Rot-Weiß-Insolvenzverwalter Reinhardt: Finden eine Lösung

Erfurt.  Nach der von ihm kurzfristig auf Montag verschobenen Verhandlung mit Vereinsvertretern macht Volker Reinhardt dem FC Rot-Weiß Hoffnung.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt (Archivfoto).

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt (Archivfoto).

Foto: Sascha Fromm

Zum Zeitpunkt, als der Verhandlungstermin in der Kanzlei von Volker Reinhardt anstand, saß Reike Meyer einen guten Kilometer Luftlinie entfernt in seinem Büro vor einem Stapel Papieren. „Keine Sorge, langweilig wird mir nicht“, meinte der Erfurter Rechtsanwalt lächelnd.

Seit er vor einer Woche den Vorsitz im Aufsichtsrat des FC Rot-Weiß übernommen hat, ist einiges liegengeblieben von seiner Arbeit. Gestern Abend war er beim zweiten Sichtungstraining im Gebreite vor Ort. Gleich in den ersten Tagen im Ehrenamt hat Meyer gemerkt: „Der Verein fordert einen auf der ganzen Linie.“ Und er ist immer für Überraschungen gut.

So fiel am gestrigen Donnerstag die mit Spannung erwartete Verhandlung zwischen den Vereinsvertretern und dem Insolvenzverwalter kurzerhand aus. Der Termin war von Reinhardt abgesagt und auf kommenden Montag verlegt worden. Bei der Zusammenkunft soll es um die Herauslösung der sportlichen Geschäftsteile (1. Mannschaft, Nachwuchszentrum) und der Geschäftsstelle aus dem laufenden Insolvenzverfahren gehen. Der FC Rot-Weiß strebt an, diese Bereiche künftig in Eigenverwaltung zu betreiben und den Spielbetrieb wieder aufleben zu lassen.

Als Grund für die Verschiebung hatte Reinhardt gegenüber Meyer vielversprechende Gespräche mit einem Investor genannt. Eine Botschaft, die der neue Chef des Kontrollgremiums mit Freude zur Kenntnis nahm: „Wir sind natürlich hocherfreut über diese positive Nachricht, und dass es sich um konstruktive Gespräche zwischen dem Verwalter und dem Investor handeln soll“, sagte Meyer. „Laut Herrn Reinhardt besteht die große Chance, den Club nachhaltig wirtschaftlich zu sichern. Für seinen Einsatz gebührt ihm unser großer Dank.“ Aufgrund der geplatzten Ausgliederung der Profiabteilung und dem Bruch mit dem erst im Oktober 2019 präsentierten Investoren-Trio (A.S.V.G. Grundbesitz und Verwaltung; Franz Gerber Reha und Sportagentur; Millhouse Capital) herrscht jedoch Skepsis im Umfeld des Vereins. Zu frisch sind noch die Wunden durch die Anzeige der Masseunzulänglichkeit und der damit verbundenen Einstellung des Spielbetriebes der Regionalliga-Mannschaft im Januar. Auch danach war zwar immer wieder von angeblichen Interessenten die Rede; zu einem Abschluss kam es aber nie.

Insolvenzverwalter verwies auf vereinbartes Stillschweigen

Seit Tagen hält sich rund um den Steigerwald hartnäckig das Gerücht, dass Gerber trotz aller negativen Erfahrungen weiter einen Einstieg erwägt. Auf Nachfrage wollten das weder der frühere Bundesligaspieler (93 Einsätze) noch Reinhardt bestätigen. Der Insolvenzverwalter verwies auf vereinbartes Stillschweigen, meinte aber zum Verhandlungstermin mit den Rot-Weiß-Vertretern am Montag: „Wir sind bereits im Austausch und werden eine Lösung für den Fortbestand des Vereins sicherstellen.“

Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat derweil die Ermittlungen gegen Reinhardt eingestellt. Das bestätigte ein Sprecher dem MDR. Die Prüfung habe keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben. Ende Januar hatten zwei Investoren Anzeige erstattet, weil der Insolvenzverwalter ihrer Meinung nach Gelder zweckentfremdet und damit hauptsächlich Schulden getilgt habe.

Chemnitz braucht 450.000 Euro zum Überleben

Beim ebenfalls insolventen Chemnitzer FC liegen derweil die „nackten Zahlen“ auf dem Tisch. Der Drittliga-Absteiger braucht bis Mitte August fast eine halbe Million Euro, um seine Zukunft zu sichern. Per Crowdfunding-Aktion will man die 450.000 Euro zusammenbekommen. Gelingt es nicht, steht die Abwicklung des Vereins im Raum.

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