum Thüringer Duell zwischen Wacker Nordhausen und dem ZFC Meuselwitz kommen.

Foto: Christoph Keil

Tino Berbig war nicht mehr überrascht von der einstimmigen Entscheidung. Das Präsidium des Nordostdeutschen Fußballverbandes hatte am Freitagabend mit 16 von 16 Stimmen beschlossen, die Regionalliga und die Oberliga-Saison wegen der Auswirkungen der Corona-Krise abzubrechen. Ohne Absteiger – außer dem FC Rot-Weiß Erfurt, der sich im Januar abgemeldet hatte.

Der Teamchef von Wacker Nordhausen hatte den Beschluss schon im April gefordert. Nicht nur, weil seine Truppe trotz Insolvenz der Profi-Abteilung so die Klasse hält. „Ein fairer Wettbewerb wäre nicht mehr gewährleistet gewesen", so Berbig, dessen Team allein schon vier Spiele im Rückstand war.

Lok Leipzig geht als Meister in die Relegationsspiele

Wolfhardt Tomaschewski, der Präsident des Thüringer Verbandes, stimmte per Video am Freitag mit ab. „Das Ergebnis war vorher schon klar. In den Befragungen hatten sich fast 90 Prozent von 170 Leuten für die jetzt angenommenen Vorschläge ausgesprochen“, so der Altenburger. Das bestätigte auch Hubert Wolf. Der Präsident des ZFC Meuselwitz ist Mitglied im NOFV-Präsidium und findet die getroffenen Entscheidungen auch aus Vereinssicht richtig und alternativlos.

Dass der 1. FC Lok Leipzig nach Meister-Entscheid per Quotientenregel nun in die Aufstiegsspiele – wohl gegen den SC Verl als West-Vertreter – gehen soll, sehen Wolf, Tomaschewski und Berbig als fairste Lösung. Hubert Wolf hebt noch einmal die Tabelle ohne die Herausrechnung der Spiele gegen Erfurt hervor. In dieser wäre Lok mit drei Punkten Tabellenführer vor Energie Cottbus und der VSG Altglienicke. Dass die beiden letztgenannten Vereine laut RBB – anders, als ursprünglich angekündigt – keinen Widerspruch oder rechtliche Mittel gegen die Entscheidung einlegen wollen, bewertet Wolf positiv. Allerdings wären die Chancen für Cottbus und Altglienicke laut dem Präsidenten der Meuselwitzer auch sehr gering gewesen.

Lok-Trainer Wolfgang Wolf sagte derweil im MDR: „Es tut mir leid für die Mannschaften, die hinten dran sind. Wir sind glücklich, dass man uns ernannt hat.“ Da das Bruno-Plache-Stadion in Aufstiegsfall nicht drittligatauglich ist, habe man ein Ausweichstadion gefunden. Den Ort wollte der Coach aber noch nicht nennen. Die Aufstiegsspiele dürften analog der Relegation von 3. und 2. Liga Mitte Juli steigen. Zuvor müssen die Teams erstmal gemeinsam trainieren können und eine Woche in Quarantäne.

ZFC-Präsident Wolf hofft auf Vorschläge der Vereine

TFV-Präsident Tomaschewski freute sich besonders für Oberligist Martinroda, der trotz Abstiegsplatz weiter 5. Liga spielen kann. „Damals haben sie nach Jahren, als Thüringen keinen Aufsteiger stellte, den Mut gehabt, hoch zu gehen. Die Saison war dann erwartet schwer. Nun dürfen sie mit mehr Erfahrung in der Oberliga bleiben“, so Tomaschewski.

Einen Oberliga-Aufsteiger aus Thüringen wird es in diesem Sommer nicht geben. Der TFV will die Saison bekanntlich erst ab Oktober bis 2021 zu Ende spielen. „Verbandsliga-Spitzenreiter Fahner Höhe hatte uns schriftlich erklärt, nur den Aufstieg zu erwägen, wenn er im Sommer noch sportlich möglich sei. Das ist durch die Corona-Krise nicht der Fall“, hat Tomaschewski kein weiteres Problem.

Das sieht Wackers Teamchef Berbig in der neuen Regionalliga-Spielzeit aber auf deren Vereine zu kommen. Maximal 23 Mannschaften könnten im ungünstigsten Fall im Nordosten 2020/21 antreten. „Uns stände eine unfassbar harte Saison mit zahllosen englischen Wochen bis Juni bevor. Für die Spieler, die beileibe ja nicht alle Profis sind, eine enorme Belastung“, so der ehemalige Zweitliga-Torwart.

Intern, sagt Hubert Wolf, werde beim NOFV aber schon nach Lösungen gesucht. So ist eine Saison bis in den Juni denkbar. Selbst in puncto Zuschauerbeschränkung gibt es Überlegungen. So könnten Clubs mit vielen Fans erst einmal mehr Auswärtsspiele bestreiten, bis eine Rückkehr zur Normalität möglich ist. Wolf hofft, dass betroffene Vereine, sobald die Ligagröße feststeht, Vorschläge einreichen.

Bei Wacker wartet man nun zunächst die Mitgliederversammlung am 15. Juni ab. Dort soll ein neuer Präsident gewählt werden. „Wir sind gespannt“, so Teamchef Berbig. Während die erste und zweite Mannschaft in Nordhausen weiter pausieren, da auch noch kein Mannschaftstraining in Thüringen möglich ist, beginnen ein paar Nachwuchskicker mit Kleingruppentraining. „Wenn die Erlaubnis der Eltern vorliegt“, so Berbig.

Ob und wann das große Pokal-Halbfinale zwischen Nordhausen und dem FC Carl Zeiss Jena steigt, ist laut TFV-Präsident offen. „Wir wollen den Pokalsieger unbedingt sportlich küren“, so Tomaschewski. Zeit dafür ist noch genug. „Beim DFB werden erst die internationalen Termine und die der DFL erwartet. Dann startet die 3. Liga und wohl erst im Oktober ist dann die 1. DFB-Pokalrunde dran. Vielleicht klappt es bei uns also noch mit den Spielen mit ein paar Zuschauern. Das wäre sehr schön“, sagte Tomaschewski. Wer dann für Nordhausen oder Jena auf dem Feld stehen wird, weiß noch keiner. „Es werden ganz andere Mannschaften sein, als die, die den Pokal vor einem Jahr begonnen haben“, muss sich Berbig erst an den Gedanken gewöhnen.