Norweger Magnus Carlsen ist Schach-Weltmeister

Chennai. Der Norweger Magnus Carlsen entthront den Inder Viswanathan Anand und wird erster westlicher Weltmeister seit Bobby Fischer.

Der Norweger Magnus Carlsen spielte am Freitag remis und damit ist neuer Schach-Champion. Foto: AFP

Der Norweger Magnus Carlsen spielte am Freitag remis und damit ist neuer Schach-Champion. Foto: AFP

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Auch Schachgeschichte wiederholt sich. Es war ein Novembertag 1985, als ein 22-Jähriger jüngster Weltmeister wurde und eine ganze Ära einläutete: Garri Kasparow.

28 Jahre später ist es Magnus Carlsen, ebenfalls 22, der im späten November den Thron des Königs der Welt besteigt.

Mit dem Remis in der 10. Partie des WM-Matchs gegen den Inder Viswanathan Anand entschied der Norweger das Duell mit 6,5:3,5 vorzeitig für sich. Eine Demontage des Champions, noch dazu in dessen Heimatstadt Chennai, im Geburtsland des königlichen Spiels.

Unerwartet freilich kommt sie nicht. Schon lange wirkt Anand, mit 43 fast doppelt so alt wie sein Herausforderer, nicht mehr so leicht und wendig wie in seinen besten Jahren. Dass er bisweilen selbst einfache Dinge übersah, mag ein Tribut des Alters sein.

Aber es ist auch Carlsens Verdienst. Der Norweger, ein Kind des Computerzeitalters, spielt mit der Unerbittlichkeit des Rechners und der Unschuldsmiene eines Schuljungen.

Eine tödliche Mischung.

War es bei Kasparow die Emotionalität, die sein Spiel prägte, die Präzision der häuslichen Analyse und die übermächtige Aura, so besticht das einstige Wunderkind Carlsen durch seine subtile Unbekümmertheit und unvergleichliche Intuition. Seinen Stil, selbst vermeintlich einfachste Stellungen weiter zu spielen - und meist noch zu gewinnen - hat er nahezu perfektioniert. Anand musste es in der 6. Partie leidvoll erfahren.

Mit dem Posterboy, den das Magazin "Time" schon zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeit zählt und "Cosmopolitan" zu den 100 attraktivsten Männern, hat die Schachwelt wieder einen echten Superstar.

Dass Carlsen im Bewusstsein der Öffentlichkeit noch nicht das Standing eines Kasparow oder Fischer besitzt, der 1972 letzter westlicher Weltmeister war, liegt auch am ewig zerstrittenen Weltverband, der es nicht schaffen will, Schach in die großen Metropolen Europas und in die Mitte der Welt zu holen.

Eine lohnende Aufgabe für den neuen Champion.

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